Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 3.1907

Page: 97
DOI issue: DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/bl_gemaeldekunde1906_1907/0125
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Nr. 6.

97

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

ches anzumerken. Die ältere Benennung:
Rembrandt*), obwohl noch von Burger beibe-
halten, muß jedenfalls aufgegeben werden. Es
gehört, wie mir scheinen will, viel näher zu
dem seltenen Rembrandtisten Gherwen, er-
innert auch an Barent Fabritius, weniger
an Karel Fabritius, der neuestens in A. v.
Wurzbachs Lexikon für dieses Bild genannt
worden ist. Die Benennung Eekhout durch
Ellen Duncan überzeugt mich nicht, doch gebe
ich gerne die Schwierigkeit zu, beweisende
Gründe für eine bestimmte andere Benennung
vorzubringen. Auch Weizsäckers Katalog
(S. 274) der Städelschen Galerie in Frank-
furt a. M. hält mit einer bestimmten Be-
nennung zurück, obwohl ihm die Halbfigur,
die in der Galerie zu Dublin als Eekhout ge-
führt wird, bekannt war. Eine alte Kopie ohne
Benennung nach dem „Christ blessing little
Children“ befindet sich in der Würzburger
Residenz.)

Zum Palmezzano wird im Text von
E. Duncan angemerkt, daß er signiert ist,
„Marchus Palmizanus Pictor [F]orelivi [ensis]
fecit MDXIII“ und daß er nach Lanzi ehedem
beim Principe Ercolani gewesen. Später ge-
langte er in die Galerien Fesch und Rev.
Walter Davenport Bromley zu Wootton
Hall.

„Künstlerische Notentitel“, behandelt
durch Jean Loubier in „Kunst und Kunst-
handwerk“ (Jahr IX, Heft 10).

„Chinesische Stoffe auf einem ita-
lienischen Bilde des 15. Jahrhunderts“. Artikel
von Moritz Dreger über die Stoffe auf dem
Verkündigungsbilde in Sant Alessandro zu
Brescia („Kunst- und Kunsthandwerk“ Jahr IX,
Heft 10). Die erwähnte Verkündigung wurde
ehedem nur einer „mano antica“ überhaupt
zugewiesen („Le pitture di Brescia“, 1760, S. 119).
Dann galt sie als Werk des Fra Angelico und
seit Morelli und Frizoni wird Jacopo Bellini
als Autor genannt.

Die Fernphotographie ist in jüngster
Zeit so wesentlich verbessert worden, daß die
Gemäldekunde an dieser Neuerung nicht mehr
teilnahmslos vorübergehen darf. Hat es doch
den Anschein, als würde man binnen kurzem
in dringenden Fällen sich ein bildliches Tele-
gramm nach einem Gemälde senden lassen,
über dessen allgemeine Anordnung und Einzel-
heiten man sich unterrichten muß. In der

*) Dieses Werk war 1746 in gräflich Schönborn-
schem Besitz. Lange Jahre wurde es als Rembrandt
in der Wiener Galerie Schönborn angestaunt, bis es
an Barthol. Snermondt nach Aachen und dann in
die National Gallery nach London gelangte (vgl.
„Zeitschrift für bildende Kunst“ I, S. 196). In London
enttäuschte es sehr. (Hiezu Redford „Art Sales“ Ein-
leitung S. XXII), da es 7000 iS kostete und doch kein
Rembrandt war.

„Technischen Rundschau“ des Berliner Tag-
blattes (Nr. 47) werden die neuesten Fort-
schritte der Fernphotographie durch In-
genieurBaumgärtner besprochen. Nach Prof.
Korns Verfahren wurden Porträtaufnahmen
auf viele Kilometer weit innerhalb 20 Minuten
in befriedigender Deutlichkeit übertragen. Das
geht also jedenfalls rascher als die schnellste
Postsendung.

Der gegenwärtige Vorstand des ständigen
Ausschusses der Kunsthistorischen Kon- j
gresse: Hofrat Prof. Jos. Strzygowski, Prof.
Rud. Kautzsch, Dir. Karl Koetschau und Dr. A.
Warburg, teilen in einem Rundschreiben mit,
daß an der Veranstaltung von Kongressen fest-
gehalten wird, daß ein methodisches Zusam-
menfassen der Kunstwissenschaft geplant ist,
daß man die Anerkennung gemeinsamer Ziele
und bestimmter Grundsätze anstrebe, ohne
das Recht der Eigenart schmälern zu wollen,
und daß man ein Handbuch der Kunstwissen-
schaft herauszugeben beabsichtige. Der nächste
Kongreß dürfte in der dritten Oktoberwoche
1907 abzuhalten sein, und zwar in Dresden.
Endgültige Einladungen sollen im Laufe des
Sommers 1907 versendet werden. Die neuen
Pläne der Kunstwissenschaft seien mit Wärme
begrüßt. Ein neuerliches Zusammentreten der
Kunstgelehrten verschiedener Richtungen kann
der Sache nur zum Heil gereichen, und, da
man nicht diktieren, sondern vorsichtig be-
raten will, ist eine lebhafte Beteiligung wohl
zu erwarten.

RUNDSCHAU.

Amsterdam. Am 27. und 28. November
werden durch Frederik Müller & Cie. ver-
steigert die Porträtgalerie der alten Familie
v. I. v. D„ ferner die Sammlung H. C. Du Bois
aus dem Haag und anderer Bilderbesitz. (Reich
illustrierter Katalog.)

— Am 10. Dezember und an den darauf-
folgenden Tagen große Versteigerung von
Kunstdrucken und Büchern, die sich auf
„O u d-N e d e r I a n d“ beziehen. (Auktionsinstitut
Müller & Cie. (Prächtig ausgestatteter Ka-
talog.)

— Wieder durch Frederik Müller
werden am 11. Dezember niederländische
Schwarzkunstblätter versteigert. Der vor-
nehm ausgestattete Katalog verzeichnet viele
Seltenheiten.

Basel. Die Sammlung Carl Geldner
hat das frühe Werk des Jan Asselyn er-
worben, das vor einiger Zeit in diesen Blättern
abgebildet war.

2
loading ...