Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 70.1920

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JOSEF
QANGL

Ofen-
modell

mm

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sinnloser Steinbau für andere Gedanken in
uns aus als was wir eher bedauern sollen: die
hinausgeworfene Menge Geldes oder aber die
sinnlose Leidenschaft, Stein auf Stein zu häu-
fen? Der Notwendigkeit gerecht zu werden ist
leicht und eine Kleinigkeit, aber für Bequem-
lichkeit gesorgt zu haben, ist undankbar, so-
bald die Uneleganz des Werkes beleidigt. Dazu
kommt, daß dies, worüber wir sprechen, zu-
gleich der Bequemlichkeit und der Unvergäng-
lichkeit eine große Unterstützung gewährt. Wer
wird nämlich nicht zugeben, daß er sich zwi-
schen schmucken Wänden wohler als zwischen
vernachlässigten befindet? Oder was könnte
man auf andere Art durch menschliche Kunst
überhaupt so sichern, daß es vor menschlicher
Bosheit genügend geschützt wäre? Aber die
Schönheit wird sogar gefährliche Feinde ver-
anlassen, ihren Zorn zu zügeln und sie unver-
letzt zu lassen; ja, ich möchte sogar wagen,
zu behaupten, daß ein Werk durch nichts vor
der Gewalttätigkeit der Menschen auf gleiche
Weise so sicher und unverletzbar sei als durch

die Würde und Anmut seiner Form. Darauf
ist alle Sorgfalt, aller Fleiß, sind alle vernünf-
tigen Auslagen zu verwenden, daß, was du
ausführst, sowohl nützlich und bequem sei als
insbesondere so schmuck und wohlgefällig als
möglich, daß diejenigen, welche es betrachten,
nirgends einen solchen Aufwand lieber ge-
macht wissen wollen als hier.

Aber was Schönheit und Schmuck an sich
sind oder, worin sie sich unterscheiden, können
wir vielleicht im Geiste klarer erfassen, als ich
es hier mit Worten erklären könnte. Doch der
Kürze halber möchte ich die Definition geben,
daß die Schönheit eine bestimmte gesetzmäßige
Übereinstimmung aller Teile, was immer für
einer Sache, sei, die darin besteht, daß man
weder etwas hinzufügen noch hinwegnehmen
oder verändern könnte, ohne sie weniger ge-
fällig zu machen. Das ist eine gewaltige und
göttliche Sache, bei deren Ausführung es der
Anspannung aller künstlerischen und geistigen
Kräfte bedarf, und sogar der Natur ist es
selten vergönnt, etwas hervorzubringen, das

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