Waldner, Alice; Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 11,4): Die Chronologie der Kuretenstraße: Archäologische Evidenzen zur Baugeschichte des unteren Embolos von Ephesos von der lysimachischen Neugründung bis in die byzantinische Zeit — Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2020

Page: 61
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/fie_bd11_4/0062
License: Creative Commons - Attribution
0.5
1 cm
facsimile
3.2 Das Heroon

61

Erde mit Schutt, Keramik und Steinen auf. Die Sohle ist ausgebrochen und nicht mehr vorhanden.
Der Auswertung des Fundmaterials nach zu schließen, handelt es sich bei dem Kanal um einen
spätantiken Einbau, der ursprünglich wohl mit der viereckigen Öffnung unmittelbar westlich der
Oktogon-Westwand in Zusammenhang stand - eine Verbindung zu der spätantiken Nachnutzung
des Areals von Hanghaus 2 liegt auf der Hand275. Konkret handelte es sich um eine Mühlstube,
die Teil der spätantiken Mühlenkaskade auf der Westseite des Hanghauses 2 war, sich im Raum
nördlich zwischen Heroon und Oktogon befand und teilweise die Strukturen beider Bauten
nutzte276. Unter dem Kanal befand sich eine mächtige Schicht aus Erde mit Schutt, Keramik und
Steinen. Gegraben wurde bis zum anstehenden Serizit-Phyllit, im Bereich der Baugrubenkante
an der Ostseite des Heroons wurde noch weiter abgetieft, um zu der Fundamentunterkante zu
gelangen, die in einem 50 cm breiten Suchschnitt bei +9,141 m (2,60 m unter der Oberkante der
ersten Stufe des Heroons) erreicht wurde. Die Fundamentunterkante der Westseite des Oktogons
wurde bei ca. +10,252 m angetroffen, erst darunter begann der anstehende Serizit-Phyllit.
Aus den freigelegten Fundamentbereichen beider Bauwerke lässt sich erkennen, dass das
Oktogon weniger tief fundamentiert ist als das Heroon. Der Niveauunterschied der Fundament-
unterkante erklärt sich durch die Topografie des nach Osten hin ansteigenden Geländes. Das Fun-
dament des Oktogons besteht aus zwei Lagen fest gefugter Marmorquader, darunter folgen drei
Lagen von kleineren und größeren Blöcken in unregelmäßigerem Verbund. Die für den Bau des
Fundaments verwendeten Steine scheinen weniger sorgfältig bearbeitet als jene des Heroons277.
Ungefähr 5 cm östlich der Fundamentblöcke des Heroons wurde eine scharfe Kante im Serizit-
Phyllit beobachtet, welche von H. Thür als Begrenzung der Baugrube interpretiert wurde278.
Um die Fundamentunterkante zu finden, wurde der anstehende Fels in einem 50 cm breiten
Streifen weiter abgearbeitet, wobei der mittlere Abschnitt eines langrechteckigen, 46 cm hohen
Marmorquaders angetroffen wurde. Somit kann die unterste Lage des Fundaments als Reihe
langrechteckiger, sorgfältig zubehauener Polsterquader mit seitlichen Spiegeln rekonstruiert wer-
den - es wurden also offensichtlich Spolien für den Bau des Heroonfundaments verwendet279.
Von welchem Monument die Spolien ursprünglich stammten, kann nicht mehr beurteilt werden.
Über und in der Steinsetzung, welche sich bei -0,70 bis ca. -0,90 m und in einem Abstand
von 0,55 cm vom Fundament des Oktogons befindet, wurde erdig-steiniges Material angetroffen,
das mit Kalkmörtel (?) vermischt und mit Keramik durchsetzt war. Die Steinpackung selbst ist
unregelmäßig, teilweise ausgerissen und hat keine einheitliche Unterkante (Abb. 15 c). Nach
Westen hin nimmt sie bis auf ca. 30-40 cm ab, während sie im Südosten unmittelbar unter dem
viereckigen Kanalauslass etwa 80 cm stark ist.
Nach dem Fundmaterial über, westlich und östlich der Steinsetzung zu schließen, handelt es
sich um eine spätantik-frühbyzantinische Schutteinfüllung, die als Unterkonstruktion/Rollierung
für den unmittelbar westlich der Oktogon-Westmauer in die Erde und den Kalkmörtel (?) einge-
lassenen viereckigen Kanal diente280. Offensichtlich wurde beim Einbau desselben die Baugrube
des Heroons angeschnitten und teilweise ausgehoben und die Steinlage als Rollierung für den
Kanal eingesetzt. Ein Zusammenhang mit der spätantiken Nutzung der Tabernen des Hang-
hauses 2 ist anzunehmen. Von einer Brunnennutzung bereits in hellenistischer Zeit könnte ein
aufrecht im Südprofil steckendes Tonrohr zeugen (Abb. 15 b), die Fortsetzung der Leitung nach
oben wurde offensichtlich im Zuge der spätantiken Veränderungen aufgegeben. Bis zur Stein-
setzung ist die Fundkeramik zeitlich inhomogen, sie ist hellenistisch bis spätantik durchmischt.

275 Dieses wurde nach einem Erdbeben im 3. Viertel des 3. Jhs. in seiner bisherigen Form aufgegeben, s. Ladstätter
2002a; Ladstätter 2005a.
276 Wefers 2015, 6 Abb. 3; 47. 49-55.
277 Letzteres weist zwei Lagen von mittelgroßen Marmorquadem auf, darunter folgen mehrere Lagen unterschiedlich
großer, fester gefugte Marmorblöcke.
278 Tagebuch 1989, 23 Eintrag vom 14. 8. 1989.
279 Tagebuch 1989, 28 Eintrag vom 17. 8. 1989.
280 Aus dem Kanal ist kein Fundmaterial dokumentiert.
loading ...