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Dörpfeld, Wilhelm; Reisch, Emil
Das griechische Theater: Beiträge zur Geschichte des Dionysos-Theaters in Athen und anderer griechischer Theater — Athen, 1896

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https://doi.org/10.11588/diglit.5442#0148
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7. Das Theater von Megalopolis.

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stufen des athenischen Theaters, nämlich derjenigen des IV. Jahrhunderts (feste
Skene mit veränderlichem Proskenion) und derjenigen des I. vorchristlichen Jahr-
hunderts (feste Skene und festes Proskenion), oder es liegt gerade zwischen
beiden Entwickelunesstufcn und würde dann das erste uns bekannte Theater mit
festem Proskenion gewesen sein. Aus älteren Entwickelungsperioden sind keine
Reste erhalten. Ebenso wenig finden wir Spuren eines römischen Umbaues; ein
römisches Logeion hat es in dem Theater von Epidauros niemals gegeben.

7. Das Theater von Megalopolis.

Die Freilegung und Untersuchung dieses stattlichen und wichtigen Baues
wird der Englischen Archäologischen Schule in Athen verdankt. In den Jahren
1890 bis 1892 ist die ganze Orchestra, das Skenengebäude mit seiner Umgebung
und der untere noch erhaltene Teil des Zuschauerraumes von E. Gardner und
mehreren Mitgliedern der Schule ausgegraben worden. Nachdem ein vorläufiger
Plan in dem Journal of Hell. Stud. XI, 1890, S. 294 veröffentlicht war, sind jetzt
vorzügliche, in ihrer Ausführlichkeit musterhafte Pläne, welche der Architekt R.
W. Schultz aufgenommen hat, als Supplementary Papers jener Zeitschrift unter
dem Titel : «Excavations at Megalopolis» erschienen. Nach diesen Plänen ist un-
ser Grundriss Figur 54 und der Durchschnitt Figur 55 gezeichnet.

Das Theater hat eine besondere Berühmtheit dadurch erlangt, dass nach der
ersten Veröffentlichung der englischen Archäologen, welche die Ausgrabung lei-
teten, eine niedrige griechische Bühne darin aufgefunden 'sein sollte (Journ. of
Hell. Stud. XI, 1890, S. 297). Diese Angabe konnte ich aber bald (Berliner phil.
Wochenschrift 1891, Sp. 418) für irrtümlich erklären. Die erhaltenen Baureste
waren falsch ergänzt und unrichtig erklärt worden ; die vermeintliche Bühne mit
ihren 5 oder 6 Stufen war thatsächlich der Unterbau einer über 8m hohen Säu-
lenhalle. Nachdem der englische Architekt R. W. Schultz die Richtigkeit meiner
Ergänzung bestätigt hatte, zogen auch E. Gardner und seine Genossen ihre
Behauptung zurück (Excav. at Megal. S. 13).

Zugleich stellten sie aber die neue Hypothese auf (Excav. S. 84), dass an
einer anderen Stelle, nämlich unmittelbar vor jenem Stufenbau, eine niedrige
griechische Bühne bestanden habe; sie sei zwar nicht mehr erhalten, ihr ehe-
maliges Vorhandensein lasse sich aber aus den Höhenverhältnissen der Baureste
mit Sicherheit nachweisen. Auch gegen diese Angabe habe ich protestirt (Athen.
Mittheil. 1892, S. 97), weil sie sich wiederum auf eine unrichtige Erklärung der
erhaltenen Ruinen stützt. In Wirklichkeit hat auch diese Bühne, wie unten
nachgewiesen werden soll, niemals bestanden. Während der Mitarbeiter Gardner's,
W. Loring, noch vor der Herausgabe jenes Buches seine Ansicht über diese
neue Bühne veränderte (Excav. S. 91) und ihre Existenz nicht mehr für erwiesen
hält, ist Gardner selbst bei seiner Ansicht geblieben.

Schon ein flüchtiger Blick auf den Grundriss (Figur 54) zeigt uns eine wichtige
 
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