Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Editor]
Die Graphischen Künste — 39.1916

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JOSEF VON DIVEKY.

Jiveky gehört zu jenem Kreise österreichischer Künstler, die, aus der vor-
trefflichen Schule am Österreichischen Museum in Wien hervorgegangen, sich
rasch einen Namen weit über die Grenzen ihres Vaterlandes hinaus errungen
haben. So zählt der heute erst neunundzwanzigjährige Diveky jetzt schon zu
den angesehensten und originellsten Buchillustratoren der Gegenwart; und da
er mit seinen jüngsten Arbeiten eine Schwenkung auf ein anderes graphisches
Gebiet, das der Originalradierung, vollzogen hat, scheint es angebracht, die nunmehr abgeschlossene
erste Epoche seines graphischen Schaffens, die ihn vorwiegend auf dem Gebiete des illustrierten
Buches tätig zeigt, zusammenfassend zu betrachten.

Josef von Diveky ist 1887 in einem kleinen Dorfe des Budapester Komitats geboren, kam aber
schon als Kind nach Wien, wo sein Vater in der kaiserlichen Kabinettskanzlei als Regierungsrat
dient. Nachdem er mit Ach und Krach die übliche Mittelschullaufbahn durchgemacht hatte, wo er,
wie er selbst schreibt, »außer dem Illustrieren seiner Schulbücher« wenig genug leistete, kam er
zunächst auf die Akademie und dann in die Kunstgewerbeschule am Österreichischen Museum, und
zwar in die Fachschule Professor Berthold Löfflers, der ihn nach seiner Weise sobald wie möglich
zur Lösung praktischer Aufgaben anleitete. So kam Diveky frühzeitig zur »Wiener Werkstätte«,
arbeitete dazwischen bei Lobmeyr in Glas, zeichnete Illustrationen für das Wiener Witzblatt
»Muskete« und den »Figaro« und gelangte zuletzt als Zeichner in die Druckerei des Verlages der
Brüder Rosenbaum in Wien. Hier lernte er den Buchdruck gründlich kennen und wurde der rasch
liebgewonnenen Beschäftigung erst durch seine Einberufung zum Militär entzogen, wo er es aber
nicht lange aushielt. Ein schneller Entschluß brachte ihn nach Zürich (wie wir erfahren, ist der
Künstler beim Ausbruch des Weltkrieges sofort wieder unter die österreichischen Fahnen
geeilt), wo er in eine lithographische Anstalt eintrat, um auch diesen Zweig der Graphik praktisch
kennen zu lernen; inzwischen arbeitete er für die Brüder Rosenbaum als Buchillustrator weiter.
Von Zürich begab sich der junge Künstler auf die Einladung De Praeteres nach Brüssel, wo er
sich ganz auf die Radierung verlegte.

Wenn wir nun die innerhalb dieser Jahre, von 1908 an, geschaffenen Arbeiten Divekys mustern,
so fallen aus dem Ertrag der ersten Jahre zunächst einige der für die Wiener Werkstätte gearbeiteten
Serien bunter Postkarten auf, die einerseits noch stark unter dem Einfluß der Löff ler-Schule stehen,
anderseits aber schon das unverkennbare Gepräge der Eigenart Divekys tragen. Es sind reizende
Nikolo-, Krampus- und Weihnachtskarten darunter, dann die Serien der »Kaulitz-Puppen«, ferner eine
Reihe von Wiener Ansichten, Figuren aus den historischen Kostümgruppen des Kaiserjubiläums-
Huldigungsfestzuges 1908, endlich eine originelle Serie »Allerhand Kinderschreck« (1911) und
dergleichen mehr. Überall zeigt sich die vortreffliche dekorative Schulung, die die Wiener Kunst-
gewerbeschule ihren Zöglingen zukommen läßt, und darüber hinaus eine Fülle selbständiger, frischer,

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