Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 70.1920

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MAX HEILMAIER

Nürnberg, Klarakirche
Engel vom
Hochaltar
Höhe 60 cm

maierschen Kunst. Sie ist meisterhaft. Da
gibt es nichts Gequältes, Gesuchtes, Proble-
matisches, Bizarres, Überspanntes, Affektiertes,
Unvollkommenes, sondern, was gewollt ist, das
ist eben auch erreicht. Das Wort „Kunst"
kommt von können, und was uns hier vor-
gesetzt wird, das ist wahrlich gekonnt. Man
möchte meinen, einer der großen Meister aus
der Zeit der Adam Kraft, Veit Stoß und Peter
Vischer wäre wieder auferstanden, freilich ein
Meister von stark ausgeprägter Individualität,
und gäbe die Natur und den Menschen in
derselben vollendeten Weise wie die alten
Meister, dabei jedoch durchaus auf seine eigene
Art wieder. In der Tat handelt es sich bei
Heilmaier nicht etwa um äußerliche Nach-
ahmung, vielmehr gerade wie Adolf Hildebrand
in der Antike und italienischen Renaissance

die Vollendung dessen gesehen, wonach er
strebt, wie der Architekt Theodor Fischer in
unseren Tagen mit vollkommener künstleri-
scher Freiheit an den romanischen Baustil
angeknüpft hat, so unser Max Heilmaier an
die späte deutsche Gotik und die beginnende
deutsche Renaissance, also gerade an jene
Epoche der Kunstentwicklung, in der sich
der deutsche Geist, alles in allem genommen,
bildkünstlerisch am stärksten ausgesprochen
hat, jene Epoche, aus der auch unser Größter
auf diesem Gebiete, Albrecht Dürer, heraus-
gewachsen ist.

Max Heilmaier geht nach seinem eigenen
Bekenntnis von der Natur und im besonderen
vom Bildnis aus, und die altdeutsche Art hat
ihm das Vorbild und die Möglichkeit gegeben,
seine Beobachtung und seine Eindrücke von

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