Münsterbau-Verein <Freiburg, Breisgau> [Hrsg.]
Freiburger Münsterblätter: Halbjahrsschrift für die Geschichte und Kunst des Freiburger Münsters — 6.1910

Seite: 58
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Schuster, Wappen am Freiburger Münster

Der nächste Pfeiler gegen Osten zeigt im Trag-
stein das Wappen der Herrn von Geben, darunter
gemalt dasjenige ihrer Rechtsnachfolger, der Herrn
von Reischach (Nr. XIV), das auch in einem Glas-
gemälde der Blumneck-Kapelle vorkommt. Nach
diesem dürfte der nicht mehr genau erkennbare
Grund des Wappens weiß gewesen sein. Die Zunge
und der Querschnitt durch den Hals des Ebers sind
auf dem Glasgemälde gelb. Der Unterschied in den
beiden Wappen ist wohl sicher dadurch zu erklären,
daß sich der Technik der Glasmalerei zufolge wohl
gelb auf weißem Grunde aufmalen lässt, nicht aber
das hier richtigere Rot.

Der vierte Pfeiler von Westen her zeigt nur noch
Spuren eines gemalten Wappens. Auf einem nicht
mehr bestimmbaren Grunde ist unter dem obern
Schildrande noch eine aufwärts gerichtete schwarze
Spitze zu erkennen, die vermuten lässt, dass das
Wappen der Familie Statz angehört.

Am Sockel des nämlichen Pfeilers ist zweimal
ein Wappen mit drei Schildern eingemeißelt (siehe
Abbildung 5), an dessen einem links vom Rande
ein R und rechts davon ein kleiner Kreis oder der
Buchstabe o zu sehen ist. Vielleicht bezieht sich das
Wappen auf die Malerzunft, die das schräg gegenüber-
liegende Glasgemälde des nördlichen Seitenschiffes
gestiftet hat, möglicherweise auch auf die Herrn
von Rappoltstein, die ebenfalls Stiftungen für Glas-
gemälde im Münster machten und ein Wappen von
gleicher Zeichnung wie die Maler führten, nur mit
dem Unterschiede, dass bei jenen die drei Schilde
rot auf weißem Grunde, bei diesen umgekehrt weiß
auf rotem Grunde gefärbt waren.

Die beiden übrigen Pfeiler des Mittelschiffes ent-
halten keine Wappen.

Über verschwundene Wappen berichtet uns Jo-
seph Felician Geissinger (1740—1806) in einer 1787
angelegten Handschrift1. Nach ihm waren „vornen
im Langhaus an beiden Seiten an denen Wänden
des Langhauses der Kirche" ehemals die Schilder
oder Wappen der edlen Obristmeister oder Häupter
der Stadt Freiburg, wie sie in ihrer Ordnung von
Alters her auf einander gefolgt sind. Sie wurden von
den Franzosen in unbekannter Zeit entfernt. Geissinger
gibt auch eine Abbildung von Wappen, die im Frauen-
chörle über dem Bogen nach dem Querschiff auf-
gemalt waren. Einige davon waren damals schon
unkenntlich geworden, heute ist keine Spur derselben
mehr erhalten.

Die hier behandelten Wappen sind bei weitem
nicht so gut erhalten, als nach unsern Abbildungen
scheinen könnte, es wurde jedoch nichts dargestellt,
was nicht mehr sicher zu erkennen ist. Da die Ab-
bildung des wirklichen Zustandes wegen der oft nur an
einzelnen Stellen noch vorhandenen Farbreste lediglich
zu Unklarheiten geführt hätte, wurde überall die Form
in der ganzen Fläche mit der entsprechenden Farbe
ausgefüllt. Die Aufnahmen erfolgten nur bei beson-
ders günstiger Beleuchtung unter Zuhilfenahme von
Leitern und Gerüsten, nach vorheriger Anfeuchtung,
die die Malereien deutlicher hervortreten lässt. Am
Äußern konnten manche Farben nur durch Schaben
an einzelnen Stellen erkannt werden. Diese Bemer-
kungen sind insofern nicht unwichtig, als wir den
Abbildungen mehr Wert beilegen, als den im Text
dargelegten Ansichten. Es wäre lebhaft zu wünschen,
dass diese von Freunden der Münsterblätter ergänzt
oder durch bessere ersetzt würden.

1 Nr. 498 der Freiburger Universitätsbibliothek, S. 68.





5. Am Pfeiler gegenüber der Kanzel.

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