Waldner, Alice; Österreichisches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Forschungen in Ephesos (Band 11,4): Die Chronologie der Kuretenstraße: Archäologische Evidenzen zur Baugeschichte des unteren Embolos von Ephesos von der lysimachischen Neugründung bis in die byzantinische Zeit — Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2020

Seite: 105
DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/fie_bd11_4/0106
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung
0.5
1 cm
facsimile
3.3 Das Oktogon

105

(K 796-800)-z. T. mit Ranken- und Herzblattdekor auf rotem Grund - sowie ein Skyphosrand
(K 801) und das Fragment einer Schüssel oder eines Kraters mit massivem breiten Rand (K 802).
Auch der kleine Standfuß K 803 eines offenen Gefäßes mit einem innen schwarz aufgemalten
Langblattdekor ist der Westabhang-Nachfolgeware zuzurechnen. Ein weiteres Bodenfragment
mit am Boden umlaufender Rille und einem tongrundigen Streifen (K 804) ist hingegen nicht
eindeutig zuzuordnen, möglicherweise handelt es sich um ein Gefäß klassischer Zeitstellung585.
Vorhanden sind aber auch Becher der Firnisware (K 805. K 806), ein Teller mit breitem Rand
(K 807) und ein Tellerboden mit Palmettenstempel (K 808), ebenso die späte Variante der Echi-
nusschalen (K 809-812). Außerdem kamen Amphoren/Krüge mit hängender, außen bräunlich
überzogener Lippe (K 813) zutage sowie eine Amphore mit Mushroom Rim (K 814) und der
abgebrochene Knauf einer koischen Amphore, der nicht in den Katalog aufgenommen wurde.
Die Lampenfunde bestehen aus einer Steilschulterlampe mit >Sporn< aus dem letzten Drittel des
2. Jahrhunderts v. Chr.586, von der sich allerdings nur noch der >Sporn< erhalten hat, und dem
Fragment einer (frühen) Ephesoslampe mit runder Schnauze (K 815).
Im Zuge des Säuberns des Westprofils unter der abgetragenen Mauer (Steinsetzung) wurde
südlich der untersten Oktogonstufe (also auf einem Niveau von ca. 11,88 m) Keramik geborgen,
die in das ausgehende 2. und die erste Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. datiert. Zu nennen sind
hier insbesondere vier Fragmente ionischer Reliefbecher (K 816-819), aber auch der Teller
K 820 mit beidseitig verdickter Lippe und die frühe Variante eines Schälchens mit geschwun-
gener Wand (K 821).
Aus dem untersten Fundamentbereich des Oktogons (auf ca. 10,96 m) wurde knapp über dem
gewachsenen Fels Fundmaterial geborgen, das dem Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. und dem
beginnenden 1. Jahrhundert v. Chr. zugeordnet werden kann. Dabei ist vor allem eine vermutlich
pergamenische Schale hervorzuheben (K 822), aber auch ein Firniswareteller mit breitem Rand
(K 823) sowie Amphoren mit Mushroom Rim (K 824. K 825) und mit verdicktem Rand (K 826).
An weiteren Funden sind das Wandfragment eines Kohlebeckens (K 827) sowie der Standfuß
oder Deckel eines weißgrundigen Thymiaterions zu nennen (K 828).
Unmittelbar über dem Fels wurden vier Münzen geborgen (M 48-50. M 52), die nach einer
ersten vorläufigen Bestimmung587 mit einer Ausnahme nicht genauer als hellenistisch datiert
werden konnten. Die Münze M 49 wurde ca. 1,50 m unter der (jüngeren) Schwelle zwischen
R 45 und 45c geborgen (auf ca. 11,05 m), im östlichen Bereich zwischen dem Oktogon und der
abgetragenen Nordmauer. Sie kann der ersten Bestimmung zufolge in die Jahre 232-187 v. Chr.
datiert werden, belegt also möglicherweise eine Nutzung des Areals bereits im 3.-2. Jahrhun-
dert v. Chr., falls es sich bei ihr nicht um ein sekundär hierher gelangtes >Altstück< handeln sollte.
Wie ein großer verbackener Schlackeklumpen zu interpretieren ist, der ebenfalls etwa 1,20-
1,30 m unter der Schwelle R 45/45c an der Seite des Oktogonsockels zum Vorschein kam, ist
nicht mit Sicherheit zu beantworten. Er dürfte wohl eher als Füllmaterial an diese Stelle gelangt
sein als von einer Produktion am Ort zeugen.
Das Fundmaterial aus dem Bereich des gewachsenen Fels und des Oktogonfundaments erin-
nert in seiner Zusammensetzung insgesamt an das Fundspektrum aus den Straßenschichten des
2. Jahrhunderts v. Chr., die in der späteren Kuretenhalle angetroffen wurden588, und seine Aus-
wertung lässt auf eine Nutzung des Nordbereichs des Hanghauses 2 bereits im 2. Jahrhundert v.
Chr. schließen. Im Speziellen bestätigt sich das bereits aus der Auswertung des Fundmaterials aus
dem Ostteil des Raumes gewonnene Ergebnis, dass der Quaderbau R45 zu dieser Zeit errichtet

585 Ähnlich beschaffene Gefäßböden finden sich im Fundmaterial des Brunnens auf der Tetragonos Agora: Scher-
rer -Trinkl 2006, z. B. Taf. 44, Kat. 368-412. Diese gehören allerdings durchwegs zu mehr oder weniger hohen
Standfiißen, während für die vorliegende Form keine direkte Entsprechung gefunden werden konnte.
586 Vgl. Scheibler 1976, Nr. 301 Taf. 52. 53; Howland 1958, 15-42 Typ 33A, Nr. 440.
587 Die Bestimmung der Münzen ist mit der Kennzeichnung ihrer Fundlage auf den zusammengehängten Plänen Bl.
18 und Bl. 20 mit Bleistift vermerkt und wurde von dieser >Liste< übernommen, s. Anhang 1.
588 s. u. Kap. 3.6.4.2.
loading ...