Kladderadatsch: Humoristisch-satyrisches Wochenblatt — 9.1856

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ööcraöQtr(fj

fen' cin Spitzbube.
*“ H°bk gut gewijh,,

kr», die darum bitten,
lieber Stock,ritz, wie
n).

c>llt! Keine Guts-
faullenzen und nichts

hcn? Heda (zum Fen-

gnädiger Herr!

Er wagt noch zu
orbleau! Ihn len ne
— Stockwitz, reichen
muß man knebeln -

veit — Der Kerl ist

,ß Exempel siatuiren!
— Was guter Hund

,rt.)

jast du dreimal Hiebe
icht geprügelt sondern

deine Stimme geben»

itn Andern! -
:1b mache mir ftrn-

ckcht derselbigtk, der

lcr Straße


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^Sgtfcuirrcton.»*’-

fi4u|.( Lieber Müller, hast du denn wirklich schon jclese»,

Was der Pfeil im tollen Jahr vor ein Mann jewcsen?
Müller. Ja, er sprang bei jedem Sturm ninthig in de Bresche
Vor de richt'gc Reactio» und die schmutz'ge Wäsche.

Schul he. Doch im demokrat'schcn Club stand er an die Spitze? —
Müller. „Immer nur vor seinen Zweck" kam er In der Hitze.
Schnitze. Saß sojar ins Comitö von die rolhe» Leute.

Müller. Lieber Schnitze, Ausschuß hccßt Comitö noch heute!
Schnitze. Saß mit Saß und Hcxamcr in die linkste Ecke,

Müller. Allen» nur. wie er jesagt, vor die rechten Zwecke.

Schnitze. Hat sojar die Bürjerwehr „Pollezci" jcscholten —
Müller. Weil sic »icht die Ileene» Herrn damals spielen sollten.
Schnitze. Ja, man hört' ihn demokral'sch Feinden Rache schwörend.
Müller. Aus Princip; denn was er spricht, ist noch heut empörend!

Müller. Also eene Amme aus die Normandie und eene aus
die Bretagne?

Schultze. Ja; das arme Kind!

M ü l l c r. Worum denn arm?

Schnitze. Nanu muß das klcene Wurm die zusammenjeloofene
Milch trinken! _

Müller. WaS soll denn des cijentlich heißen, wen» die Kreuzzeitung
sagt, bis jetzt wäre „codificirtcS Recht und politische Freiheit noch
»ich zu vereinigen gewesen" ?

Schultze. Das heißt, daß man kein kleiner Herr nich sein kann

Müller. St! Du meinst doch nicht etwa-?

Schultze. Ich meine man bloß, weil wir doch am Ende nu auch
einmal ein codificirtcS-

Müller. Recht habe» thust du wol; aber höre man lieber auf,
sonst muß ich dir trotzdem deSavouiren.

Müller. Also was iS nu ecjentlich 'n Palimpsest?

Schultze. De» weeßt du noch nich? Des iS 'ne Schrift, wo man
das. was man lesen kann, erst auSwaschen muß, ehe man auf den eije nt-
lichen Inhalt kommt.

Müller. Herrje, denn Hab' ich ooch eenen zu Hause!

Schultze. WaS denn vor eenen?

Müller. Na, die Verfassung!

Schnitze. Du! Denk'an SimonidcS'n! Es könnte am Ende ooch
keen richtiger nich sind!

Müller. Jestern war ich zum ersten Male in die Kammer.

Schultze. Na wie hast du cs den» jefunden?

Müller. Ich habe da nischt zu suchen, also habe ich ooch nischt je-
fundcn. Ich wollte mir man bloß überzeugen, ob die Sitze vor die
Deputirten wirklich zu breit sind.

Schultze. WaS kann dir das interesstren?

Müller. Weil die „kleinen Herren" ihre Plätze nicht auS-

Müller. Sag' mal, Schultze, was iS denn des ecjentlich mit die
Spirit ussteucrbonificalion?

Schultze. Das iS janz einfach: wenn der Spiritus »ach auswärts
jcht, wird den Schnapsbrenner feine Steuer jut jethan.

Müller. So? Und des tS alleweile nich?

Schultze. Nee, alleweile müffen sie die Steuer zahlen; aber cs dauert
nich mehr lange.

Müller. So? Na wenn aber der Staat die Steuer jar nich
mehr jut thun wollte, den» schiene er mir doch besser zu thun.

Schultze. Ja, das iS deine Art zu verjleichcn. Die möchten
stch jerne anders verjltichen.

Schultze. Also mit Nicolajeff jibt Rußland ooch nach?

Müller. Ja e« jeht jetzt auf Allen» ein, wenn es nur England
und Frankreich auseinander kriegen kann.

Schultze. Ich jloobe das Jejentheil. Es will bloß so lange nach-
jebcn, bis es beide jelcimt hat.

Der Laron von Strubclwih an den Laron
von Prudcluntz.

Mein lieber Baron!

Ich bin tristement affligirt, Sie bei letzter Spritzfahrt in Potsdam nicht
getroffen zu haben, da über mil choses mit Ihnen zu conversiren habe. Er-
innere mir en eilet kaum jemals so samöse Zeit erlebt zu haben, als die
gegenwärtige. Friede eomplöternent formirl, und en eonsäquenee durch
meinen juif an Börse formidable Jeschästc gemacht. Ol,ne zu wissen, p»r
quoi, und sans sou seit voriger Woche über 1000 Louis gezogen. La
Chose est trfcs simple. Juif kommt gewöhnlich Morgen» zu mir, bringt
mir CourSzellel und fragt: „In was wollen Sie heut machen, Herr
Baron?" Nehme dann gewöhnlich Stecknadel und steche blindlings in den
EourSzettcl. Wohin Nadel trifft, von dem Schwindel lasse ich zehn bis
zwanzigtausend kaufe», und andern Tags apportirt mir Juif regelmäßig 50
bis GO LoniS Avance. Kerl mag mich dabei wohl horrible betäuben; kann es
mir aber schon gefallen lassen, da keine Auslagen weiter dabei habe. O'est
bien bon marclic; n’cst-ce pas, mon eher? Ueberhaupt Juifs zuweilen
ganz utile Nation. Bringen Einem auf Ideen und haben gute Gedanken,
was man als Gentleman nicht immer besorge» kann. Bin deßhalb auch
mit Wagener ganz d’accord, daß Genuß der bürgerlichen und staatSbllrgcr
lichen Rechte ihnen rctranchirt werden muß, »icht weil sondern obgleich,
wie jetzt sehr beliebte Redensart in Kammer. Qu’cst-ce quc vous avcz
dit i notre charmant comtc de Pfeil? Hat exorbitanten ficlat im ganzen
Lande gemacht, daher pro forma dcSavouirt. Mais o'est justc! Von der-
gleichen parlirt inan wohl entre nous apres un bon dijeuner, mais pas
vis-h-vis des gens comme (ja? Ma foi! Ce n’cst pas travailler pour la
Prusse, c’est travailler pour le Kladderadatsch!

Dcr Laron von prudclwih an Sen Laron
von Strudclnntz.

Mon eher »mit

Ihre Zeile» habe» mich wahrhaft erquickt, nicht weil sondern obgleich
ich Sie um Börsengewinn beneide. Vous voyez que je suis assez fort
dans les dquipages de retour. Habe schon gehört, daß haute volöe der
Residenz jetzt an Börse spcculirt und in Begriff steht. Credit mobilicr zu
ctablircn. Hoffe auch gegen Parole etwas abzubekommcn, was sehr wünschcnS-
werth, da meine ganze Einrichtung au» Mobilier aus Credit besteht.
C’est un bon mot pour vous, mais pour moi o'est tres mal.

Apropos, mon eher! Pouvez-vous me pr6tcr quelque chose? Habt
nämlich Welte gemacht auf 10 Loni», daß cs Keiner sei» wird, sondern
Eine. Wäre ganz exquisiter Scherz, wenn ich gewönne. Pariser würden
stch horriblcment chagriniren wegen SalischeS Gesetz oder dergleichen. WaS
sagen Sie zu Confcrenzen? Will sich nur legitim mache» lassen, und deß-
halb auch die ganze Campagne. Mir thnn die armen Sardinier leid.
Sind rein mitjelaufen für gar nichts! Schreiben Sie mir doch, ob Leo von
Armenien acht oder wie der Graf Croy- Chanel aus Frankfurt nur Jude.
Wen» die Juden unter uns gehen, dann sehe ich nicht ein, warum wir
nicht 'mal unter die Juden gehen sollen, o'est n dirc an die Börse. 6'est
spirituell N'est-ce pas? Le Votrc

Prudklwttz.

Süfe .Streu jjcutu»q vom 26. Föbruar sagt ü» ührem Leudartükcl
über der SpürütuSdöbatte, es handele süch n.ücht um LchnapS sondern
um eun Röcht. DaS wörc auch noch schöner, wönn solche reu che H örren
wü dü hünter der Porzöllanmanusactur noch um Schnaps handeln
wollten. Oer üst ja ohncdüs.schon so büllig: DaS ganze Quart nur söchS
Drener. Zwickau er.

Mit ihren Spiritus wäre es schon janz jut, wenn man bloß nich so
viel Fusel mang wäre! Brenn ecke, MSßigkcitssreund zur Vertilgung
geistiger Getränke.
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