Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 23.1902

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Fig. i. Giov. Batt. Falda di Valduggia (?).
Berlin, k. Kupferstichcabinct, n. 448.1

ENTWÜRFE BALDASSARE PERUZZIS FÜR DEN EINZUG KARLS V.

IN ROM.

Eine Studie zur Frage über die Echtheit des sienesischen Skizzenbuches

von

Hermann Egger.

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ür den am 5. April 1536 erfolgten feierlichen Einzug Karls V. in Rom waren sowohl
seitens der päpstlichen Curie als auch vom römischen Senate die glänzendsten
Vorbereitungen getroffen worden. Schon am 8. und 26. November 1535 wurde
im »concistorium secretum« unter dem Vorsitze Pauls III. die Frage des Empfanges
behandelt und die Sorge für die Bequartierung, Verpflegung etc. einzelnen Cardi-
nälen überwiesen; gleichzeitig wurde dem Cardinal Monsignore Giovanni Gaddi
die Sorge für den Festapparat, »la cura degli archi trionfali et degli altri ornamenti
per honorare Sua Maestä«, übertragen. Denn gleich einem römischen Triumphator sollte der von dem
glücklichen Feldzuge gegen Tunis siegreich heimkehrende Kaiser auf der alten Via triumphalis empfangen
werden. Zu diesem Zwecke wurden die drei Triumphbögen des Constantin, Titus und Septimius
Severus weiter ausgeräumt und durch eine neu angelegte Strasse verbunden, bei deren Herstellung
mehr als 200 Gebäude (darunter drei oder vier Kirchen) dem Erdboden gleichgemacht wurden.

Am 29. März von Neapel aufgebrochen, war Karl V. am 3. April nach Marino, am 4. nach S. Paolo
fuori le mura gekommen, von wo aus sich am 5. (Mittwoch) um 3 Uhr nachmittags der glänzende Zug
rangierte. Denselben eröffneten 3ooo Mann kaiserliche Fusssoldaten in Reihen zu je sieben; hierauf
folgten in kostbaren Gewändern zahllose Edle, Barone und Gesandten. Unmittelbar vor dem Kaiser
schritten fünfzig Jünglinge der angesehensten römischen Familien mit je zwei Pagen, alle in violetter
Seide. Karl V., in einfachem Anzug von violettem Sammt, ritt auf einem Schimmel zwischen den
Cardinälen von Siena und Trani, während zu beiden Seiten die Conservatoren und Caporionen in an-
tiken Costümen giengen; den Schluss bildeten sämmtliche Cardinäle (mit Ausnahme jener, welche in

1 Ich spreche hiemit der Dircction des k. Kupferstichcabinetes in Berlin meinen ergebensten Dank für die Erlaubnis
aus, sowohl diese Zeichnung als auch die beiden des M. v. Heemskerck (Fig. 8 und 17) photographieren zu dürfen.
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