Waldner, Alice; Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 11,4): Die Chronologie der Kuretenstraße: Archäologische Evidenzen zur Baugeschichte des unteren Embolos von Ephesos von der lysimachischen Neugründung bis in die byzantinische Zeit — Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2020

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3 Befunde und Fundkomplexe

3.3.1.4 Die >Steinsetzung< im Süden des Oktogons

Schließlich ist auf eine Konstruktion einzugehen,
deren Abtragung Aufschlüsse über die Datierung
des Oktogons erbrachte: Dem Stufenunterbau des
Oktogonsockels ist im Süden eine Ost-West orien-
tierte Steinsetzung vorgesetzt, die nach der Süd-
kante des Monuments ausgerichtet ist und sich im
Nordosten unter der byzantinischen Mauer fort-
setzt (Abb. 19 b; 22). An diese teilweise vermör-
telte Mauer aus bearbeiteten Bruchsteinen schließt
im Norden eine Nord-Süd ausgerichtete Struktur
aus pflasterartig verlegten, unregelmäßigen Mar-
morplattenfragmenten an, welche an die zweite
Stufe des Oktogon-Unterbaus anbindet und noch
auf einer Fläche von ungefähr 0,70 x 1,10-1,16 m
erhalten ist. Die Funktion der Plattenkonstruktion
konnte bislang nicht schlüssig interpretiert wer-
den, möglicherweise ist sie als Entwässerungsvor-
richtung anzusprechen.
Die Funde, welche unter den Marmorplatten
geborgen wurden (Niveau 12,250 m), lassen dar-
auf schließen, dass es sich dabei um eine Kon-
struktion aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. handelt.
Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusam-
menhang zwei Fragmente von ARS-Tellern der
Form Hayes 50A (K 658. K 659)535; die restlichen
Funde sind hauptsächlich dem 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. zuzuordnen. Vertreten sind mit K 660
etwa ein ESC-Standringfragment der Form Atlante L 19536 und ein Wandfragment gleicher Form,
das aber aufgrund der ungewöhnlich hellen Ton- und Überzugsfarbe als pontische Sigillata ange-
sprochen werden kann (K 661)537, sowie ein niedriger Standring, der möglicherweise derselben
Gattung zuzuordnen ist (K 662). Es kommen aber auch Fragmente von ESB-Tellern der Formen
Atlante 79 (K 663)538, Atlante 22B (K 664)539, Atlante 29 (K 665)540, Atlante 58/70 (K 666)541
und Atlante 37/60 (K 667)542 vor, die in das 1. und in die erste Hälfte des 2. Jahrhunderts n.
Chr. weisen. Außerdem ist das Fragment eines ESB-Standrings mit feinem Rouletting vertreten
(K 668). Erwähnenswert ist auch K 669, der abgebrochene Standring einer ESA-Schale, der
möglicherweise der Form Atlante 59 oder 60 zugewiesen werden kann und in die erste Hälfte
des 2. Jahrhunderts zu setzen sein dürfte543. Die vertretenen Feinwarebecher (K 670-679), die
meist einen Trichterrand aufweisen, sind innerhalb des ausgehenden 1.-3. Jahrhunderts n. Chr.
hingegen nicht näher einzuordnen.
Beim Abtragen der älteren Steinsetzung im Süden des Oktogons und deren Ziegelhinter-
füllung im Norden kamen Funde zutage, die ihre Datierung zwischen dem letzten Viertel des

Abb. 22 Hanghaus 2, Raum 45c, Sondage B9:
Detail der Steinsetzung und Platten-
konstruktion


535 Hayes 1972, 68-73.
536 Hayes 1985, 76; Ladstätter 2008, 99. K 661 hat allerdings einen ungewöhnlich hellroten Überzug, und auch der
Ton hat eine ungewöhnliche orange Färbung. Fabric und Form weisen allerdings insgesamt doch auf ESC hin.
537 Hayes 1985, 82-96; vergleichbare Schalen der ESC-Form Atlante L19 in pontischer Sigillata wurden beispiels-
weise bei einem Survey in Troesmis/Rumänien geborgen (Waldner 2016b, K 141-146).
538 Hayes 1985, 69. Der Überzug des Stücks ist etwas dunkler als gewöhnlich.
539 Hayes 1985, 57.
540 Hayes 1985, 59.
541 Hayes 1985, 63. 66.
542 Hayes 1985, 60. 64.
543 Hayes 1985, 63 f.
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