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Kawerau, Georg; Rehm, Albert; Wiegand, Theodor [Editor]
Milet: Ergebnisse der Ausgrabungen und Untersuchungen seit dem Jahre 1899 (Band 1,3): Das Delphinion in Milet — Berlin, 1914

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https://doi.org/10.11588/diglit.1017#0292
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408 Archaische Zeil. 284

Literarisch bezeugt ist das müesischc Delphinion für das 6. Jahrhundert v. Chr. nur durch die bei
I »iogenes l.acrtios I 29 (vgt. Valer. Max. 172, 29 ff.) überlieferte Weihung des Thaies: 0a\vjc, 'EEauuou MiXt)-
OToc, 'AttöXXluvi Ae\<piviiu 'EMijvluv iipio"T€LOv bic, Xafkuv.

Damais war daslleiligtum ein vermutlich rechteckig umschlossener Bezirk, von unbekanntem Umfang,
dessen wichtigste Stelle der mit Yolutcnakrotcrien') (Abb. 39. 40) geschmückte Altar war. Vermutlich
;wjf der Wand eines Propylon 5) war in großer Bnstrophedonschrift der Opfcrkalender eingemeißelt, dessen
erhaltene Reste (S. 162 ff. n. 31) das edelste Beispiel altionischer Schrift sind. Um den Altar gruppierten
sich im freien Hofraum kleinere Altäre anderer Gottheiten: ein Rundaltar, gestiftet vonPrytancn fürliekale
(n. 129 und Abb. 41), ist noch bustrophedon besehrieben, während drei andere, an Zeus, Artemis (die
hier jedenfalls den Beinamen AeXipivici halle wie in Athen) und an eine unbekannte Gottheit {Abb. 44)
wohl schon aus der Zeit um 50O stammen, wenn auch die Inschriften der beiden ersten noch beträchtlich
jünger sind (n. 130. 131). Hier lernen wir den für die archaische Zeit, in Milet und dem benachbarten
Samos zähe festgehaltenen Typus des Rundaltars kennen: ein kurzer glatter Zylinder von Marmor trägt
eine runde Deckplatte mit schwerem Eierstab; ein Astragal schließt darunter die obere Zier ab. Der
Fuß zeigt vorwiegend die ionische Spira über der Plinthc, mitunter auch einfachen Kyma-Ablauf. Der
Name ßujuöc; ist für diesen Typus inschriftlieh bezeugt.

Die vom 6. Jahrhundert v. Chr. bis in die nachchristliche Zeit reichende Liste der Stcphanephorcn
(S. 230 fr. n. 122—128) zeigt, obwohl im ältesten Teil nur in einer Restitution erhalten, die sich durch
die Zerstörung von 494 erklärt, daß von Anfang an das Delphinion als Staatsarchiv gedient hat. Den
Persersturm haben aber sowohl der Hauptaltar als auch die kleineren Rundaltäre überdauert: größere
Bauwerke, wie das vermutete Propylon, sind verbrannt worden.

Im 5. Jahrhundert wird die Stadt neu eingeteilt und aufgebaut. Dabei hat das Delphinion eine recht-
eckige Form in Größe einer Insula erhalten (etwa 30 zu 45 m); der Bezirk war vermutlich mit Hallen aus-
gestattet und umfaßte die Westhälfte des später erweiterten Heiligtums. Fragmente der archaischen Zeit
wurden eingebaut (s. o. S. 134. 403), darunter auch die Stücke des allen Opferkalenders.

B. HELLENISTISCHE ZEIT.

Im 4. Jahrhundert erfolgte ein durchgreifender Erweiterungsbau,
förmigen zweischiffigen dorischen I lalle (vj koivi'] oToa} — westlich
abschluß mit zwei Türen — dienten nun als Archiv für die Bürgerlist
deren Fülle im Verein mit Votiv-Pinakes bis zum Ortbalken unter dci
greifen auf andere Bauteile im Anlang des 3. Jahrhunderts v. Chr. d
hindert werden mußte (S. 172 n. 32). Dieser Neubau bedeutete eini
Doppelte nach Osten zu, und da etwas später auch die Westseite ei
bekam (vgl. Taf. VII), so war das ganze zuletzt zu einem geschlossenen c

Die Innenwär
war zunächst

de e

■ hufei

1 Mauer-
Proxc no i - Vc rzeic h n ä ssc 3),
reichte und deren Übcr-
1 besonderes Verbot ver-
ßerung auf mehr als das
n auch schmalere Halle
: Säulenhof von 61 : 50 m
geworden. Zu den evreusvioi öfeoi geseilte -ich noch OuKFtpöpo«; vor dem Jahre 77 v. Chr. (n. 172), unter

■) Über die Voluteniorm vgl. Reisch bei Pauly-Wissow» I Sp. 1673.

*) Von den auf S. 403 von Gcrkan und Rchm vorgeschlagenen Vcrnniluiigen (Säulenhalle oder Anlcntempcl) ist keine zwingend,
ich füge eucnso die Möglichkeit eines l'mpylon hinzu, da auf den Wänden solcher Vorhallen sakrale Vorschriften sehr wohl stehen
konnten. Wurde man einen Tempel als 'fruifci der liisilmll annehmen, so müßte man sieh sehr wundern, warum dieser Tempel

3) Über das griechische Archivvescn v
»gl- Mi glitthi-ehen Inseln illeukuruli: :-

.
 
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