Waldner, Alice; Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 11,4): Die Chronologie der Kuretenstraße: Archäologische Evidenzen zur Baugeschichte des unteren Embolos von Ephesos von der lysimachischen Neugründung bis in die byzantinische Zeit — Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2020

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3.6 Die Kuretenhalle

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(K 1317-1331), ebenso eine Schale (K 1332) und eine Schüssel (K 1333) derselben Gattung.
Gesondert hinzuweisen ist auf ein Fragment pergamenischer Applikenware (K1334) mit einem
bärtigen Satyrkopf als Henkeldekor853. Zudem finden sich kleine Boden- und Wandfragmente
von Gefäßen, die wahrscheinlich zur Reliefkeramik gezählt werden können, deren Reliefzone
aber nicht erhalten ist (K 1335-1337). Vertreten sind außerdem Amphoren mit Mushroom Rim
(K1338-1340) und mit verdickter Lippe (K1341. K1342). Ein kleines Fragment einer Lampe
mit einem an der Schulter angesetzten, volutenförmig ausgebogenem Sporn (K1343) sowie ein
kleines Schnauzenfragment einer rot überfangenen Lampe (K 1344) runden das Spektrum aus
dem Straßenniveau n 7 ab.
n 7 ist - wie das Niveau n 6 - aufgrund der Fundzusammensetzung in das ausgehende 2. und
die erste Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. zu datieren.
Das Straßenniveau n 8
n 8 beschreibt W. Pietsch als »dunklen, grobkörnigen Sand mit Muscheln«854. In Grabungsflä-
che 2 und 3 gab es zwar keine dieser Beschreibung entsprechenden Schichtangaben auf den
Fundzetteln, aufgrund der Höhenquote (ca. 9,30-9,36 m OK, in Grabungsfläche 4 abfallend)
konnten allerdings zugehörige Fundkomplexe erschlossen werden. Sowohl in Grabungsfläche 2
als auch in Grabungsfläche 3 wurde darin sehr viel Keramik des 2. Jahrhunderts v. Chr. geborgen,
vereinzelt traten geometrisch-archaische Residuals auf855. Bemerkenswert ist, dass auch hier
noch vereinzelt Reliefbecherfragmente vorhanden waren (K 1345-1347). Das kleine Fragment
eines hohlen Stabs gehört möglicherweise auch zu einem Reliefbecher856. Zu beobachten ist auch
ein Firniswareteller mit beidseitig verdicktem Rand (K 1348). Es handelt sich also um Funde,
die zumindest in das dritte Drittel des 2. Jahrhunderts v. Chr. weisen, und in dieselbe Zeit sind
vermutlich auch die Fragmente zweier weißgrundiger Lagynoi (K1349. K1350), das Fragment
eines weißgrundigen Kruges (K 1351) sowie eines Thymiaterions (K 1352) zu datieren. Der
möglicherweise als pergamenischer Import zu beurteilende Becher K 1353 mit ausgebogenem
Rand und verdickter Lippe, der außen streifig schwarz-rot überzogen ist, dessen Fabric allerdings
Affinitäten zur ESA aufweist, kann nicht näher zugeordnet werden. Die restlichen Funde aus n 8
sind wiederum der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. zuzurechnen. Besonders hervorzu-
heben ist in diesem Zusammenhang das kleine Stück K 1354 eines Artemiskännchens, dessen
ovaler Stempel ein (kriegerisches) Artemisstandbild zeigt857. Ein weiteres gefirnisstes Kännchen
(K1355) enthält den Rest eines Siebeinsatzes. Unter den Tellerformen der Firnisware sind zwei
Teller mit innen verdicktem Rand zu nennen (K 1356. K 1357), es dominieren aber Teller mit
breitem Rand (K 1358-1370). Auch Böden mit Palmettenstempeln, wie sie vor allem bis zum
2. Jahrhundert v. Chr. üblich sind, treten mit mehreren Exemplaren auf (K 1371-1375). Die in
dem Straßenniveau vorhandenen Echinusschalen sind restlos zu der frühen Variante mit abgerun-
deter Wand zu zählen (K 1376-1390); zudem kommen Schalen und Schälchen mit geschwun-
gener Wand (K1391-1395) sowie verschiedene weitere Schalen und Becher der Firnisware mit
ausgebogenem (K 1396), außen leicht abgesetztem (K 1397) oder leicht eingebogenem, an der
Außenseite gerilltem Rand (K 1398-1403) vor. Zahlreiche Fragmente von Westabhang-Nach-
folgeware runden das Spektrum ab, sie gehören zu Skyphoi (K 1404-1416), einem Kantharos
(K1417), verschiedenen Schalen (K1418-1426) und einem Teller (K1427). Hervorzuheben ist
das Randfragment eines Skyphos mit eingeritzter Eierstabbordüre und einem zusätzlichen Dekor
aus unregelmäßig aufgemalten schwarzen Tupfen (K 1404). Das Dekormotiv nimmt die später

853 Form vgl. z. B Hübner 1993, Taf. 4, 24.
854 Pietsch 2001.
855 Ein Rand- und ein Wandfragment von Vogelkotylen Typ III—VIII in 96/98. Vgl. Kerschner u. a. 2008, Taf. 24, GrK
7. 41, 2.
856 Inv. KUR 1996/98/5, vgl. Gassner 1997, Nr. 220.
857 Vgl. Gassner 1997, 153-161; Liko 2001, Taf. 56, 41; Ladstätteru. a. 2003, 34-36 Taf. 15, K 178.
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