Heydemann, Heinrich
Hallisches Winckelmannsprogramm (Band 11): Jason in Kolchis — Halle a.S., 1886

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götter der Griechen Taf. I 5 S. 260 (Herl. Akad. Abh. 1843); Braun Annali 1849 p. 107 und Ruin. Mus.
Horns S. 820,44; Baumeister Denkin. klass. Altertli. I S. 124,123. Neben dem Baum, an dem das Widder-
fell hängt, erbebt sieb der Obertbeil des riesigen Drachen, dessen übrigen Körper wir uns langhin-
gestrekt durch das Land hinzudenken müssen — tu 6" outtiQova noXlöv ojtiooo) xvxXa jioZrjiQtfivmo
oV tg vh]Q TträvvöTo (Apoll. Rbod. IV 1(50). Aus dem weitgeüffneten von spitzigen Zähnen strotzen-
den Kaeben kommt Jason heraus, Kopf und Arme voran, inschriftlich bezeichnet (CIGr. 7749); der
Held ist wie auf der Vase aus Paestum bärtig dargestellt, was liier der Entstehungszeit des Ge-
fässes nur angemessen ist''1. Zuschaut theilnehmend und aufmerksam Pallas Athene, die lange
Lanze mit der Hechten aufstützend und auf der Linken ihre Eule tragend. Diese merkwürdige
Darstellung, von grosser Schönheit der noch ein wenig gebundenen Zeichnung, lässt nur die eine
Deutung zu, dass im Kampf mit dem Drachen Jason von diesem zwar mit Haut und Haar
verschlungen wurde, aber wieder, wie zu sehen, unversehrt ausgespieen wird, da der Held
durch Zaubermittel gefeit und unverwundbar ist; er bat eben gethan, was Medea bei Apollonios
ihn zu thun heisst (III 1042):

i'iqi dt (ivörjvaq rode qxxQ/iaxov, rjvz aXotxpfj
yvfirmfhu <palÖQVVi xiov dt'fiug' tv dt oi ulxij
tootT äjreiQEöh/ ftiyu ri othh'oq, ov dt xs cpalr/e
dvdQ&öiv, alla d-eoloiv Idagipsv ccd-avaroiaiv.

Auffällig ist nur. dass nicht die zauberkundige Medea zugegen, sondern
frauliche Athene tritt, ein Umstand der aber wol aus den frommen Ans
Malerei, etwa des zweiten Viertels des fünften Jahrhunderts, sich erklärt
Hilfreiche wird nicht erst Mittelpersonen, sondern direot den Göttern selbst
rührte das unverwundbar machende Mittel nach Auffassung des Malers di
Beschützerin der Heroen katexoeben und also auch des kühnen Jason,
wir hier eine im Volke umgebende, uns nur litterarisch nicht erhaltene V
vor uns haben, oder aber eine individuelle Ausbildung der Sage des pbai
Für das Letztere spricht vielleicht, dass keine weitere derartige Darstell
Bild aus Caere sozusagen ein hapax eiremenon der bildenden Kunst i
a. a. O. als zweite hergehörige Darstellung den Graffito in dem untere
etruskischen Spiegels im Berliner Museum heranzieht62, so dünkt mich da
der Spiegel ist abgebildet bei Gerhard Tafel 238; vgl. auch Friederichs 1
no. 148 — ist 'Heiasun' dargestellt, in der Hechten das Schwert haltend, m
das Widderfell ergreifend und eiligst fliehend vor dem Drachen, der auf
ibm schnappt Die ganze Darstellung ist wegen des schmalen langgez
zeichnet bez. verzeichnet, als wenn der mit dem gestohlenen Fell davo

51) Vgl. dazu VIII. Hall. Wmckelinaunspr. S. 22.

52) Natürlich auch Baumeister Denkm. klass. Altcrth. S. 124.
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