Münsterbau-Verein <Freiburg, Breisgau> [Hrsg.]
Freiburger Münsterblätter: Halbjahrsschrift für die Geschichte und Kunst des Freiburger Münsters — 6.1910

Seite: 50
Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/freiburgermuensterblaetter1910/0056
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile




7





Kleine Mitteilungen und Anzeigen,

Die Jahrmarkt-Inschrift in der Turmvorhalle des Freiburger Münsters.

Von

Dr. Hermann Flamm.

/; in iarmerkt wirdet uf den nechsten mentag und
zinstag nach sanct Niclaus kilwi * Und der
ander uf den nechsten zinstag und mitwochen
nach aller heiigen tag und bed iarmerkt ein tag
vor und ein nach gevriet.

ohne weiteres die Begrenzung auf die Zeit von 1403
bis 1465. Das älteste bekannte Jahrmarktsprivileg,
das der Stadt Freiburg am 16. Oktober 1379 von
König Wenzel von Prag aus bewilligt wurde, kann



i

Diese Inschrift, deren Wortlaut zur Einleitung
dieser kleinen Untersuchung mit Auflösung der ver-
schiedenen Abkürzungen hier wiedergegeben ist, ist
durch ihre bevorzugte Lage eine der bekanntesten des
Freiburger Münsters. Sie ist in kräftiger, gotischer
Minuskelschrift an der Innenwand des südlichen Strebe-
pfeilers der Turmvorhalle eingemeißelt und kann so
nicht leicht der Aufmerksamkeit der Münsterbesucher
entgehen, noch weniger der der fremden Händler
und Käufer oder der Richter und Beisitzer des
Marktgerichts, die in der Münstervorhalle den Par-
teien das Recht wiesen und zur Vereinfachung des
Verfahrens sich die Gesetzestafeln des Freiburger
Maßsystems in die Steinwände der geräumigen Vor-
halle eingraben ließen.

Was die Inschrift besagt, ist in der Hauptsache
klar. Sie meldet, dass in Freiburg an zwei bestimm-
ten Zielen, gleich nach St. Nikolaus-Kirchweihe und
Allerheiligen, Jahrmarkt gehalten werde und beide
Jahrmärkte einen Tag vor und nach „gevriet" seien.
Nur über die Datierung der Inschrift und über die
nähere Festlegung der darin genannten Nikolaus-
kirchweihe und die Deutung des Wortes „gevriet"
bestehen noch einige Zweifel.

Was zunächst die Datierung der Inschrift an-
belangt, so ergibt sich aus den Jahrmarktsprivile-
gien der Könige Wenzel, Ruprecht und Kaiser
Friedrichs III. aus den Jahren 1379, 1403 und 1465

noch nicht auf unsere Inschrift bezogen werden. Es
erklärt zwar schon, wie die beiden späteren Privi-
legien auch, das Wort „gevriet", verlegt aber die beiden
Jahrmärkte auf völlig andere Tage.

Wir tünt in [den von Freiburg] ouch die besunder
gnade und friheit, daz sie halten und haben sollent zwene
jarmarkede in der egenanten stat ze Friburg, und meinen
und wellen und gebietent ouch der jezent genanten stat, daz
[si] je den einen söllent haben an dem nehsten tag nach des
heiligen criizes tag als es gefunden wart [September 15] und
den andern söllent je haben an der heiligen eilüftüsent megde
tag [Oktober 21] und söllent denselben jarmark jergelich
halten mit solicher friheit zwen tage anenander und sol die-
selben zwene tage anenander und einen tag den nehsten
davor und einen tag den nehsten darnach also daz in den-
selben vier tagen nieman den andern in der egenanten stat
ze Friburg mit geriht umb deheine schulde haben noch be-
kümbern sol in deheine wise1.
Mit unserer Inschrift können die beiden hier
genannten Messtage nicht wohl in Beziehung ge-
bracht werden. Einer Erörterung dieser Frage be-
darf es nicht, denn, offenbar wegen des allzu nahen
Beisammenliegens der beiden Daten 15. September
und 21. Oktober, verlegte am 6. September 1403
König Ruprecht die beiden Jahrmärkte, und zwar genau
auf die Daten der Münsterinschrift:

1 In kurzem Auszug ohne Angabe der Termine der beiden
Jahrmärkte bei Schreiber, Urkundenbuch der Stadt Freiburg
2 (1828), S. 24; die Originalurkunde scheint verloren zu sein, doch
ist eine Abschrift des Privilegs aus dem 14. Jahrhundert S. 109f.
im Kopialbuch A des Stadtarchivs erhalten.
loading ...