Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 70.1920

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die er für Marionettenfiguren geschnitzt hat.
Dem großen Freundeskreise widmete er seit
langer Zeit eine Neujahrskarte, im kernigen
Holzschnittstil gezeichnet, mit köstlichen Ver-
sen. Aus dieser immer mit Spannung erwar-
teten Freundschaftsgabe leuchtet das gute
Herz des scharfen Beobachters und froh-
gemuten Mannes heraus.

Von allen Seiten betrachtet, schält sich ein
vielseitigst begabter Künstler heraus, der, nur
einmal von fester Hand gepackt, von einem
Mäcen gehalten und gefördert, nach einer
Fähigkeit zur Entfaltung gebracht, ganz Über-
ragendes geleistet hätte.

Wir freuen uns aber auch über unsern Bradl,
so wie er wurde, dieses echten Münchener
Kindes, voll frohen Lebensgenusses, dieses
feinen Lebenskünstlers, der die Freude nahm,
wo er sie fand, und der sie ebenso freigiebig
weitergab.

In den Räumen des Bayerischen Kunstge-
werbevereins brachte Bradl oft den Mitgliedern
und Gästen die köstlichsten Gaben seines Hu-
mors dar, in inniger Dankbarkeit seien ihm
diese Zeilen gewidmet, in allen Herzen lebt er
weiter in fröhlicher Erinnerung.

Der lange Krieg mit seinen Begleiterschei-
nungen haben der Zeit, in der ein Mann vom
Schlage Bradls möglich war, ein Ende gemacht.
Im 55. Lebensjahre wurde der allbeliebte
Künstler der Familie und dem Freundeskreise
genommen und zu jener lichten Höhe geführt,
von der er sang:

Und kum i na in Himmi nauf

Hergott wia i daschrick,

Net daß a so g'nuag Stil grad gab

Da drob'n sans gar antik.

Doch die Heilig'n und die Engerln a

Die schaun mi o scho so:

Romanisch — gothisch — renaissance

Louis scize und rokoko.

MAX
HE1LMAIER

Schlußstein
i n

Muschelkalk
Die Erde

(Vgl. S. 90-91)

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