Hugo Helbing [Editor]; Pfister, Philipp [Oth.]
Katalog der sehr reichhaltigen Kunstsammlung des in München verstorbenen kgl. Regierungsrats Herrn Ph. Pfister: Aquarelle und Handzeichnungen alter und neuerer Meister (Kupferstiche, Radierungen, Holzschnitte, Lithographien, Ansichten, Flug- und historische Blätter, Portraits, Kunstblätter, Bavarica und Monacensia); Auktion in München in der Galerie Helbing, Donnerstag, den 27. Oktober 1904 und folgende Tage — München, 1904

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August Seidel.
Über diesen Künstler, der am 2. September dieses Jahres aus dem Leben schied,
schrieb die Münchener „Allgemeine Zeitung“ folgendes: Landschaftsmaler August Seidel
wäre am 5. Oktober volle 84 Jahre alt geworden! Die jüngere Generation wusste von
ihm wenig mehr, obwohl er noch vor kurzer Zeit Landschaften malte wie in seinen besten
Jahren. Als echtes Münchener Kind war ihm unter der Anregung seines älteren Bruders
Franz Seidel die Schönheit der altbayerischen Lande, mit ihren Wäldern und Bergen auf-
gegangen. Vom Fichtelgebirge bis zum Kochelsee, von Gastein und dem Zillertal bis an
das Schwäbische Meer oder dem Dachauer Moor reichte August Seidels Domäne. Auch
die Isarauen und der Englische Garten boten abwechslungsreiche Ausbeute. Dann aber
kam noch ein anderer Sport: Er hatte das alte München mit seinen täglich immer mehr
verschwindenden malerischen Winkelchen ins Herz geschlossen. Wie ehedem A. Lebschee
die früheren Tore, Türme und Festungsreste in treuer Erinnerung festhielt, so hatte Seidel
sein Künstlerauge, und zwar bei aller Wahrheit, doch ohne alle Vedutenhaftigkeit, auf die
Physiognomie des früheren kleinbürgerlichen Stadtbildes geworfen. Dazu gehörten die
kleinen, den echten Philister so anheimelnden, jetzt ganz verschollenen Wirtschaften, das
sogenannte „Ketteri“, der „Wollgarten“ an der Baumstrasse, das auf aussichtsreicher Höhe
gelegene „Rockeri“, die alten „Herbergen“, die Tagwerker- und Wäscherinnen-Häuschen
in den abrasierten Vorstädten und die letzten jener — „Keller“, wo die Halle so schmuck-
los, der Garten so schattig und das Bier noch so gut war, und die keiner rauschenden
Konzerte bedurften, um ihre Stammgäste anzuziehen und festzuhalten. Über zweihundert
.solcher, jetzt ganz kulturhistorischer Blätter zeichnete Seidel für Pfisters „Monacensia“.
So schlicht, gemütvoll und so ganz erfüllt von Liebe zu seinem Gegenstände hat äusser
Karl Spitzweg niemand mehr derartiges geschaffen.

Alt'München.
238 Aquarelle im Fol.—8°.

1. Letzte Stadtmauerreste a. Sendlingertor b. Abbruch 1886. — 2. Kgl. Holzgarten, Eingang
a. d. Engi. Gartenmauer. — 3. Theresienwiese. Ansicht d. Gärtner-Anwesen, jetzt Kapu-
zinerstr. — 4. Haus in d. Krippe (Haidhausen). — 5. Untere Kaibimühle. Ansicht beim
Lettinger. — 6. Allotria-Lokal a. d. Maxburgstr. mit einem Teil d. Gerüste d. neuen
Synagoge. — 7. Gänsemarkt in Giesing 1839. Zeichnung. — 8. Gräfl. Preising-Schloss
u. Riedierschlösschen, jetzt Kloster z. guten Hirten. — 9. Ansicht des griechischen (Bam-
berger) Marktes — Hintergrund Salvatorkirche m. Häusergruppe. — 10. Giesing. — Ij*
Martersäule b. Neuhausen. — 12. Kirche in Laim. 1847. Zeichnung. — 13. An der St’aoF
mauer b. Jungferngarten. Zeichnung. — 14. Kalkofen b. Maria-Einsiedeln 1836. — 15, Der
letzte Salzstadel (als Kaserne benützt). — 16. Ansicht d. Häusergruppe g. d. Kreuzsfrasse.
— 17. Parthie b. Birkenfelder Hof. Giesing. — 18. Türkengraben. — 19. Beim Abbruch im
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