Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 2.1927

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PORTRAIT, KUNSTSTEIN POLIERT
Stadt. Handwerker- und Kunstgewerbe-Schule Stettin

RUNDSCHAU

Zum Thema: Doppelstockhaus

Wer von den Lesern sicli der Entwürfe meines
schnell vergriffenen Buches „Wohnstädte der
Zukunft" aus dem Frühjahr 1919 erinnert, wird
fühlen, daß die beiden ersten Grundrisse eine
wesentliche Fortenlwickelung der Leilideen jener
Arbeit bedeuten. Die Vorschläge waren aufge-
ba.ut auf der Tatsache, daß die übliche Bauerei von
einem Zimmer, Kammer und Küche oder zwei
Zimmern und Küche, wie sie auch gegenwärtig
zur angeblichen Behebung der Wohnungsnot im
Schwünge ist, am sozialen und kulturellen Haupt-
kern des Kleinwohnungsproblems durchaus vor-
beigelii. Eine Kleinwohnung, knapp zureichend
für die elementaren Wohnbedürfnisse des Heeres
von Industriearbeitern, der niederen Beamten, der

Angestellten usw. muß folgende Grundeleinenle
in sich bergen: Einen größeren Wohnraum für
alle Familienmitglieder (Tagesraum), in dem ge-
gessen, gewohnt, gearbeitet, genäht usw. wird, und
der auch der notwendigen Erholung nach Feier-
abend und am Sonnlage dient. Er braucht für
die durchschnittlich fünf bis sechs Personen eine
nicht zu kleine Fläche, vor allein einen großen
Luftraum. Sodann die Kochküche, die klein sein
kann, aber gut disponiert sein muß; dann drei
Schlafräume für die Eltern und die heranwach-
senden Kinder beiderlei Geschlechts, hierzu Ab-
stellraum, W. C. eventuell Bad. Die gegenwärtig
einschl. Küche dreiräumige Wohnung muß also
fünf räumig werden, wobei das schwierige Pro-
blem des Schlafgängerlums noch nicht berücksich-

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