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FRANZ STEIGERWALDS NEFFE

Gläser

mit Freuden begrüßen können, wenn auch
ein historisch Geschulter nicht vergessen wird,
daß ein nicht unbeträchtlicher Teil kunst-
gewerblicher Erzeugnisse gerade im 16. bis
18. Jahrhundert nur diesem Bedürfnis ent-
sprang. Wir werden uns wieder mehr'den
Verhältnissen des Mittelalters nähern müssen,
wo man das Kunstgewerbe als ein veredeltes
Handwerk begriff, das seine Aufgabe in der
Vollkommenheit der materiellen Leistung er-
blickte, allerdings im Verein mit einem ins
Blut übergegangenen Stilgefühl. Das letztere
haben wir noch nicht errungen, aber viel-
leicht wird eine harte Zeit den jetzigen und
der kommenden Generation eine solche Ver-
einfachung aufzwingen, daß daraus ein ge-
meinsamer Wille zur Formung wie von selber
entsteht. Es wäre das in der Geschichte kein un-
erhörter Vorgang, wir haben ihn im sogenannten
Biedermeier schon einmal gehabt, das bekannt-
lich nur aus der Verbürgerlichung des höfischen
Empire seinen geistigen Ausgang nahm.

Was wir dagegen niemals mehr entbehren
können noch wollen, beruht wesentlich in
einer Forderung auf Material und Technik.
Beide müssen klare wesentliche Faktoren
in der Stilbildung eines kunstgewerblichen
Gegenstandes sein und bleiben. Und gerade
hierin scheint mir nach wie vor der gesunde
gemeinsame Geist alles Münchener Kunst-
gewerbes zu beruhen, mögen auch sonst die
Wege und Ziele vorläufig noch so unklar
sein, wohin einmal die Fahrt gehen soll.

Bei liebevoller Einzelbeobachtung wird man
diese Züge überall herausfinden. Bei den
verhältnismäßig stattlich vertretenen Ar-
beiten in Edelmetall fallen in dieser Be-
ziehung gehämmerte silberne Tafelgeräte von
Adolf v. Mayrhofer auf, die in gewissem
Nachklang englischer Arbeiten sich allein
mit der klaren, organischen, schmiegsamen
Form begnügen und unter Verzicht auf
jedes Ornament die Fläche nur durch Berech-
nung der gehämmerten Fläche beleben. Das
 
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