Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 3.1907

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Nr. i.

25

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

Mangel an Raum, die Beratung durch nicht
verantwortliche Künstler, die veraltete Schwer-
fälligkeit der Aktion und noch anderes. Diese
Artikel sind beherzigenswert und dürften alle
Kunstbehörden lebhaft interessieren. Sie finden
sich in den Nummern 126, 128, 134- 135, I7U
181 und 194 des laufenden Jahrganges.

Paris. Die neuen Erwerbungen des
Louvre in den Jahren 1904 und 1905. zu-
meist in diesen Blättern einzeln gemeldet,
werden in zusammenhängender Weise be-
sprochen in der „Gazette des beaux arts“ (April-
heft, S. 293 ff.).

— Große Ausstellungen: Salon de la
Societe Nationale des Beaux-arts (seit dem
15. April). Der Salon de la Societe des artistes
Fram;ais soll am 11. Mai eröffnet werden.

— Es stehen offen oder wurden vor
kurzem abgehalten die 22. Ausstellung der
Pastellistes fran<;ais in der Galerie Georges
Petit und zahlreiche Sonderausstellungen z. B.
von Werken der Maler Theodore Weber,
Charles Conder, Charles Cottet, A.
Lebourg. (Chr. d. a. 7. April 1906.)

— Im „Petit palais“ der Champs elysees
wurden Säle mit Werken des Bildhauers Dalou,
des Malers Ziem und jüngst auch des vor
einiger Zeit verstorbenen elsässischen Malers
J. J. Henner eingerichtet (L’Illustration Nr. 3292,
März 1906).

— Die Chronique des arts et de la curio-
site (S. 107) berichtet über die Bildung einer
neuen Kunstvereinigung, die sich „Cercle des
arts'- nennt und jüngst eine Ausstellung ver-
anstaltet hat.

Perugia. Die Villa Petronilla des Malers
und Grafen Lemmo Rossi Scotti, die viele
Werke moderner italienischer Kunst enthielt,
hat durch ein Schadenfeuer gelitten (K. Chr.
Sp. 336).

Wien. Die 23. Jahresausstellung im
Wiener Künstlerhause erregt das Interesse
weiter Kreise. Die neueste künstlerische Kund-
gebung der Genossenschaft der bildenden Künst-
ler Wiens kann so ziemlich als typisch an-
gesehen werden für die meisten Ausstellungen,
die seit einigen Jahren im Künstlerhause ver-
anstaltet worden sind. Man hält nahezu allen
Richtungen das Tor offen von den neuesten
bis zu den ältesten, die noch durch lebende
Maler vertreten werden. Diesmal ist man
wieder auf E. Lichtenfels, sogar auf G. Geyer
zurückgegangen. Die Makartsche Zeit klingt
nach in zwei Bildern von Schlimarski. Man
läßt daneben Breitmaler zu Wort kommen,
wie einen A. Egger-Lienz, Hochard, Villegas,
F. Baer, Palmie und sorgt durch Arbeiten
eines Simm und durch Ipoldsche Miniaturen
für Gegensätze. Wie sonst ist auch diesmal
die Bildniskunst das beste in den Räumen.

Angeli, John Quincy-Adams, Ferraris, Jovano-
vics, Laszlo, Pochwalski, Scharf, Stauffer,
Temple, Veith haben neben vielen anderen
Porträte ausgestellt. Internationalität wird an-
gedeutet durch große Bilder von spanischen
Malern. M. Beneditos Dantebild von 1904 ist
da. Chicharro y Agüeras Armidakomposition
findet staunende Betrachter. Zahlreichedeutsch-
ländische Künstler werden unschwer bemerkt.
J. E. Blanche aus Paris, Leempoels aus Brüssel,
Kallstenius aus Stockholm, einige eingestreute
Engländer und der anglisierte Deutsche Her-
komer können kaum übersehen werden. Die
Haupttruppen werden von den österreichischen
Künstlern beigestellt, unter denen viele Meister
des Porträts schon oben genannt wurden. In
stimmungsvoller, leicht stilisierter Landschaft
zeichnen sich diesmal H. Wilt und Kasparides
aus. Ludwig Koch vervollkommnet sich in der
Darstellung kühn bewegter Pferde. Von zahl-
reichen anderen könnte man mitteilen, daß
sie stehen bleiben, wenn nicht zurückgehen.
Bei manchen ist ein Vorrücken bemerkbar.
Neben den Bildern verdienen, wie sonst im
Wiener Künstlerhause, die Werke der Plastik
besondere Beachtung. Der Architektur ist wenig
Raum gewidmet. Man versteht es heute, wie
sonst, die Kunstwerke in vornehmer Weise
vorzuführen, ohne besondere Anstrengungen
in bezugauf Unterteilungen und Ausschmückung
der Säle zu machen. Will jemand sich einen
Begriff von der Art und Weise bilden, wie
seit etwa sechs Jahren im Wiener Künstler-
hause gewöhnlich ausgestellt wird, so bietet
gerade die heurige Jahresausstellung dazu die
beste Gelegenheit. Sollten, wie doch zu hoffen
ist, von den zahlreichen Künstlern, die vor
mehreren Jahren aus der Genossenschaft aus-
getreten sind, wieder viele zurückkehren, so
dürfte sich der allgemeine Charakter der Aus-
stellungen bald geändert haben.

Auch die kleinere Ausstellung des Hagen-
bundes ist für den Durchschnitt charakteri-
stisch, den diese rührige Gesellschaft von zu-
meist jungen Talenten vorzuführen vermag.
Nicht als ob alle Namen, die man in Verbin-
dung mit dem Hagenbund kennen gelernt
hat — es hat ja Abtrünnige gegeben und
manche Mitglieder haben diesmal nichts ein-
gesendet — in dieser Schaustellung vertreten
wären, aber charakteristisch ist sie für die
geordnete, gepflegte Art, Kunstwerke vorzu-
führen, charakteristisch für das Ausschließen
älterer Richtungen und für die freudige Hin-
gabe ans Neue. Besonders hervorzuheben sind
diesmal die Bilder von Roth (eines derselben,
Kinderreigen mit dem geigenden Tod dabei,
ist für die „Moderne Galerie“ angekauft
worden), von Graf, der eine Menge seiner
neuen, oft etwas bunt geratenen Versuche
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