Kissling, Hermann; Stadtarchiv <Schwäbisch Gmünd> [Editor]; Deibele, Albert [Oth.]
St. Leonhard in Schwäbisch Gmünd und die ihm angeschlossenen Pflegen: Geschichte u. Verzeichnis d. Urkunden, Akten u. Bände mit e. Anh. über d. Dreifaltigkeitskapelle u. den St. Salvator ; 1323 bis zur Gegenwart — Schwäbisch Gmünd, 1971

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faßte der Maler Johann Georg Heberle ein Kruzifix für 1 fl 4 kr, und 1729
(JR. S. 77) erhielt Kaspar Urbon für „ein Jüngstes Gericht zu malen“ 12 fl 30 kr.
1765 wurde der Glockenturm ganz neu gemacht, was einen Aufwand von 50 fl
59 kr erforderte. Im gleichen Jahre hatte der Maler Georg Felderer das Innere
der Kapelle um 2 fl 20 kr zu erneuern. Das sind die dürftigen Nachrichten, die
uns von St. Margaretha überliefert sind.
Die große Chronik von Dominikus Debler (StA. Bd. VI S. 495) hat uns ein
ganz flüchtiges Bild der Kapelle überliefert. Nach diesem wurde die Zeichnung
im Anhang gefertigt. Der Stil scheint auf einen gotischen Bau hinzudeuten, der,
besonders deutlich bei Debler, ganz aus Quadersteinen aufgeführt ist. Mehr aus
dieser Zeichnung herauszulesen würde sich zu tief in der Phantasie verlieren.

6. Die St. Nikolauskapelle
St. Nikolaus gehörte zu den beliebtesten Heiligen des Mittelalters. Über sein
Leben ist nichts Sicheres bekannt. Seine später so volkstümliche Gestalt ist eine
Zusammenfassung der Legenden aus dem Leben von Nikolaus von Myra und
Nikolaus von Sinon, die beide geschichtlich bezeugt sind. Die Verehrung des
Heiligen steigerte sich im Morgenland gegen Ende des 9. Jahrhunderts so sehr,
daß sie nahe an diejenige von Maria heranreichte. Um diese Zeit gelangte sie auch
nach Europa. In Deutschland begünstigte Theophanu, die griechische Gemahlin
Kaiser Ottos II., den Kult. Den Höhepunkt erreichte die Verehrung des Heiligen
gegen Ende des Mittelalters. Die Legenden überbieten sich an Erzählungen aus
dem Leben des Heiligen. Ihnen sind auch die Attribute entnommen, die St. Niko-
laus beigegeben werden: 3 Kugeln, 3 Brote, 3 goldene Äpfel, ein Schiff. Überaus
mannigfach sind auch seine Patronate über die Jungfrauen, Schiffer, Pveisenden,
Gefangenen, Bäcker, Kinder, Schüler usw. Besonders wichtig wurde das Schüler-
patronat. Es erklärt das Brauchtum am Vorabend seines Festes, das am 6. De-
zember gefeiert wird. (Geschenke, Rute). Seit der Reformation wird seine Rolle
mehr und mehr auf das Christkind übertragen, und so wird St. Nikolaus zum
Weihnachtsmann. (Nach Buchberger: Lexikon für Kirche und Theologie.)
Bei der großen Volkstümlichkeit dieses Heiligen ist es begreiflich, daß auch in
Gmünd seine Verehrung schon frühzeitig Fuß faßte. Neben einer Nikolauspfründe
im Spital, die schon vor 1445 bestand, besaß Gmünd auch eine Nikolauskapelle.
Sie befand sich im 1. Stockwerk eines Torturms der inneren Stadtmauer, der
mitten in der Straße stand, die vom Marktplatz zur Hinteren Schmiedgasse
führt. Seine Grundmauern wurden 1969 beim Neubau einer Zweigstelle der hiesi-
gen Kreissparkasse angeschnitten. Nach der Kapelle erhielt der Turm den Namen
Kappelturm, die Straße den Namen Kappelgasse. Der Altar wurde 1522 (Reg.
369) zu Ehren von St. Nikolaus, St. Erasmus und der heiligen drei Könige ge-
weiht. Der Hauptpatron war ursprünglich St. Nikolaus, dessen Bildnis den ein-
zigen Altar zierte. Nach dem Chronisten Dominikus Debler war die Kapelle sehr
klein. Auf dem Stadtturm hing 1 Glöcklein, das bei Beerdigungen geläutet wurde.
Die Kapelle hatte keine eigene Pfründe, sondern wurde von der Josenkapelle
mitversorgt. Die Jahresrechnung von St. Leonhard meldet 1793 (S. 32 b): Dem
Mesner von St. Nikolaus und St. Georg ist wegen der abgegangenen Kapelle von
St. Nikolaus vom Rat als Ersatz 10 fl bewilligt worden.
Mit der Erbauung des Stadtturmes, zum mindesten aber kurz danach, scheint die

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