Robert, Carl
Hallisches Winckelmannsprogramm (Band 19): Votivgemaelde eines Apobaten: nebst einem Excurs über den sog. Ares Borghese — Halle a. S., 1895

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der Akademiker die Reihe der Pitture; das fünfte, die Quadriga (1405b), das ich in diesem Programm
zunächst behandeln werde, ist dagegen erst im Jahre 1837 gefunden. Leider fällt der erste Fund in
eine Periode, für die die Ausgrabungsberichte verloren, der zweite in eine, wo sie, kurz vor dem
Abbruch der Grabungen, äusserst dürftig sind. Für jene vier sind wir ausschliesslich auf die kurzen
Mittheilungen in den Anmerkungen der Pitture di Ercolano angewiesen.3) Danach wären die Astra-
galenspielerinnen am 24. Mai 1746 unter Resina, die drei anderen Bilder ebendort drei Jahre später,
seltsamer "Weise wieder am 24. Mai, gefunden worden. Dennoch ist die Annahme eines Druckfehlers
1746 für 1749, so nahe sie zu liegen scheint, unbedingt ausgeschlossen, da die frühere Entdeckung
der Astragalenspielerinnen im Text der Pitture ausdrücklich hervorgehoben wird. Es muss daher auf
einem Versehen beruhen, wenn sowohl Brunn (Künstlergeschichte II S. 308) als Heibig (Wandgemälde
S. 48) die Auffindung aller vier Bilder gleichzeitig geschehen lassen. Indessen einem und demselben
Hause werden sie gewiss entstammen, vielleicht in der That demselben Gemach, da die Astragalen-
spielerinnen und der Kentaurenkampf denselben rothen Randstrich aufweisen und dieser sich, wenn
auch sehr verblasst, auch bei den andern Bildern konstatieren lässt. Die Ausgrabungen müssen sich
damals in einem besonders reichen, geschmackvoll ausgestatteten "Viertel bewegt haben. Grosse mit
Säulen geschmückte Gebäude, also Peristyle. werden in den Berichten des Pedro Bardet von 1749
mehrfach erwähnt.4) Auch eine Anzahl der besseren Fresken sind nach den Angaben der herculanen-
sischen Akademiker in jenen Jahren in Resina5) gefunden worden, vor allem die köstlichen kleinen
Friesbilder mit den jagenden, fischenden, spielenden, handwerkernden, bacchisch schwärmenden, die

Symbole der oberen Götter verehrenden oder handhabenden Eroten6) im August und September 1748.
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s) Pitture di Ercolano I p. 1 n. 6, p. 7 n. 2 Vgl. Ruggiero Storia degli seavi di Ercolano p. 103 f.
J) Kuggiero a. a. 0. 101.

6) Dagegen stammen aus Portici die schönen Fresken Apollon und die Sibylle (203, P. d. E. II 17 p. 105), die sog.
Lichtgötter d.h. Helios, Aphrodite und Phosphoros (970, P. d. E. II 10 p. 61), beide 1749 gefunden, ferner die offenbar
zusammengehörigen, einen kleinen Cyclus bildenden bacchischeu Bilder: Erzielumg des Dionysos (376, P. d. E. II 12 p. 79),
Dionysos und Ariadne (1235, P. d. E. II 16 p. 103), Pan und Eros vor Dionysos ringend (404, d. E. II 13 p. 85), ge-
funden 1747, 1748. Man wird in der genaueren Bestimmung der Provenienz der Heroulanensischen Bilder und der Ermit-
telung ihrer Zusammengehörigkeit etwas weiter kommen können, wenn man darauf achtet, ob die Pitture Portici, Resina
oder Civita als Fundort angeben, was Ruggiero versäumt hat.

°) Gerne möchte man über die ursprüngliche Anordnung dieser zierlichen Bildchen Bestimmteres ermitteln, aber
der Versuch lässt sich nur mit Reserve machen, da die 19 erhaltenen Stücke schwerlich den ganzen Cyclus repräsentieren.
Auch bieten die von Ruggiero a. a. 0. aus den P. d. E. zusammengestellten Fundnotizen nur bedingt einen Anhalt, da, wie
sich leicht erkennen lässt, die Ablieferung im Jahre 1748 in der Regel wöchentlich erfolgte, das angegebene Datum also
sich nicht sowohl auf den Tag der Auffindung als den der Ablieferung bezieht. Ein gewisser Grad von Wahrscheinlichkeit
wird sich aber doch vielleicht erreichen lassen. Zunächst sondern sich die Bilder deutlich in zwei Gruppen: Eroten mit
den Attributen und Symbolen der vornehmen Götter in mannigfacher "Weise beschäftigt, und Eroten, die das Treiben der
Menschen, der grossen wie der kleinen, spielend imitieren. Zu der ersten Gruppe gehören die 5 Bilder, die Eroten
den bacchischen Thiasos parodierend, mit Tanz und Musik beschäftigt, zeigen (Heibig 761 — 765), bekanntlich auch auf den
römischen Kindersarkophagen ein sehr beliebtes Motiv. Alle sind an demselben Tag, 7. September, abgeliefert und daher
gewiss auf derselben Vand in einer Reihe angebracht gewesen. Demselben Kreis sind drei weitere Bilder zuzurechnen:
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