Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 7.1902, Band 1 (Nr. 1-26)

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Nr. 26 (Redaktionsschluss: 17. Juni 1902)

JUGEND

1902

- — sein Bauch!

Nürnberger Chronik

Dem deutschen Herzen süß wie Honig
Ist, was heut' melden muß die Chronik:
In Nürnberg war's, der Dürerstadt,

Wo festlich man begangen hat
Das fünfzigjähr'ge Jubiläum
Von dem Germanische» Museum.
Es kamen, dieses Fest zu feiern,

Zunächst der Prinzregent von Bayern;
Der Kaiser und die Kaiserin,

Die zogen auch nach Noris hin;

Und weiter waren noch geladen
Der greise Großherzog von Baden,

Mit ihm der Württembcrger König
Und andrer hoher Herrn nicht wenig.

Bei diesem frohen Feste dort
Fiel manches markig deutsche Wort,

Das wohlgetha» zu dieser Frist,

Da so viel Haß und Wirrnis; ist
Und gegen echte deutsche Art
Viel Nänkespiel sich offenbart
Und, unsre Eintracht frech zu stören
Mit hundert Mitteln, sich verschwören
Mißgünstige in Dst und West!

Es reichten sich beim frohen Fest
Zu alter Freundschaft schönem Band
Die Fürsten wieder treu die Hand.

Wie fest sie zu einander steh'n,

Das mögen die Halunken seh'n,

Die Hetzer all', die skrupellosen,

Der Polen und der Halbfranzosen,

Die Demagogen im Talar,

Rampolla's dunkle Fechterschaar! —

Es kamen auch von weit und breit
Die Hüter der Gelehrsamkeit,

Und was sie zu dem Fall gesagt
Hat mir nicht minder baß behagt,

Da sprachen Herrn ans Wien und Prag,

Die schwuren, bis zum jüngsten Tag
Sei nimmermehr aus ihre» Herzen
Der Geist des Deutschthums ausznmerzen.
Und wieder einer von den Herrn —

Ein Vetter war's vom Canton Bern —

Der meinte kühn: politisch sei

Die Schweiz von deutschem Einstuß frei,

Jedoch an Geist und an Cnltur

Sei sie Provinz von Deutschland nur!

Auch Einer ans Amerika

War zu der Jubelfeier da

Und sprach der deutsche» Art zum Danke:

Von Cambridge der Professor Franste!

Dann auf der Rednerliste fand man

Auch unser» Herrn Minister Land mann!

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lern >1 12 I3 14 l5

ilebr- und trostreiche Betrachtungen
über das nasse f rühjahr iqor

üfRan ist dahinter jetzt gekommen,

Woran das schlechte Wetter liegt —

Die Wissenschaft der Astronomen
Und auch Herr Falb, er hat gesiegt.

Man schiebt's dem Mond jetzt in die

Schuhe,

Man weiß, daß er der Schuld'ge ist,
Indessen er in aller Ruhe
Am Himmel seine Bahn durchmißt.

Ls macht dies die Lkliptikschiefe,

Die heuer zählt nur >8 Grad,

Die. wenn im Marimum er liefe,

Wohl an die 28 hat.

Wer hätt' von diesem stillen Bürger
Und alten Manne je geglaubt,

Daß er ein solcher Menschenwürger,

Und daß er uns den Frühling raubt.

Wir dachten, nur gemüthlich zieht er,
Bewacht die Liebenden im Mai,

Und daß er nur auf Liebeslieder
von nennenswerthem Linssuß fei.

Die Wissenschaft erst brachte Klarheit.
Daß alles dies der Mond gethan,

Ja: Durch das Labyrinth der Wahrheit
Trägt sie die Fackel uns voran!

Denn wenn wir glaubten, daß sich lösten
Die Weltgesetze alle auf,

Kann uns die Wissenschaft noch trösten,
Daß ganz naturgemäß ihr Lauf!

Den Werth der Wissenschaft zu leugnen
AngSsschts dieses wär' nicht recht,

Ls ist ein Fortschritt zu verzeichnen:

Wir wissen jetzt, warum es schlecht!

„.1 »ir,

Unverbürgte Nachricht

Der liberale Abgeordnete Landmann
soll an's Ministerium eine Eingabe gerichtet
haben behufs Namensänderung.

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,l,er: Dr. GEORG HIRTH; Redaktion : F. v. OSTO
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