Deters, Friedrich
Die englischen Angriffswaffen zur Zeit der Einführung der Feuerwaffen: (1300 - 1350) — Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1913

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II. Teil: Die Fernwaffen.

A. Die Schleuder.
I. Kurze Geschichte der Schleuder von der Normannischen
Eroberung bis 1300.
Die Schleuder war den Angelsachsen wohlbekannt
(vgl. Keller 62). Die älteste Form derselben war die Schleu-
derkelle, ein Stab mit einer Kerbe, in die der Stein gelegt
wurde. Die Waffe Davids, dem Goliath zuruft: „Bin ich
denn ein Hund, daß du mit einem Stecken zu mir kommst ?“
wird wohl dieser Natur gewesen sein.
Die sich beim Wurfe schließende und öffnende Hand
wird von der Bandschleuder nachgeahmt. Solche Schleu-
dern sind auf dem Rande des Teppichs von Bayeux zu
sehen; (vgl. auch Jähns Tafel XI Fig. 7); sie besitzen be-
reits ein Täschlein zum Halten des Geschosse.
Die Verbindung der Schleuderkelle mit der Band-
schleuder zur Stabschleuder wurde früh vollzogen. Sie
war unter dem Namen staef-lidere schon im alten Eng-
land bekannt (vgl. Keller 218) und wurde nach dem Be-
richt der Gesta Guilielmi Ducis Normannorum (p. 201)
in der Schlacht bei Hastings verwendet. Eine gute Dar-
stellung der Waffe entwirft eine bei Hewitt (I, 206) und
auch bei Schultz (II, 207) reproduzierte Miniatur aus
Matthaeus Paris.
Die gewöhnlich verwendeten Geschosse waren wohl
Steine; vielleicht gebrauchte man auch flache Bleistücke,
wie sie uns aus dem Altertum von den griechischen und
römischen Schleuderern bekannt geworden sind. Bisher
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