Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 3.1907

Page: 160
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BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

Nr. 8.

dem Namen „Anselma“ ausgestellt hatte
(Chr.d.a.). — Es starben weiters: Am 20. Jänner
der Genremaler Wilhelm Amandus Beer zu
Frankfurt a. M. (Hamburger Nachrichten
23. Jänner 1907). — Vor dem 26. Jänner zu
Neapel der Maler Geremia di Scanno
(Chronique des arts vom 26. Jänner). — Am
25. Jänner zu Paris der 85jährige Maler Felix^
Joseph Barrias (L. J. d. a.). — Vor dem
Ende Jänner der nordamerikanische Zeichner
und Kupferstecher Edwin Davis French
zu Saranec Lake bei New York (Ü. L. u. M.
1907, Nr. 17). — Am 29. Jänner der Maler
v. Kobierski im 59. Lebensjahre (Münchener
Allgemeine Zeitung 2. Februar 1907). — Am
29. Jänner zu Lussinpiccolo der Gutsbesitzer
aus Kirchbichl in Kärnten Ernst Herbert^
Kerchnawe, der eine bemerkenswerte Ge-*
mäldesammlung besessen hat. Die Blätter für
Gemäldekunde haben wiederholt auf die
Herbertsche Sammlung hingewiesen (D. N.).
— In der Zeitperiode, die in den vorliegenden
Mitteilungen berücksichtigt wird, verschied
zu Meran auch Graf Edmund Zichy, der
Besitzer bedeutender Gemälde aus Budapest,
worüber noch näher zu berichten sein wird.

BRIEFKASTEN.

Herrn — inN. Für solche Fragen, wie Sie sie be-
rühren, empfehle ich Ihnen das Studium der Maler-
familie Ciappa in Neapel. Einer der Ciappa war
Schnellmaler, Konzertmaler, ein Luca fa presto später
Zeiten. Mehrere waren Nachahmer, um nicht zu sagen
Fälscher älterer Meister, besonders des Correggio.
Zu dem, was Nagler bietet, ist auch noch zu beachten,
was in Hormayrs Archiv von 1829 (S. 567) vermerkt
steht. Es wäre mir lieb, wenn Sie diese Spur verfolgen
wollten.

Herrn in L. Auf P entimentein holländischen,
deutschen und italienischen Bildern habe ich schon
vor Jahren Rücksicht genommen. In dieser Beziehung
darf ich auf mein Handbuch der Gemäldekunde ver-
weisen. Auch die Pentimente auf dem Vermeer in
Dresden sind durch mich längst besprochen. Von einem
der merkwürdigsten Pentimente auf dem Veermer im
Mauritshuis darf ich dasselbe behaupten. Auf den
Reuezug an Rembrandts Selbstbildnis in der fürstlich
Liechtensteinschen Galerie, auf andere an dem Basaiti
der kaiserlichen Galerie zu Wien, auf die vom Maler
selbst geänderten Stellen an einigen neueren Bildern,
z. B. einem Amerling in der Wiener Akademiegalerie,
habe ich oft in meinen Kursen hingewiesen. Wenn
Sie Ihr Auge auf die Sache einüben wollen, finden
Sie leicht Dutzende von Beispielen. Ein sehr beachtens-
wertes Pentiment an einem Bilde des Meisters R F
in der Wiener Galerie ist 1898 durch F. v. Sagburg
beschrieben worden (in Seemans Kunstchronik 1898,
Nr. 18, SpL 299). Noch verweise ich Sie auf das Penti-
ment bei Raffael im Sposalizio der Breragalerie. Der
Bart des Priesters ist ohne Zweifel schon vom Meister
selbst verbreitert worden. Auf Holbeins Madonna in
Darmstadt kommt ein auffallendes Pentiment vor.

Frau — in W. Der Titel des Scherzes über einen
Beitrag zur Beethoven-Literatur im — lautet:
Der vom Herrn Professor — aufgezogene Automat,

oder die Kunst, aus einer Biene ..... einen Grün-
schnabel zu machen.

Herrn-. Das Bild des Herrn Dr. Klauber

ist mir ja gar nicht vor die Augen gekommen. Lassen
Sie sich nichts vormachen.

Herrn . . in W. Sollte es Ihnen entgangen

sein, daß in so und so vielen Büchern, Heften und
Aufsätzen, die von Geschichte der Physik und Technik
handeln, Lionardo da Vinci auch als Natur-
forscher gewürdigt worden ist? Überdies gibt es ein
eigenes Heft, das geradewegs den Titel führt: „Lionardo
da Vinci als Naturforscher.“ Es ist von Fritz Raab
in Wien verfaßt und erschien in der „Sammlung
gemeinverständlicher wissenschaftlicher Vorträge“,
herausgegeben von Rud. Virchow und Fr. v.
Holtzendorff (Berlin 1880). Bei Raab sind auch
ältere Schriften angeführt, die Sie zu beachten haben.
Eine neue Arbeit über den Gegenstand steht zu er-
warten.

Herrn RR in W—. Daß große Künstler und be-
deutende Forscher gewöhnlich keine guten Lehrer
sind, dieser Ausspruch ist in allen Kunstakademien
und Universitäten Gemeinplatz geworden. Da befindet
sich aber gar nicht der springende Punkt der Frage,
die Sie berühren. Der ist dort zu suchen, wo es sich
um staatliche Förderung handelt. Die Lehrkraft, der
Professor, die haben ihre staatliche Versorgung und
alle mögliche Förderung für sich, wogegen für den
Forscher und Künstler als solchen selten und nur
von Fall zu Fall etwas getan wird, man müßte ihm
denn neben der Forschung auch das Lehramt aufge-
bürdet haben. Die also, die eigentlich die Kunst und
die Wissenschaft machen, sie vertiefen, sind vom
Staate gewöhnlich vernachlässigt neben denen, die nur
verbreitern und die zumeist nur dafür bezahlt werden,
daß sie ein Proletariat von Gelehrten und Künstlern
heranbilden.

Herrn — in G. Zur Entwicklungsgeschichte der
Porträtminiatur in Deutschland mögen Sie neben dem,
was Ihnen schon bekannt ist und neben den Holbein-
schen Rundbildchen, die Sie ja kennen, auch die zwei
kleinen Bildnisse beachten, die auf dem ansehnlichen
Werk des jüngeren Ludger to Ring im Berliner
Museum Vorkommen.

Herrn in W, Es dürfte Ihnen genügen, über
Astigmatismus in den Handbüchern der Physio-
logie und Augenheilkunde nachzulesen. Wollen Sie
mehr darüber erfahren, über regulären und irregulären
Astigmatismus, so müssen Sie sich tapfer durch die
Literatur durch arbeiten, die bei Helmholtz in der
Physiologischen Optik, Anhang, $ 2 und $ 14 zusammen-
gestellt ist und durch die weitere, die in den jüngsten
Jahren noch dazugekommen ist. Ich kann Sie ver-
sichern, daß die Sache sehr verwickelt ist, da Sie auch
andere physiologische Mängel des menschlichen Auges
berücksichtigen müssen. Die einzelnen Sektoren des
Auges sind nicht gleich, oft recht merklich ungleich,
zentriert. Lesen Sie über die Sache nach, und Sie
werden sich dann vor unvorsichtigen Verallgemeine-
rungen hüten.

Herrn K. H, in Wien. Für das nächste Beilage-
heft ist manches vorbereitet, das die fürstlich
Liechtensteinsche Galerie betrifft.

Viele Fragen, die eingelaufen sind, können nicht
sofort beantwortet werden, da die meisten ganze Ab-
handlungen „in nuce“ voraussetzen. Nach Möglichkeit
wird in den folgenden Heften Auskunft erteilt.

- Für die Vorträge über Beet*-
hoven ist die Zeit nach Ostern in Aus'
sicht genommen. ✓ ✓ ✓ - -

Druck von Friedrich Jasper in Wien. — Klischees zumeist von der Graphischen Union.

Preis dieses Heftes 1 K 80 h = 1 M, 50 Pf, — Für unverlangte Beiträge wird keine Bürgschaft geleistet.
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