Jahn, Otto
Über Darstellungen griechischer Dichter auf Vasenbildern — Leipzig, 1861

Seite: 706
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706

Otto Jahn,

1.

Eine in Agrigen t gefundene, oft herausgegebene und viel bespro-
chene Vase,17) gleich ausgezeichnet durch Grösse18) und Form10) wie
durch die Schönheit der Darstellung und das Interesse des Gegenstan-
des, bildet jetzt eine der hervorragendsten Zierden der Vasensammlung
König Ludwigs in München (753).

17) Sie wurde herausgegeben von Steinbüchel in einer besonderen Schrift: Sap-
pl™ und Alkaios, ein altgriechisches Vasengemählde, Wien 1822 (fol. mit fünf Kupfer-
tafeln) und in italiänischer Uebersetzung Disserlazione intorno ad una pittura greca an-
tica che rappresenta sopra un vaso Alceo e Saffo (Padova 1824. 8.); nach dieser sind
die Abbildungen wiederholt bei Millingen anc. uned. mon. I, 33. 3 4. Dubois Maison-
neuve introd. ä l'etude des vases grecs 81. Horner Bilder des griech. Alterlh. Taf. 24.
Welcker alte Denkm. Taf. XII, 21. 22, und hier Taf. I, 3—5. Die Vorderseite ist auch
mitgetheilt von Panofka Griechinnen 10 (manners and cost. pl. 5), Bilder ant. Leb.
Taf. 4,71, über Kalos Taf. 1, 11.

1 8) Das Gefäss hat eine Höhe von 1 9,7 rh. Z., einen Durchmesser von 1 4,2 rh. Z.
Die Figuren sind in einer Grösse gezeichnet, wie sie auf den schönsten Prachlgefässen
von Vulci nicht häufig ist.

19) Die Form des Gefässes ist schlank, ohne alle Ausbauchung, erst nach oben
hin erweitert sich dasselbe ein wenig. Dicht unter dem oberen Rande sind zwei Hand-
haben ungewöhnlicher Art angebracht; sie sind hohl, so dass man hineinfassen und
das schwere Gefäss bequem emporheben und tragen kann. Am Boden desselben, über
dem kurzen und breiten Fuss, auf dem es sehr fest steht, ist eine Oeffnung mit runder
etwas vorspringender Mündung angebracht, um die Flüssigkeit abzulassen. Panofka
glaubte den bei Athenaeus (V p. 198D) erwähnten xQarriQ laxwvutög zu erkennen,
wofür er folgende Gründe geltend machte (rech, sur les verit. noms des vas. gr.
p. 11, 18): La forme dorique de ce vase repond parfaitemcnt ä l'edit de Lycurgue, qui
prescrivait de n'employer que les vases les plus necessaires et les plus simples, en evitant
tout luxe inutile. Ce cratere est si pesant qu'il paraü avoir ele primitivement execute en
bois et se rattacher ainsi ä l'origine de la poterie. Später schloss er sich der Vermu-
thung Rathgebers (Bull. 1838 p. <7 ff.) an, dass das Gefäss als Blumentopf gebraucht
worden sei, während Thiersch (über die hellen, bemalten Vasen p. 36) dasselbe für
ein Kühlgofäss, \pvxT,r)Q, erklärte, über deren gewöhnliche Gestalt üssing (ann. XXIX
p. 139 ff.) gehandelt hat.
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