Morgenblatt für gebildete Stände / Kunstblatt — 28.1847

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„Beduine" und Berg in ann's (in Hildesheim) „Mädchen mit
Früchten."

Im J„li 1817. Dr. Gacdertz.

Das Palmtuch in der Kirche zu Güglingen.

Schon um 1200 kam die Sitte auf, Teppiche mit einge-
wirkteu historischen Darstellungen für die Kirchen zu fertigen,
und es finden sich noch welche aus dieser Zeit im Dome zu
Halberstadt und im Zither zu Quedlinburg. ' Ohne Zweifel
liegt in ihnen der Ursprung der sogenannten Hunger- oder
Palmtücher, welche aus Teppichen oder Leinwandrollen bestan-
den, die mit ganzen Reihen von biblischen Bildern bemalt
waren, und ihren Namen daher hatten, daß sie theils während
der ganzen Fastenzeit, ^ theils erst vom Palmfeste an gezeigt
wurden. In der Johanneskirche zu Zittau ist noch eines niit
der Jahrszahl 1472 vorhanden. * 2 3 Auch in der evangelischen
Kirche zu Güglingen im Zabergan ist ein solches. Es wurde
erst vor etwa zehn Jahren sorgfältig reparirt, und die Gemeinde
ließ sich die Aufhängung desselben jedes Jahr vom Palmfeste
an bis zum Ostermontag zwischen dem Schiff und Chor der
Kirche nicht nehmen, obgleich für diejenigen, welche ihre Sitze
im Chore selbst haben, dadurch eine Art Eklipse entsteht. Zwar
hat cs keine Jahrszahl, aber ans der daran befindlichen Schrift:
Ave Maria Graeia plena mit nengothischen Minuskeln, sowie
ans dem ganzen Styl, in dem es gehalten ist, läßt sich schlie-
ßen, daß es mit dem zu Zittau ungefähr gleichaltrig ist. Es
besteht ans einem 25 Fuß hohen und 15 Fuß breiten Vorhang
von Leinwand, worauf in 60 Feldern, deren jedes 2'/^ Zoll
hoch und eben so breit ist, die Hauptbegebenheiten der biblischen
Geschichte und des damit zusammenhängenden Legendenkreises
gemalt sind. Die Figuren sind nicht selten fratzenhaft, beson-
ders die des Judas und des Teufels sind Ausgeburten einer
abenteuerlichen Phantasie, die Farben selbst derb aufgetragen,
und haben sich bis jetzt wie neu erhalten. Das Stück diente
offenbar nach dem Geschmacke der damaligen Zeit zu einer Art
geistlichen Schauspiels. Aehnlichkeit damit hat ein Gemälde in
der Kirche zu Mühlhausen a. N. und ein solches in der zu
Weilheim. * Je seltener solche Tücher jetzt noch sind, destomehr
verdient jedes einzelne zur öffentlichen Kenntniß gebracht zu
werden,3 um seiner Zeit eine gewiß nicht uninteressante Ver-
gleichung derselben anstelle» zu können. K.

Nachrichten vom August.

Malerei.

Salzburg. Die von dem Maler Georg Pezolt eingerichtete
HauSkapelle dcS Kardinals Erzbischofs Fürsten v. Schwarzenberg ist,
mit richtiger Bcachtnng der Unregelmäßigkeit des Raumes, beson-
ders des flachen Plafonds und des Fenstervierecks, im normannischen
Style ausgeschmückt, und hat in der Ansführnng theils gefirnißte,
.theils matte Temperamalerei. Plafond und Wände sind mit Arabes-
ken und Stern- und Kreuzverziernngen nach Art des Opus Aleran-

* S. Otte, Abriß einer kirchlichen Knnstarchäologic. S. 50.

2 Vergl. a. a. O. S. 16. — UebrigenS wurde auch die ganze
schwarze Altarbckleidnng in dieser Zeit so genannt.

3 A. a. O.

* Grüneisen, Ucbersichtliche Beschreibung älterer Werke der
Malerei in Schwaben, Kunstblatt 1841.

3 Eine ausführliche Beschreibung des zu Güglingen steht in
dem zweiten Jahresbericht über den Altcrthnmsvcrein im Zabergan.

drinnm bemalt. An der Hauptwand, gegenüber dem Fenster, be-
findet sich die Mensa, auf welcher eine hohe Predella steht, deren
Inneres als Tabernakel dient; ans dieser steigt ein dreifach gegie-
belter Altarrahmen empor. Im Mittelfelde sitzt auf goldnem Throne
Maria mit dem segnenden Christnskinde im Schooße. von Lilien
umgebe», als Sinnbild der Kirche, in deren Schooße Christus thront.
Der Simeon'schen Prophezeiung eingedenk, blickt die Mutter nach der
Passionsblume, die der Knabe in der Linken hält, während sie in
ihrer Rechten die SiegeSpalme führt, lieber ihr schwebt in dem
Nimbus des Goldgrundes der h. Geist als Taube nebst zwei EngelS-
kvpfen. Auf den kleinern Flugclbildern stehen nebenan als mächtige
Diakonen der Kirche: Petrus und Paulus, ersterer bezeichnet mit den
Worten: charilatis pelra. letzterer mit: ficlei fortiluiio, was auch
in der Durchführung dieser beiden ernsten Gestalten glücklich aus-
gesprochen ist. Zwischen den drei Giebeln ragen schlanke Thürmchen
empor; alle Gliederungen und Laubwerke dieser Architektur sind zart
und stylgemäß ansgeführt, lieber diesem Flügelaltarc erblickt man
als Wandmalerei— auf mit Sternen besäetem Ultramaringrunde —
Gott Vater, als Urgewalt der Schöpfung thronend, dargestcllt, mit
der Umschrift im Nimbus: rex tremendae majestatis. Zu den
beiden Seiten des Altars hat der Künstler in zwei Figuren auf
einfache poetische Weise das jüngste Gericht dargestellt. Zur Rechten
eine himmelwärts schwebende Engelsgestalt von edelstem Ansdrucke,
eine Hand auf die Brust gelegt, in der andern Lilie und Palme
tragend; über den: Haupte die Flamme der Erleuchtung mit der
Unterschrift: roca inecum bcnedictis. Zur Linken ein Engel, der
ans einer Schale die Flamme des göttlichen Zornes ausgicßt und
sich über den ewigen Jammer das Antlitz verhüllt, mit der Untcr-
schrift: Dies irae, dies lila solvet saeclnm in favilla. lieber der
Eingangsthüre, links vom Altäre, erscheint in Wandmalerei der
aufcrstandcne Christus mit der Siegesfahne; und zwei Engel, welche
den trauernden Frauen die Auferstehung des Herrn verkünden, lieber
der Thüre zur rechten Seite ist auf Goldgrund Maria, vor dem
Leichname ihres Sohnes kniend, dargestellt. Die Wandmalereien
sind monochrom in Asphalt ausgeführt.

Plastik.

Berlin. Wichmann hat eine Büste des großen Kurfürsten
nach der Todtenmaske und gleichzeitigen Bilder» modellirt. Man
sagt, der König habe befohlen, diese Büste in Erz zn gießen und
im königl. Museum aufznstellen.

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„ „ einzelnen Blätter 2 „

habe ich von heute an

auf 'J'litr. S. — für «Sic Lieferung
„ „ *• — für das cinaelne Blatt

herabgesetzt und empfehle diese Sammlung um so zuver-
sichtlicher, als sowohl die Wahl der Blätter, wie ihre
Ausführung längst das Urtheil aller Kenner in hohem Grade
befriedigte und nur der frühere Preis der allgemeineren
Verbreitung im Wege stand.

Leipzig, 1. Aug. 1847.

Gustav Mayer.

Unter Mitwirkung von Dr. Ernst Förster in München und Dr. Franz Kugler in Berlin, und unter Verantwortlichkeit der

I. G. Cotta'scheu Buchhandlung.
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