Kladderadatsch: Humoristisch-satyrisches Wochenblatt — 9.1856

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Müller. Na was liebt c« Neue», Schulye?

Schultzc. Die Bicrmamsells werden wieder berjestellt, das Kind von
Frankreich wird jelaust, die Mamelucken kommen an die Börse, die kleinen
Fürstenthümer sollen nicdiatisirt werden, Runge bcbauplct im Zucker wäre
Jist, und Reick mcenl et wäre bloß SiungenS Galle.

Müller. Na denn wünschte ich lieber, die BiermamsellS kämen an
die Börse, die Mamclucken würden jctoost, das Kind von Frankreich würde
medtatisirt, die kleinen Fürsten wieder bcrgestellt, Runge behielte sein
Jist, und Reich seine Jalle.

Schulde. De« wäre — reeuer Zucker.

Mordgcschichte.

Ach kommt hierher und schreckt zu sehn, was kürzlich in Berlin ge-
schehn. Frau Pieske hat dies angestist, da ste den Mann vergab mit Gift,
sie liebte einen ander» Mann, ach nehmt euch ein Excnipcl dran!

Sie hatte in die Tante Vvß, als ihren Kaffe sic genoß, jelcsen Alles
durch und durch, selbst Rungen in Oranienburg, der angezeigt mit
feiler Schrift: Berlin, cs steckt im Zucker Gift!

Was hat Frau Pieske da zu thunk Die Liebe ließ ihr gar nicht ruhn,
sic ging zu einem KaufmannShauS, sucht sich den blausten Zucker aus,
und giebt aus Rache und aus Wuth Herrn Piefke einen Zuckcrhut.

Herr Piefke denkt nichts Arges bei und schlägt den Zuckcrhut entzwei,
und wirft ihn oft in den Kaffe, in Punsch und Grogk, selbst in den Thee, o
Pieske durch dein böses Weib trägst du den Tod schon in dem Leib.

Frau Piekke ging'« nicht r.asch gcnung: sie braute ihm den TodeSIrunk,
im Monat Mai war's wo mit Kraut Maibowlen man so trinkt als braut,
sic warf hinein zur fclb'gcn Stund, vom Zucker achtzehn ganze Pfund.

Herr Piefke merkt zu seinem Fluch nicht Bodensatz und Gistgcruch,
er trank die Bowle bis zum Jrund, bis daß er nicht mehr schnappen kunnt,
und fiel, noch eben srob und frisch beseligt unter einen Tisch.

Die« wiederholt sich oft im Jahr, bis gänzlich er gestorben war. er
war als man ihn obducirt, vollständig ullramarinirt; Frau Pieske nahm den
andern Mann, weil man ihr nichts beweisen kan».

Drum nehmt, ihr Männer, euch bedacht vor Fraucn-Rassinad' in Acht,
ihr Knaben und ihr Mägdelein laßt mir fortan das Naschen sein, trinkt
bitter» Kaffee und bleibt gut und seid stets auf der Zucker-Hut!

Kladderadatsch.

AI« Pendant zu den von den Doctorcn Reiche und Meier in Stettin
ausgestellten Attesten finden wir so eben ein alte« Attest, das der Beachtung
wcrth ist.

Auf die Nachricht, daß in den mit Schweinfurter Grün gefärbten Ta-
peten Gift enthalten fei, entschloß ich mich die Wirkung desselben auf den
-thierischcn Organismus" zu prüfen und ließ den Arbcitsmann
B a u e r in Ermangelung eines H u n d c « kommen, dem ich zwei Quentchen
in ein Gla« Zuckcrwasser cinrübrle und in Gegenwart meine« Arzte« au«-
«rinkcn ließ. Folgt hier Attest diese« Mannes.

De. Bombastus, ChcmicuS.

Nachdem ich mich von dem vollkommenen Gesundheitszustand des Bauer
überzeugt, sah icb, wie er daS Gift trank und in Folge des Genusses ver-
schied. Ich bescheinige demgemäß, daß das Schweinfurter Grün selbst in
größerer Gabe in den Magen gebracht, auf den menschlichen Körper nicht
„indeferat" ,u wirken den Anschein hat. .

De. Eisenbart. S anität« - Rath.

soll nicht träumen — aber »och weniger — erwachen.

Lin kleiner Lricfwcchscl.

Hochgeehrter Herr Doctor,

Sehr geehrter Herr SanitälSrath!

Ihrer geehrten Vorschrift gemäß, habe ich das anbrcchendc Frühjahr ganz
so benützt, wie Sic cs mir vorgcschlagc» haben und meine Lebensweise für
den Mai genau »ach Ihrer gütigen Anordnung eingerichtet. Die Spazier-
gänge des Morgen« im Thiergarten sind mir recht gut bekommen, nur daß
sich durch die anhaltende Nässe und Feuchtigkeit der Rheumatismus bedeutend
vermehrt und der Schmerz sich fast über alle Theilc des Körper« verbreitet hat.

Dagegen stellte» sich nach den kalten Bäder» alle die günstigen Folgen
ein, die Sic sich davon versprachen. Meine nervöse Verstimmung hat von
Tag zu Tag zugenommen und meine Appetitlosigkeit- läßt nichts mehr zu
wünschen übrig.

Besonders dankbar bin ich Ihnen aber, verehrter Herr Doctor! für Ihre»
Rath mich in den Sommer-Theatern des Abends zu zerstreuen, da sich durch
Besuch dieser heiteren Knnstanstalten meine Melancholie immer mehr dem
Wahnsinn nähert, und Schlaflosigkeit, Ohrensausen und Glicdcrziltern mich
hoffentlich nie wieder verlassen werden. Ich verharre u. s. w.

Ergebenster

Baldau«.

Antwort.

Me!» verehrter Herr Baldau«!

ES freut mich unendlich, daß die genaue Befolgung der Ihnen von mir
vorgeschriebcne» Mittel und Anordnungen den, namentlich von den liebe»
Ihrigen, so schnlichst hcrbcigcwünschlcn Erfolg hat, und daß
Sie nun hoffentlich recht bald von allen Ihren Schmerzen befreit sein werden.

Zur Beschleunigung der Kur würde ich Ihnen noch rathen, sich des,
von Herrn De. Gustav Reich in Stettin analysirtcn Ultramarin-
zuckcr« so oft als möglich zu bediene», und ich bin fest überzeugt, daß Sic
Ihre Schlaflosigkeit bald verlieren, und dass sich eine wohlthäligc Ruhe ein-
stellen wird, aus der kein Schmerz Sic wieder wecken dürste.

Den Besuch der Sommerthcater setze» Sie der Vorsicht wegen ebenfalls
noch täglich fort. Mit aufrichtiger Ergebenheit

Schnellfertig, SanitätS-Rath.

Die Gesellschaft der BanquicrS, welche die „Jndäpcndencc Bel ge"
gelaust hat, sucht auch in Berlin ein Blatt für ihre Zwecke käuflich an sich
zu bringen und hält sich ein Bevollmächtigter dieser Herren gegenwärtig hier
auf. Vielleicht gelingt e« dem Kladderadatsch bei dieser Gelegenheit
an den Mann zu kommen.

Die Märkisch-oekonomischc Gesellschaft bestimmt in ihrem Thierschau-
Programm bei Zuerkennung und Verthcilung der Preise:

„Silberne Medaille», für die größere» Gutsbesitzer"'

„Eherne Medaillen, für die bäuerlichen und kleineren Gutsbesitzer".

Sollte dieser Gedanke nicht einer Stirn entsprungen sei», die nur aus
ihrem Metall die uns zugcdachten Preise schmieden will?

Osthavclländcr.

StaatSrath WyschnogrowSki besichtigt zur Zeit die Preußischen Volksschule»,
in denen sich bereits die Blüthe der Regulative zu cnhaltcn beginnt. Er wird
daran mit Vergnüge» bemerken, daß auch Preußische Schulräthe nicht
vergeblich in russische Schulen gegangen sind.

Der ehemalige Redakteur und Rechtsanwalt Herr Wagencr hat seine
Stelle als Advocal nicdcrgclcgt, wahrscheinlich, weil er sich überzeugt, wie
schwer, wie c« fast unmöglich sei, bei seiner Stellung sowohl als Guts-
besitzer und Parteiführer ein — Anwalt des Rechte« zu sein.

Bei der Nachricht, daß man die Statue des Kaiser« der Franzosen aus
einer Säule, ähnlich der Veuäüme-Lolonno zu setzen beabsichtige, soll ein
Invalide des letzten Feldzuges geäußert haben:

Enfin nous le vcrrons ü I» ti'te <l’uue Colonnc!

Briefkasten.

u n „ Tb. Dresden-R-fa ist dem Zeichner übergeben. — H. in Prag: Vielleicht bietet d.c gvr, cv--» .. —- -

5)iur fiVUt-^o,9ra: benutzt werde». — O. S.: Die Bildung der genannten Gcsellschaslcn ist, wie Sie leben, gründlich beleuchtet worden. H -

Meilrin u.°," 3ntereffe. - A. S.: Gut. aber gefährlich - ... r in Erfurt: Faul aber unschädlich. - Es qu.e
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