Waldner, Alice; Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 11,4): Die Chronologie der Kuretenstraße: Archäologische Evidenzen zur Baugeschichte des unteren Embolos von Ephesos von der lysimachischen Neugründung bis in die byzantinische Zeit — Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2020

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3 Befunde und Fundkomplexe

hängender Lippe, die als Amphoren mit Mushroom Rim der Nikandros-Gruppe angesprochen
werden können (K 14-16)109, sowie auf Amphoren mit blockartig bis kantig verdicktem Rand,
die zumindest teilweise rhodischer Provenienz sein dürften (K 17-32)110. Auf einem Fragment
blieb am Hals der Rest eines roten Dipinto erhalten, dessen Bedeutung allerdings nicht mehr
zu erschließen ist (K 33)* * 111. Der Amphorenrand K 34 zeigt in seiner Form Affinitäten zu dem
Typ Dressel 1c112, aber auch zu dem sog. graeco-italischen Typ113. Eine Amphore mit hohem,
flachem Rand (K 35) ist ebenfalls nicht mit Sicherheit zuzuordnen, womöglich handelt es sich
um eine Variante einer >Local Aegean 2<-Amphore114. Drei Amphorenknäufe gehören vermutlich
zu rhodischen Amphoren (K 36-38), während zwei Knäufe von Spitzamphoren (K 39. K 40115)
sowie ein Amphorenknauf mit leichtem Absatz außen (K 41) nicht näher zu bestimmen sind.
Anzuschließen sind Fragmente gebrauchskeramischer Krüge mit verdicktem Rand
(K42-44116), mit geschwungener Wand, ausgebogenem Rand und darunter umlaufendem Absatz
(K 45. K 46)117 oder überhängender Lippe (K 47-53). Als charakteristisches Merkmal für diese
wohl in der lokal-regionalen Umgebung von Ephesos produzierten Krüge oder Amphoren, für
deren Form eine Nähe zu Amphoren mit Mushroom Rim sowie zu Amphoren der Nikandros-
Gruppe zu konstatieren ist118, kann außerdem der partielle Dekor in Form von Überzugsstreifen
angeführt werden (Abb. 7). Diese Gefäße stehen in der Tradition der Colour Coated Ware119 und
wurden ursprünglich vermutlich zum Servieren bei Tisch genutzt. Eine andere Variante eines gro-
ßen Kruges oder Topfs stellt K 54 dar: Das Gefäß hat einen ausgebogenen, zarteren Rand als die
zuvor besprochenen und hat mindestens einen, ursprünglich vielleicht zwei breite Bandhenkel.
Küchenware ist in dem Fundkomplex durch eine Schüssel/Lekane vertreten, die in mehrere
Fragmente zerbrochen ist und einen breiten, ausgebogenen Rand aufweist, der an der Oberseite
mit einem Wellendekor zwischen zwei Rillen versehen ist (K 55). Eine ähnliche Schüssel ist in
den hellenistischen Terrassierungsschichten des Prytaneions vertreten120. Parallelen finden sich
außerdem in Athen121, allerdings zumeist im gebrauchskeramischen Fabric.
3.1.2.1 Charakterisierung und Einordnung des Fundkomplexes unter der Nordmauer
Insgesamt kann der Fragmentierungsgrad der an der Seite des Vorraumes der Taberna II unter
der spätantiken Nordmauer des Brunnenhauses angetroffenen Gefäße als klein- bis mittelteilig
beschrieben werden, es sind aber auch einige besser erhaltene Artefakte dabei. Es könnte sich
also um umgelagertes Material handeln, das hier - unter der Steinstickung - zur Planierung
eingebracht wurde. Wegen der zeitlichen Homogenität des Komplexes und der Tatsache, dass es
sich um ein deutlich älteres Ensemble handelt, ist aber eher davon auszugehen, dass die Gefäße
nicht viel später, etwa bei der Erhöhung des Brunnenbodens, sondern recht bald nach ihrer

109 Bezeczky 2013, 30. 61 f. (Type 5); Bezeczky 2004, 87 Nr. 37; 95 Abb. 37; Lawall 2004, 177-182; Lawall 2007,
48-53; Lawall 2005, 205-207; Gassner 1997, 105-113.
110 K 18; vgl. Gassner 1997, 392.
111 Vgl. Rotroff 2006, K 139 mit dorischem Dipinto, das möglicherweise eine Gewichtsangabe ist. Es wird eine
Parallele aus einem Brunnen in Korinth angeführt, wo möglicherweise Töpferabfall des 2. Jhs. v. Chr. entsorgt
wurde. Rotroff 2006, 89; Weinberg 1949, 152 Taf. 16, 16. 17; vgl. auch Bald Romano 1994, Abb. 13, 67 Taf. 26,
67. Allerdings auf graeco-italischer Amphore oder Dressel lA/Lamboglia 2, mit lateinischem (?) Dipinto. <http://
www.ascsa.edu.gr/pdf7uploads/liesperia/148242.pdf> (1. 12. 2017).
112 Vgl. Peacock - Williams 1986, 93 Class 6.
113 Vgl. etwa Morel 1990, Abb. 2 (Mischform zwischen einer Amphore graeco-italischen Typs und Typ Dressel 1c).
114 Vgl. Bezeczky 2013, Taf. 55, Nr. 2.
115 Vgl. eventuell Gassner 1997, 420.
116 Vgl. Ladstätter 2010a, K 39-K 40.
117 Vgl. ähnliche Typen gebrauchskeramischer Krüge im Prytaneion (Ladstätter 2010a, K 39-K 40) und im Hanghaus
2 (Ladstätter - Lang-Auinger 2001, Taf. 52, 67-70).
118 Ladstätter - Lang-Auinger 2001, 76; Lawall 2007, 48-53.
119 Ladstätter 2010a, 87 f.
120 Ladstätter 2010a, K 54 (ähnlich).
121 Vgl. Rotroff 2006, Abb. 48. 49, Lekane Form 4, bes. Abb. 48, 277 (P32655).
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