Adamy, Rudolf
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Oberhessen: Kreis Friedberg — Darmstadt, 1895

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ILBENSTADT

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Dienste und die über
ihnen befindlichen Platten
der Pfeiler uns eines
Andern belehrten. Denn
jene haben sämmtlich die
romanische Würfel- oder
die dieser verwandte
Korbform. Die die gan-
zen Pfeiler umspannenden
Platten sind verschieden-
artig prohlirt, mit Kar-
niesen oder mit Wulst und
Schräge nach thüring-
ischen Vorbildern, zum
Th eil in unangenehmer
Häufung der Glieder.
Im Anschluss an die
Vorlagen der Pfeiler haben auch die Arkaden eine reichere Gliederung: sie
setzen rechtwinklig ab und haben stabförmige Vorlagen, die als Fortsetzungen
der Pfeilervorlagen erscheinen. *)
Die westlichen Vierungspfeiler sind kreuzförmig gestaltet, haben gleichfalls
attische Basen und recht unschöne Kapitäle, die aus einem hohen flachen Wulst
mit mehrgliedriger Platte bestehen. Die östlichen Mauerpfeiler der Vierung haben
aus Karnies und Platte zusammengesetzte Kapitäle, \yobei die Karniese mit Pal-
metten-, Thier- und Menschenskulpturen verziert sind. Besonders reich ist in
dieser Weise die westliche Vorlage des südlichen Mauerpfeilers bedacht, wo offenbar
unter dem Einfluss des antiken Mythus in den Ranken in recht derbroher Weise
Kämpfe zwischen einem Löwen, bogenschiessenden Centauren, einem Manne und phan-
tastischen Thieren dargestellt sind (Fig. 88). Im Chore tragen die Ecken des ein-
springenden Theiles Profile aus Wulst und Platte, wobei der erstere mit Ranken-
und Thierwerk reich verziert ist. In ähnlicher Weise sind die Kämpfer der Bogen
an den Querhausarmen behandelt.
Ueber die gothischen Gewötbformen ist nichts weiter hinzuzufügen; die nach
unten spitz zulaufenden Konsolen, welche als Träger der Gewölbrippen dienen,
sind in die Seitenschiffmauern eingesetzt.
Die Fenster haben durchweg schlichte, schräge Wandungen, bis auf die
erhalten gebliebenen beiden alten in der Ostmauer der Apsis.
Der Eintritt in die Kirche erfolgt durch zwei rundbogige Portale, von denen
das eine in der Nordmauer dicht am Thurme, das andere in der Mitte der West-
mauer angelegt ist. Das erstere, welches sich innerhalb eines rechteckigen, mit
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