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1897

Nr. li

i JUGEND '

Der Tod im Daum

Im Rebekdust am Straßensauin
Da steht ein Lbereschenbaum.

Die Früchte schimmern Kkutigroth,

Im kahken Wipfek hockt der Tod.

Die Fiedek häkt die Knochenhand,

Gt Weirschensehnen kkeich bespairnt.

Den Schadest der wie Sikber gkäii?t,

Tin Kran? von Dogeköeeren strän?t.

Der Kiefer bkanst die ^ähne ?eigt,

Tr grinst vergnügt und singt und geigt,
schwarzer Ackerfiirch' ?uhauf
Tür Schwarm von Krähen skaliert auf.

Der Singsang des Gerippkeins gekkl:
Dun bist Du mein, Du weite /Weit!
Die fchwar?en Vögek hör' ich schrei'n,
Ihr sokkl die Todlengräber sein.

Das je gebküht, was je gekacht,

Dird nrur ins lrakte Grab gebracht.

Die Dekl ringsum kiegl todt rurd stumm
Das hör' ich dort noch für Gesumm?

Tin Wübkein lrommt den Deg daher,
2ur Schute trägt's sein Nän?ek schwer,
Der Ostwind pfeift ihm ins Gesicht,
Den lrteiireir Wann belrümmert's nicht.

Tlnd wie er tapfer fürbaß ?ieht,

Tr summt ein kiebkich Deihnachtskied.
Der Tod inr Varmre karifcht vokk Grimm,
Wöchl' schweigeir gern die Kinderstimin'!

Tr wirft den Kran? ihm an den Kopf,
Da kacht hinauf der muntre Tropf:
Das fchöiie Krän?ek heb' ich <xuf! —
Wil Schrei'n entfchwirrt der Krähenhauf

Paul ©cyfe

Aphorismen

Die erste Großmacht der Welt ist ohne
eben Zweifel Böotien. Obwohl keine ex-
akte Bevölkerungsstatistik besteht, kann
tan doch mit Gewißheit behaupten, daß
s mehr Staatsangehörige hat, als irgend
ines der bekannten Länder der Welt,
Ihina inbegriffen, wie die Juden sind
>ie Böotier überall zu Hause und, mehr
>och als die Juden, in jedem Stande zahl-
eich vertreten. Sie sind auch in allen
Religionen und Sekten, Parteien und Frak-
ioncn, Gesellschaften und Vereine» zu
inden. wo Du Dich auch hinbegiebst,
vackrer Zeitgenosse, zu Fuß, zu Pferd, zu
!tad, zu Schiff, zu wagen oder Sänfte,
— überall triffst Du auf den wackeren
Bürger Böoticns. Du willst wissen, woran
Du ihn erkennst? Ob er eine krumme
sdcr grade Nase, krumme oder grade Beine,
blonde oder schwarze Haare, braune oder
blaue Auge» hat, ob er sich so oder so
kleidet, so oder so spricht, höflich oder grob
ist, oder ob er vielleicht mit seinen Mit-
böotiern irgend ein Geheimzciche» hat? Es
läßt sich nichts Bestimmtes sagen außer
diesem: Bring', wen Du als Böotier er-
kennen willst, auf irgend eine weise vis-
ä-vis der Kunst, gleichviel welcher, — und
Du wirst sehr bald erkennen, ob er aus
jenem gelobten Lande stammt. Es sei
denn, deutscher Zeitgenosse, Du wärest selber
von dort. Den» es ist eine Merkwürdig,
keil der Angehörigen dieses Landes, daß
sie ihr Nationale nicht kennen.

wie, Du wirst wild? Das ist bedenk-
lich! Denn auch das ist eine Eigcnthüm-
lichkeit der Söhne und Töchter Böoticns,

Fidus.

daß sie nicht einmal den Verdacht ertragen
können, für Böotier gehalten zu werden.

Und dies ist die einzige Verbeugung,
die sie vor der Kunst machen.

Es ist vielleicht erlaubt zu sägen, daß
man sich dadurch noch nicht als dramatisches
Talent bewährt, daß inan Schiller ver-
achtet.

Die meiste Lprik, auch der Größte», ist
schön gestaltete, verklärte Thorheir. Aber
das ist eben ihre große Kunst, daß sie
Schönheitswerthe schafft, die jenseits von
weife und Thöricht stehen. Just darum
freilich ist sie heute in Mißkredit gekommen,
wir wolle» gefcheidre Musen haben und
selbst der Tan; soll logisch fördern.

&

So im Leben wie in der Kunst ist
Brutalität zuweilen nothwendig und ver-
dienstlich; man wird cs uns aber nicht
verübeln dürfen, wenn wir, in Kunst und
Leben, die Gesellschaft Derer meiden, die
nichts als brutal zu sein vermögen.

Entzückt außer sich zu gerarhen, aber
in sich die Kraft zu finden, dies Entzücken
mit Worten weirerzugcben, das ist i»>
Grunde die Sonderarr des poetischen
Menschen. Der Irrthum der Dilettanten
liegt darin, daß sie meinen, es genüge

schon, möglichst außer sich zu sei».

L). I. Bierbauiil.

^ugendsegen

O kühnes Hoffen, gvld'nc Jugend,

Ich denk' mi euch nls nit ge liebte isvdkc;
"Vom sFonneluiiifgling träum' ich wieder,
ludest ich einfiiiii geh' im Mliendrolhe.

lind seid ihr längst für mich enkschwniidcn,
Muf meinem (Hege seh' ich einen fFchimmer —
CCCti' schon in früher Jugend Glück genosten,
6[ii, gniij Verliist'ner wird er nie und nimmer.

Ferdinand Groß.

20Z
Index
Otto Julius Bierbaum: Aphorismen
Fidus: Zeichnung ohne Titel
Paul Heyse: Der Tod im Baum
Ferdinand Groß: Jugendsegen
Bernhard Pankok: Zierleiste
 
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