Fliegende Blätter — 62.1875 (Nr. 1537-1562)

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Lindcnblüh und Kornroth.

Großvater mein Sohn. Nun frage ich Sic, meine Herren, ist
der Vater seines Großvaters nicht sein Urgroßvater? Ich bin
aber der Vater seines Großvaters, mithin sieht jeder ein, daß
ich sein Urgroßvater sein muß."

Endloses Bravo folgte dieser so conscqucnt durchgeführtcn
Beweisführung. Man sprach noch hin und wieder viel von
dieser merkwürdigen Verwandtschaft, kam darauf, daß Eleonore
ihre eigene Großmutter ist, was diese jedoch durchaus nicht zu-
gebcn wollte, und sich für diese interessante Verivandtschaft
bestens bedankte. Die Verwirrung entstand aber erst recht nach
einem Jahre. Der Himmel segnete nämlich beide Paare mit
einem jungen Kornroth, und die Verivandtschaft dieser beiden
Jungcns machte die Verwirrung noch größer, denn Einer war
sowohl der Neffe als der Onkel des Anderen.

V. Rosenfeld.

Eine Finte.

(In einer öffentlichen Versammlung stellt sich eine Dame trotz
wiederholter Bitten, sitzen zu bleiben, auf eine Bank.) A: „Wenn
die Dame wüßte, daß sie ein großes Loch i» ihrem Strumpfe
hat, so würde sie denselben nicht so zeigen." (Dies hat den
gewünschten Erfolg, die Dame verläßt sofort ihren erhöhten Standpunkt.)
B: „Aber, mein Herr, wie können Sie etwas behaupten, das
gar nicht wahr ist?" — A: „Nicht wahr? Wenn sie nicht ein
großes Loch im Strumpfe hätt', wie würde sie denselben dann
anzichen können?"

Aus gespannt. 43

Fräulein Dinora war eine Tänzerin ersten Ranges. Die
zierlichen Triller, welche sie mit ihren kleinen Füßchen zu schlagen
verstand, bezauberten Jung und Alt, und wo sie erschien und
tanzte, war sie mindestens acht Tage Gegenstand der Unter-
haltung in allen gebildeten Gesellschaften der betreffenden Stadt.
Hunderte von Lorbcerkränzen, tausende von schlechten Gedichten,
unzählige Blumensträuße führte sie als Beute mit sich, aber
eine Auszeichnung war ihr noch nirgends zu Theil geworden
und doch wäre ihr diese die erwünschteste gewesen. „Wenn man
mir nur einmal die Pferde ausspannen würde nach dem Theater!"
seufzte Fräulein Dinora oft, denn so im Triumph von Menschen
statt von Pferden hcimgczogcn zu werden, das schien ihr der
Gipfel der Auszeichnung. Nun kommt Fräulein Dinora auf ihren
Kunstreisen eines Tages auch in eine lustige Stadt, in welcher
die Studenten den Ton angeben. Die Stadt ist bald von
dem Ruhme der jungen reizenden Tänzerin erfüllt und dicht ge-
drängt stehen die heiteren Musensöhne im Theater und spenden
den Luftsprüngen und Beiutrillern Dinora's rauschenden Beifall.
Die Vorstellung ist zu Ende. Dinora besteigt den Thcater-
wagen, aber kaum sitzt sie drin, als eine Schaar Stu-
denten sich herandrängt. Dinora's Herz schlägt höher. „Mir
wird ausgespannt," jubelt es in ihrer Seele. Der höchste
Wunsch ihres Lebens scheint sich zu. erfüllen. Sic hatte diesen
Wunsch gleich nach ihrer Ankunft ausgesprochen — und siehe da,
Fräulein Dinora täuschte sich nicht. Der Kutscher wird vom Bock
herabgenöthigt, die Pferde werden ausgespannt unter jubelndem
Bravo, ein paar der Kecksten schwingen sich auf die alten Theater-
rosse und fort geht's im Trab, die zwei Reiter voran und ihre
Commilitoncn im Jubel hinterdrein — Alles wie im Traum, —
rasch wie der Blitz. — Aber wer beschreibt die Empfindungen der
gefeierten Künstlerin, als der Lärm ferne verhallt und der Wagen

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Eine Finte" "Ausgespannt"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
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Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

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Werktitel/Werkverzeichnis

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Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

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Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Beifall
Stehen
Versammlung
Bank <Möbel>
Drehung
Herr <Motiv>
Dame <Motiv>
Blumenstrauß
Finte
Spott
Tänzerin <Motiv>
Bühne <Motiv>
Karikatur
Lorbeerkranz
Strumpf <Motiv>
Loch <Motiv>
Satirische Zeitschrift

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Fliegende Blätter, 62.1875, Nr. 1542, S. 43 Universitätsbibliothek Heidelberg
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