Eggers, Friedrich [Editor]
Deutsches Kunstblatt <Stuttgart>: Zeitschrift für bildende Kunst, Baukunst und Kunsthandwerk ; Organ der deutschen Kunstvereine &. &. — 1.1850

Page: 377
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Zeitung

für bildende Kunst und Baukunst.

UtmftMatt

Organ

der deutschen kunstvereine.

Unter Mitwirkung von

Kugler in Berlin -
in Berlin

M 48.

Passavant in Frankfurt — Waagen in Berlin — Wiegmann in Düsseldorf — Schnaase
• Schulz in Dresden — Förster in München — Eitelberger v. Edelberg in Wien

redigirt von Dr. P. Eggers in Berlin.

Montag, den 2. December.

1850.

Die Festgeschenke der Künstler nnd Handwerker für
König Ludwig von Bayern.

Xlls man sich im Frühjahr in München über die Mittel be-
rieth, dem Fest der Enthüllung der Bavaria Ausdehnung und
Gehalt zu geben, ward auch ein Geschenk in Vorschlag ge-
bracht und angenommen, das die Künstler dem König verehren
sollten, und da sehr bald die Festvorbereitungen zu einer Ge-
meinschaft mit den Handwerkern führten, gingen diese auf den
angeregten Gedanken auch für sich ein und erklarten sich be-
reit, zu dem von den Künstlern beschlossenen Album einen
Schrank liefern zu wollen, vorausgesetzt, dass sie von den
Künstlern mit einer entsprechenden Zeichnung unterstützt wür-
den. Diess geschah. Der Maler Herwegen entwarf einen
Schrank, dessen Haupttheil ein Pult bildete, zur Aufnahme und
Verschluss des Albums, in welchem aber auch sonst noch eine
Anzahl verschliessbarer Räume angebracht waren, und dessen
ganze Construction eine reiche Ornamentik im Styl des löten
Jahrhunderts mit sich brachte. Da gab es Schlösser und Wap-
pen und reiche Zierrathen, selbst Statuetten von Künstlern und
Handwerkern, damit der Grundgedanke sich überall ausspreche
und Kunst und Handwerk im Ganzen wie im Einzelnen verei-
nigt erschienen, um dem König für die dem Gesammtleben des
Volks durch Erhebung der Kunst erwiesene Wohltbat zu dan-
ken. Mit Begeisterung wurde der Plan von den Bürgern er-
griffen und die Arbeit mit beispiellosem Fleiss und Geschick,
mit der grössten Liebe und Aufopferung zu Stande gebracht.
Aus Eichenholz geschnitten und mit dem neuen Pariser Firniss
überzogen steht der Schrank da, ein wirkliches Meislerwerk
unserer Tage. Er hat fast die Form eines 12 Fuss hohen, 8
Fuss breiten, 3\ Fuss tiefen Altares, doch ist das eigentliche
Pult mit seinem Untergestell-nur 4i Fuss breit, so dass Fuss
und Nebenbau neben dem Pult um ein bedeutendes Stück aus-
laden, das sodann von gewundenen Säulchen getragen wird.
Der Theil unter dem Pult hat drei senkrecht geschiedene Ab-
theilungen, von denen die mittlere breiter und vertieft ist und
einen verschliessbaren Raum enthält, dessen Thüren die kunst-
reichsten Beschläge und Schlösser deeken. In den Nebenab-
theilungen sind besondere Fächer angebracht. Das Pult hat
ebenfalls ein äusserst reiches Beschläge. Neben dem Pult, in
der Tiefe, sind wiederum Fächer, alle einzeln mit gothischem
Stab- und Blattwerk eingefasst, überhaupt der Baustyl bis ins

kleinste Detail jedes Nagelkopfes aufs sirengste durchgeführt.
Von den Fächern zu beiden Seiten geht eine Art Laub-Ge-
länder vor, das in zwei Löwen endet. Der Raum über dem
Pult steigt pyramidalisch-stufenartig mit Nischen empor, die
durch Säulchen oder Pilasterchen geschieden sind, auf deren
Capitälen die Statuetten von drei Künstlern, einem Architekten,
einem Bildhauer und einem Maler, und drei Handwerkern, einem
Tischler, einem Schlosser und einem Zimmermann, (nach den
Modellen von Halbig, Schaller, Brugger, Lossow, X. Schwan-
thaler und Schönlaub), in Holz geschnitzt, angebracht sind.
Die mittlere breitere Nische bildet einen verschlossenen Raum,
dessen Tbüre auf das prachtvollste mit dem Wappen des Kö-
nigs in Emaille und Gold (vom Juwelier Quellhorst) verziert
ist. Die Schlösser und Beschläge sind theils von Stahl, theils
und vorzüglich von vergoldeter Bronze, die Modelle dazu gröss-
tentbeils vom Bildhauer Sickinger. Ausser den Genannten
haben sich au der Herstellung des Schrankes (laut der an der
Rückseite befestigten Urkunde) noch betheiliget die Tischler:
Fortner, Glink, Knöferl; die Gürtler: Sauter, Block,
Oberhäuser, Stehle; die Schlosser: Heller, Andr. Drähne,
Ramsauer, Kölbl, Bruder; die Silberarbeiter: Wester-
mayer, C. Weishaupt; der Buchbinder: Sauer.

Auf dem Pulte des also kunstreich gearbeiteten Schrankes
liegt das Album, in Form eines Buches, 26 Zoll breit, 20 Zoll
hoch und 7^ Zoll dick, eingebunden in dunkelrothem Sammet
(vom Buchbinder Schlegel), mit Ornamenten und Beschlägen
von vergoldeter Bronze und Emaille nach dem allgemeinen Ent-
wurf von Herwegen und Creling. Diesem nach wird die
Milte der Vorderseite eingenommen von einem in künstliche
Brillanten eingefassten Medaillon von 6 Zoll Durchmesser, des-
sen Relief (von Widnmann) den König Ludwig zeigt, umgeben
von Architekten, Bildhauern und Malern, bei denen wenigstens
der Absicht nach Bildnisse angebracht sind. Das Medaillon hat
die Inschrift: „Ich lebe in Euerm Wirken!" Worte des Kö-
nigs, die er gegen die Künstler-Deputation vor zwei Jahren
bei seiner Thronentsagung geäussert. Vier kleinere Medaillons
von 4 Zoll Durchmesser nehmen die Ecken ein. Die Reliefs in
ihnen zeigen die Künstler in ihrer gesonderten Thätigkeit, die
Architekten mit dem Plan der Auer Kirche und der Glypto-
thek (?) (von Hautmann), die Bildhauer und Erzgiesser mit dem
Modell der Bavaria (von Halbig), die Historienmaler, beschäf-
tigt an einem Frescobild der Glyptothek (von Creling), die
Genre- und Landschaftsmaler im Freien (von Widnmann). Alle

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