Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 2.1897, Band 1 (Nr. 1-26)

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Nr. 1

JUGEND

1897

Fri/% Dannenberg (München).

IZnoslk I^euzghn!

Ich höre was wie Gchaumwcinpfropfen knallen,
Und aromatisch duften Punsch und Bowle,

„Ein froh' Neujahr!" so donnert's durch die Hallen,
Und Jeder widmet sich des Nächsten wohle,
Indem er, bis die Lippen selig lallen,

Und bis die Wange glüht wie eilte Rohle,
Gesundheit trinkt den Freunden und Bekannten,
Den jungen Baslein und den alten Tanten.

Das ist die Zeit, den Leuten anzukennen,

Ob ihnen Jugend noch im Herzen lodert!

Jetzt mag der Griesgram schiefen Maules flennen
Vom Flug der Zeit, der seine Rechte fodcrt,

Doch lachend seh'n in schöner Flamme brennen,
Was besser frisch verbrennt als langsam modert,
Die jungen Alten und die jungen Jungen,

Drum wird von ihnen froh das Glas geschwungen.

In solchem Lirkel bin ich gern zu Gaste,

Die „Jugend", ich! Da komm' ich angeritten:
Erlaubt, dasi ich an Eurer Tafel raste -
Ich weiß, Ihr habt mich immer wohl gelitten!

Und da Ihr selbst nicht gern seht, daß man faste,
Brauch' ich nicht lang um einen Trunk zu bitten.
Eilt Smollis, Freunde! Gebt zum Gruß die Hände —
Uitd nun mein Sprüchlein zu des Jahres Wende:

Glück wünsch' ich Euch uitd wünsch' es auch deit Euern
Erst das Gewöhnliche und Allgemeine,

Daß Ihr gesund bleibt, daß um keinen Theuern
Ein Trauriger am offnen Grabe weine,

Daß Gott Euch wahre vor erhöhten Steuern,

Daß Euch die Sonne holden Wohlstands scheine —
Und wer dazu ganz aussichts- und genielos,

Dem wünsch' ich ein gesegnet Lotterieloos.
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