Beilage zum Diözesan-Archiv von Schwaben — 1893

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Otho redivivus.

Ein Tl) eaterstück aus dem Jahre 1614.

. (Fortsetzung.)

Merkwürdig ist in dieser Drohung der Hinweis ans einen
Kometen. Man könnte meinen, der Verfasser citiere Abt
Stengels Kommentar. Dieser schreibt (p. II. Cap. LXXII
S. 327 ff.) im unmittelbaren Anschluß an die Erzählung von
den Feierlichkeiten znr Einweihung der Dillinger Jesuitenkirche,
1. Dezember 1618: »apparuit Augustae Cometa in signo

Librae prope Arcturum et Coronam etc.Altitudine

solem superare, quantitas ad quinquaginta unum et tri-
ginta duo milliaria se extendere judicatus est: turba-
tionum praesentium in Germania evidentissi-
mum praesagium. Tune enim prorupit illud Bohe-
mici belli incendium, quo tota fere Germania deflagravit.
Der Kommentar ist 1647 gedruckt.

Lieblich ist die Scene, wie die Engel fürbitten. Christus
will sich nicht erbitten lassen:

Eruetus bonos a trunco qui non fronduit(! ?)

Quid ego sperem de reliquo: igni fiat pabulum.

Omnes tutelares: Tueatur innocentia parvulos.

Christus: Tuebitur sed poena noxios manet.

Omn. tut,: Dona parentes filiis. — •— —

Vom Stumpfe gute Früchte, der selbst ohne Laub?

Was hoff ich ferner noch: er sei des Feuers Fraß!

Alle Schutzengel: Die Unschuld schütze wenigstens die Kleinen,
Christ: Sie schützt sie! Doch die Strafe harrt der Schnldigen,
Alle Engel: So giefa den Kindern Eltern — —

nämlich wenigstens geistiger Weise, wie in Kardinal Otto der
Diözese Augsburg. Endlich bitten auch noch die Patrone des
Universität und Diözese für ihre Klienten.

4. Die F ü l l e r e y / b ö s e B e g i e r d / v n n d G o t t e s-
lösterung / rühinen sich / daß jhnen im Land guter
Platz gegeben werde. Drvwen den Weinberg der
Religion v n n d rechten Glaubens / z u v e r w ü st e n /
vermaineu solches leichtlich zuvermögen/in Mangel/
gtlter Hirten / die sich jhnen widcrsetzen / solchen/
z n hülff schickt die Ketzeret) die Freyheit deß Fleischs /
welche darzu jhren Dienst vilfältig anerbietet.

8. Teutschland vnd die Religion / beklagen
sich ab Verwüstung deß Weinbergs der Kirchen
Gottes / vnd ab der saumseligkeit der Hirten /
in solcher gefahr: berahtschlagen wie solchem Vbel
zil begegnen / finden die gröste hülff in Gottes
gnad vnd fürsichtigkeit.

Erschütternd ist der Germania Klage:

Ego illa felix quondam et usque ad sydera
Elata veris laudibus Germania
De pristino splendore tantum perdidi,

Ut luctui iustissimo me dedere

Cogar —- — — — — — — — —

Ich arme, einst so glückliche Germania,

Die man mit wahrem Ruhm bis zu den Sternen hob!

So viel vom früher» Glanz verlor ich, daß ich nun
Gerechtester Betrübnis mich ergeben muß! — —

sie schließt mit den Worten von Ps. 79

Clamare possum quod propheta regius;

Ut Quid destruxisti maceriam eius et vindemiant eam omnes,
qui praetergrediuntur viam, exterminavit eam aper de silva et singu-
laris ferus depastus est eam, Deus uirtutum convertere respice de
caelo et vide et uisita vineam istam.

Ich rufe mit dem königlichen Seher aus:

Warum nu» rissest Du seine (des Weinbergs) Mauern ei», und
lesen von ihm Trauben, alle, die des Weges vorüberzieh'n? Ein Eber
aus dem Wald hat ihn verwüstet, ein einsam Wild ihn abgefressen.
O Gott der Heerscharen, kehr' Dich zu uns, blick' doch vom Himmel
nieder und sieh' ttns au, und suche diesen Weinstock heim. (Nach
Thalhofer.)

Diese Klage wird sofort in Nr. 6 und 7, nach Text-
buch scena 5a6ta beleuchtet:

6. D i e böse B e g i e r d / G o t t e s lö st e ru n g / v n n d
Füll er ey / berühmen sich wider / daß sie in Ver-
sorgung deß Weinbergs der Kirchen Gottes /
ohne sondere Verhinderung fortkommen / ver-
hoffend die rechte Religion gautz vnn.d gar auß-
zutilgen.

7. Etliche Gesandte auß unterschiedlichen
P r o v i n c i e n T e u t s ch l a n d s kommen z u s a m m e n /
vnd beklagen uübereinander den Abgang deß
Diensts Gottes / vnd Vertilgung deß Catholi-
s ch en Gl aub ens: b erath sch lagen w ie so lch e m Vb el /
zu begegnen.

Darauf folgt eine dramatisch sehr gelungene Scene, in
der sich die Klage in humoristischer Weise wiederholt:

8. Ein Saphoischer Kramer / beklagt sich /
daß e r d u r ch die new a u f f st e h e» d e K e tz e r e y grossen
Schaden leide / in n dem er wenig Rosenkräntz
mehr v e r k a u s f e n k ü n d e.

Erst jammern Mesner und Kantor über die schlechten
Zeiteil:

Cantor: — — — — — — — —: —
decrevit pietas.

Aedituus: Eccur non decresceret?

Nullus rex est, nullus grex est, nulla lex est
Nil nisi faex est, cras dicam ex est.

Cantor: Probe asseris, nam mures iam Divis litant.

Plures certe sunt in templo quam liomines(,)

Quasi templum pro muribus et araneis
Exstructum sit — — — — •—■ •— —

Aedituus: — — — — — — — —

Diabolus sit aedituus.

Kantor: — — — — — — — — —

Die Frömmigkeit verschwand.

Mesner: Warum soll sie es nicht?

Kein König, keine Herde, kein Gesetz ist mehr,

Nur Hefe, morgen, sag' ich, ist's wohl aus.

Kantor: Hast recht, die Mäuse opfern ja den Heil'geu schon,

Mehr wenigstens als Leute in der Kirche sind,

Als ob die Kirche für die Mäuse sei gebaut
Und für die Spinnen

Mesiter:— — — — — — — —

Da soll der Teufel Mesner sein! —

Zu dem würdigen Paar gesellt sich noch der Savoyarde,
mit bitterer Miene es versuchend, seine Rosenkränze anzn-
bringen. Mit Mäusefallen hätte er vielleicht mehr Aussicht
ans gute Geschäfte.

9. Die Ra ach Gottes / damit sie die Deutsche
durch schröcken zur Buß bewöge / ruft herfür
etliche v e r d a m p t e Seelen / daß sie a n z e i g e n /
was für Pein sie in der andern Welt leyden /

v n d w a r u m b?

Es wird also sozusagen auch die Hölle geöffnet (vgl. Nr. 3).
Hier haben wir eine rein didaktische Scene. Es erscheinen
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