Adamy, Rudolf
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Oberhessen: Kreis Friedberg — Darmstadt, 1895

Seite: 51
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BUTZBACH

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Rüstung und mit Schild und Fahne gehörte früher zum Schlosse des Landgrafen
Philipp III., wo er die Bekrönung eines der runden Thorthürme bildete. Auf
dem Schilde neben dem rechten Beine sind 4 Löwen angebracht. Die Wetter-
fahne zeigt in ausgeschnittenem Blech einen Mann mit Schlangenleib, der den Bogen
gespannt hat.
Kleinere Holzschnitzarbeiten haben sich auch noch an andern Häusern der
Stadt erhalten. In der Schlossgasse Nr. 48g Anden sich zwei Füllbretter mit
Sonne und Mond, an dem 2. und g. Stockwerke des Hauses Weiseierstrasse
Nr. 2g6 und 2g/ geschnitzte Pfosten mit Ranken, Blumen, Schuppenmustern und
Säulchen mit gewundenen Schäften, sowie zwei quadratische Füllbretter mit einer Rosette
auf dem Andreaskreuze und einem Stiere; das neben letzterem stehende verputzte Fach-
werkhaus mit Mansardendach zeichnet sich durch seinen hohen Giebel aus, auf
dessen Rändern zwei mächtige Drachen sich winden und dessen Flächen durch
ionisirende Pilaster gegliedert sind. Es soll im Jahre 1741 erbaut worden sein.
Auf diese Zeit weisen auch Rache Stückarbeiten der Zimmer hin, die aus Ranken-
und Blattwerk bestehen. Aehnliche Stückarbeiten, die offenbar von derselben Hand
herrühren, behnden sich in dem Hause Färbgasse Nr. 4gg, wo auch noch ein
Thürklopfer aus Bronze in Gestalt einer weiblichen Büste mit Schlangenleib vor-
handen ist, und in einem Erkerhause der Rossborngasse. In diesem behnden sie
sich in dem mit einem vierseitigen Kuppelgewölbe ausgestatteten obern Erker-
zimmer und umrahmen Felder, die mit roh ausgeführten Malereien derbkomischen
und erotischen (antikisirenden) Inhaltes ausgefüllt sind. Einige ältere Fachwerk-
häuser mit malerischem Aussehen behnden sich in den vom grossen Brande 160g
verschont gebliebenen Stadttheilen.


BEFESTIGUNGEN

Die Stadtmauer und deren drei Thore werden schon in den Stadtrechnungen
aus den letzten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts erwähnt.
Nach den Einträgen von 1428 auf 1429 erhielt »meister Peter murer von dem twinger
zumuren, als man mit eme gemessin hat "100 fl. 14 d. und 11 tor.« In dem folgenden Jahre
erhielt er 49 Gulden tiir Maurerarbeit am Zwinger, 1430/311 werden Steinfuhren für den Zwinger
gemacht und in demselben Jahre wird mit dem genannten »murer« abgerechnet »vnd ist auch des
gütlichen bezalt mit namen dez zwingers von wysseler porten biss an dij Kendeln vsser den
graben vnd das stuck bij der Gredeler porten gegen dem dyepthorn, vnd ist das stucke uff unden
biss an das heymelichkeydt dar zu gerechent, vnd das stucke Zusehen des Keilers garten vnd der
vssersten porten mit dem thornchin auch gancze bezalt vnd gebort ym dauon zu geben 123 fl. 6 thor.«
Im Jahre 1434 erhält derselbe Maurer Peter wiederum eine Summe für Arbeiten am Zwinger.
Der heutige » Hexen thurm« hiess damals also a Diebsthurm«, das Weiseier
und Griedeler Thor waren bereits vorhanden, ebenso ein aäusserstes Thor mit einem
Thürmchen.« Das dritte Hauptthor war das Wetzlarer oder Lahnthor. Das Sal-
buch von 1572 *) erwähnt unter dem Titel 9Schloss Butzbach, so man das


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