Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Editor]
Die Graphischen Künste — 39.1916

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bis 1909 herausgegebenen Werke „Die Theater Wiens" nahm der
Monarch regen Anteil und unterstützte es auf die hochherzigste Weise.
Die von der Gesellschaft 1895 in den Räumen des Osterreichischen
Museums abgehaltene Ausstellung ward von ihm durch einen langen,
eingehenden Besuch ausgezeichnet. Das Jubiläum des Jahres 1898 beging
die Gesellschaft festlich durch die Ausgabe eines von Meisterhand
radierten Bildnisses des Kaisers. 1908 würdigte in der Zeitschrift der
Gesellschaft eine berufene Feder den Herrscher als Förderer der
graphischen Künste. Noch während des Krieges freute sich der Kaiser
herzlich seines im Verlag der Gesellschaft erschienenen Kinderporträts
und erkundigte sich bei der Abordnung, die ihm das erste Exemplar
überreichte, huldvollst nach der Tätigkeit und den Verhältnissen unserer
Vereinigung.

Ein Werk des Friedens ist es, was die Gesellschaft seit ihrem Bestände
schafft, und dem Kriege gegenüber, der grauenvoll und endlos noch immer
tobt, weifj sie sich nicht besser zu verhalten, als dafj sie allen Hinder-
nissen und Schwierigkeiten zum Trotj fest und ruhig ihre Arbeit fortsetzt.
Franz Joseph I., dessen Regierungsantritt der Aufruhr umbrandet hat
und dessen Leichenfeier die düsterroten Flammen des Weltkrieges um-
lodern, war doch ein Friedensfürst in des Wortes edelstem Sinne. Tief
trauernd legt unsere Gemeinschaft einen Palmzweig auf seinen Sarg
und glaubt sein teures Andenken am würdigsten zu ehren, wenn sie bei
sich das Gelöbnis erneuert, auch fürderhin dem Ziele, das sie als das
richtige erkannt hat, unbeirrt nachzustreben.

,,Des Todes rührendes Bild steht
,,Nicht als Schrecken dem Weisen und nicht als Ende dem Frommen.
„Jenen drängt es ins Leben zurück und lehret ihn handeln,
„Diesem stärkt es zu künftigem Heil im Trübsal die Hoffnung;
„Beiden wird zum Leben der Tod."

Wien, 26. November 1916.

DIE GESELLSCHAFT FÜR
VERVIELFÄLTIGENDE KUNST
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