Waldner, Alice; Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 11,4): Die Chronologie der Kuretenstraße: Archäologische Evidenzen zur Baugeschichte des unteren Embolos von Ephesos von der lysimachischen Neugründung bis in die byzantinische Zeit — Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2020

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3.1 Das hellenistische Brunnenhaus

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Die vorhandenen Gefäße der Westabhangware können dem frühen 2. Jahrhundert v. Chr. zuge-
ordnet werden (K 1-3). Besonders hervorzuheben sind Fragmente eines Riefelkantharos oder
einer Amphore mit Resten eines Mal- und Ritzdekors auf der Schulter und einem Riefeldekor
auf der Gefäßwand, der von vertikalen stilisierten Zweigen unterbrochen ist (K1). Vergleichbar
dekorierte Gefäße finden sich in Sardis95, aber auch im Schwarzmeerraum96 und auf Rhodos97.
Diese Funde sind vergesellschaftet mit einem kleinen Fragment einer Medaillonschale mit außen
umlaufender Bodenrille, das ebenfalls in das 2. Jahrhundert v. Chr. datiert (K 4)98.
Hervorzuheben ist das Auftreten eines ionischen Reliefbechers in Form eines kleinen Wand-
fragments mit einem hellgrauen Überzug und Resten eines vegetabilen Dekors (K 5). Da mit
dem Auftreten von Reliefbechern in Ephesos frühestens ab dem zweiten Viertel des 2. Jahrhun-
derts v. Chr. gerechnet wird und die Produktion ephesischer Reliefbecher im umfangreichen
Stil erst in der Mitte/zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. einsetzt99, das Stück zudem sehr
kleinteilig gebrochen und abgerieben ist, kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sekundär
in den Bereich unter der Nordmauer gelangte. Auszuschließen ist aber auch nicht, dass es sich
um eines der frühesten Zeugnisse für Reliefbecher in Ephesos handelt100.
Nur wenige Fragmente sind dem Tafelgeschirr des frühen 2. Jahrhunderts v. Chr., also der
Firnisware und der sog. Colour Coated Ware101, zuzuordnen. Lediglich ein Fragment eines koni-
schen Bechers mit feiner doppelter Innenrillung und Rille außen unter dem Rand (K 6)102 sowie
eine frühe Echinusschale mit gerundeter Wand103 sind vertreten (K 7). Zu ergänzen sind ein
profilierter hoher Standfuß eines Skyphos oder Kantharos104 (K 8) und der breite Rand einer
Schüssel mit partiellem Überzug (K 9), die in das frühe 2. Jahrhundert v. Chr. zu datieren sind.
Unter den Amphorenfunden sind vier Henkelfragmente rhodischer Amphoren mit Stempeln
hervorzuheben, die nach Parallelen in die Zeit zwischen 240 v. Chr. und dem ersten Viertel des
2. Jahrhunderts v. Chr. datiert werden können. Für den runden Stempel, in dessen doppelten
Rahmen mit runder Rose in der Mitte der Name EAAANIKOY eingeschrieben ist (K 10), gibt
es beispielsweise aus den Grabungen auf der Tetragonos Agora gut datierbare Vergleiche105,
ebenso für den nicht tief eingestempelten Namen ONAEIMOY auf dem rechteckigen Stempel
von K 11106. Ein weiteres Fragment eines Amphorenhenkels ist mit einem zweizeiligen Recht-
eckstempel versehen (K 12), der das Eponym HENOOANTOZ wiedergibt, wobei in der ersten
Zeile das N spiegelverkehrt und in der zweiten Zeile der zweite Teil des Namens von links
nach rechts geschrieben sind; die Buchstaben ANT stehen auf dem Kopf (HENO/ZOTNAO)107.
Das Eponym ist auf rhodischen Amphorenstempeln der Periode III belegt, wird um 189 v. Chr.
datiert und tritt auch in Kombination mit dem Fabrikantennamen 'IspfDOTsXric; auf108. Noch ein
weiteres, kleines und abgebrochenes Henkelfragment (K 13) zeigt Reste eines zweizeiligen
Rechteckstempels, der allerdings nur sehr flach eingestempelt und zudem stark abgerieben ist,
sodass das Eponym oder der Titel nicht mehr zu entschlüsseln sind. Die zahlreich vertrete-
nen ungestempelten Amphorenfragmente verteilen sich auf lokal-regionale Formen mit über-

95 Rotroff- Oliver 2003, Taf. 24, 166 (Amphore).
96 Lejpunskaja - Guldager Bilde u. a. 2010, DC-233.
97 Freundliche Infonnation L. Betina (ehern. Peloschek) (Universität Kopenhagen).
98 Mitsopoulos-Leon 1991, vgl. bes. Taf. 64, C2; Ladstätter 2010a, K 285-K 288.
99 Rotroff 1982, 2-13; Günay Tuluk 2001, 51-57; Ladstätter u. a. 2003, 26-28; Ladstätter 2003a, 73; Ladstätter -
Waldner (in Druck).
100 Vgl. etwa zwei Fragmente von Reliefbechem aus dem Fundamentbereich der Kammern D des Theaters (Waldner
2017b, K 44. K 53).
101 Zur Definition s. Ladstätter 2010a, 87 f; Ladstätter u. a. 2003, 30.
102 Ladstätter u. a. 2003, 30.
103 Ladstätter u. a. 2003, 31.
104 Ladstätter 2010a, K 291-K 294.
105 Lawall 2007,44 f. AH 35 a-b; 36 mit weiterführenden Vergleichen zu demselben Typ. Der Stempel >EAAANIKOY<
ist allerdings nicht belegt. Vgl. auch Finkielzstejn 2001, Tab. 19.
106 Vgl. Lawall 2007, 41 AH 25.
107 Ich danke M. Lawall (University of Manitoba) herzlich für die Hilfe bei der Bestimmung.
108 Lawall 2007, 39; Finkielsztejn 2001.
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