Gilhofer & Ranschburg <Wien> [Hrsg.]
Sammlung Franz Trau: Münzen der römischen Kaiser ; Versteigerung: 22. Mai 1935 ... Firma Gilhofer & Ranschburg, Wien — Wien [u.a.], [1935]

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DAS WIENER PATRIZIERHAUS TRAU UND
SEINE SAMMLUNGEN (1850—193 1)

Zu jenen glanzvollen Namen, die in der zweiten Hälfte des vorigen
Jahrhunderts und noch im Anfang dieses bis zur Epoche des Weltkrieges
Wien und Österreich auch im Auslande sowohl durch ihre weltumspannende
geschäftliche Tätigkeit als auch durch die feinsinnige Art des Sammeins
berühmt machten, gehört unstreitig auch die Teefirma Trau. Wie ein macht-
voller Bau wirkt dieses große Unternehmen und wie bei einem Gebäude
lassen sich auch drei Perioden, gemäß den Zeitumständen, unterscheiden:
die Begründung, der Aufbau, die Erhaltung. Ihnen entsprechen genau drei
Generationen: Carl Trau, Franz Trau sen. und Franz Trau jün.

I. Die Begründung
Carl Trau, 13. Jänner 1811 — 28. September 1887

Er stammte aus Frankenthal in der Rheinpfalz und widmete sich dem
Kaufmannstande seit 1828 in Mannheim. In den Jahren 1829—1833 bereiste
er Österreich, Deutschland, Norwegen, Schweden und Dänemark und
heiratete 1839 zu Klagenfurt Marie Haslinger. Schon 1843 übersiedelte er
nach Wien und betrieb zunächst sein Drogisten-Geschäft weiter. Seine
weiten Geschäftsreisen in fast alle Länder Europas schärften seinen kauf-
männischen Blick. So dürfte schon damals sein Interesse für den Artikel
Tee geweckt worden sein. 1850 gründete er die nachmals so bedeutende
Teeimportfirma, die erste in Wien. „Den anfangs aus London und den
Hansastädten erfolgten Importen konnte Carl Trau bald den direkten Import
aus dem damals einzig in Betracht kommenden Teeland China zugesellen.
Diese Geschäftsverbindungen mit dem äußersten Orient legten es nahe, sich
auch mit den Erzeugnissen der Kunst und des Kunstgewerbes jener Länder
zu befassen, so daß in der Folge auch dem Handel mit chinesischen und
japanischen Kunsfgegenständen und Antiquitäten das Augenmerk zugewendet
wurde." (Aus der Festrede von Franz Trau jun. zum achtzigjährigen Ge-
schäftsjubiläum am 14. Dezember 1930.)

Da nun Carl Trau schön in seiner Jugend großes Interesse für Kunst
und Altertümer hatte, war es kein Wunder, daß er die Gegenstände des
Handels mit den Augen des Kenners und Sammlers betrachtete. Doch
waren sein Sammelgebiet außer Japonica, die Kunstobjekte des Mittelalters,
besonders der kirchlichen Kunst, ferner frühe Drucke, Miniaturen und
Manuskripte. Auch der Numismatik hat er seinen Tribut gezollt, indem er
eine möglichst vollständige Reihe der Gepräge Kärntens, des Geburtslandes
seiner Frau, erwarb. Es ist eine hervorragende Sammlung, die so manche
Seltenheit birgt. , ' .....
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