Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Editor]
Die Graphischen Künste — 23.1900

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DIE GEMÄLDESAMMLUNG
DES HERRN RUDOLF KANN IN PARIS.

VERLAG DER GESELLSCHAFT FÜR VERVIELFÄLTIGENDE KUNST IN WIEN.

Je leichter die öffentlichen Gemälde-
Gallerien allmählich durch die bequemen
Verkehrsmittel, durch gründliche Verzeich-
nisse, durch photographische und andere
Nachbildungen allen Verehrern alter Kunst
zugänglich werden, desto mehr wendet sich
das Interesse der Kunstfreunde und Gelehrten
der Erforschung von Privatsammlungen zu.
Hier ist freilich das Studium durch mannig-
fache Umstände erschwert. Der Besitzstand
wechselt von Tag zu Tag, die einzelnen
Kunstwerke sind in aller Herren Länder
zerstreut, wodurch die Übersicht fast unmög-
lich wird, es fehlen Abbildungen und Ver-
zeichnisse. Darum müssen wir es mit Freuden
begrüssen, dass in unseren Tagen die aristo-
kratische Verschlossenheit, die naturgemäss
den Privatsammlungen eigen ist, in vielen
Fällen dem frischen demokratischen Zuge, der
unsere ganze Cultur beherrscht, gewichen ist.
Ehedem hütete der Liebhaber seine kostbaren
Schätze einsam und im Verborgenen und
zeigte sie nur wenigen Auserwählten. Heute
ist der Sammler, der oft selbst begeistert der
Wissenschaft anhängt und froh ist, ihr einen
Dienst zu erweisen, zumeist bestrebt, sein
erworbenes Gut auch der Allgemeinheit
zugänglich und nutzbar zu machen. Alljährlich
erscheinen über die Privatgallerien von

Gelehrten verfasste, ausführliche Verzeichnisse oder wenigstens kurze Aufsätze, die auf das
Wichtigste darin aufmerksam machen. Und zu den Originalen gestattet man nicht nur den
Forschern den Zutritt, sondern sie werden auch durch die vortreffliche, seit einiger Zeit übliche
Einrichtung der Leihausstellungen der grossen Menge bekannt gemacht. Endlich findet man
Abbildungen von Werken aus Privatbesitz jetzt nicht mehr nur nach des Besitzers Tode in den

Domenico Ghirkmdajo.

Profilbild einer jungen Florentinerin.
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