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Nekrolog.

Am 1. Juli starb zu Meißen Friedrich Georg Kersting,
Malervorsteher der königl. süchfischen Porzellanmanufaktur. Der
Verstorbene, am 22. Oktober 1783 zu Güstrow in Mecklenburg
geboren, zeichnete sich durch ungewöhnliche Geistesanlagen aus;
die höhere Schulbildung empfing er auf dem Gymnasium seiner
Vaterstadt. Talent und Neigung für die Kunst, deren Aus-
übung er zu seinem Lebensberuf wählte, führten ihn auf die
Akademie der bildenden Künste nach Kopenhagen und nach
einigen Jahren ernsten Fleißes ging er zu weiterer Ausbildung
seiner künstlerischen Kräfte nach Dresden.

Der erweckende Ruf 1813 an Deutschland gab den, für-
alles Hohe und Rechte begeisterten Jüngling das Schwert in
die Hand; er trat als Freiwilliger in Lützows edle Schaar.
Unter den jungen Kampfgenossen waren Th. Körner, v. Friesen,
Fr. Förster seine vertrautesten Freunde. Nach Beendigung des
Kriegs kehrte er mit der alten Liebe und in erneuter Begeiste-
rung zu seiner früher» Freundin , der Kunst, zurück. Ein ehren-
voller und lohnender Ruf einer hochgestellten fürstlichen Familie
führte ihn nach Warschau, wo er während eines mehrjährigen
Aufenthalts daselbst in seinem Fach, dem historischen Genre,
eine große Zahl Gemälde vollendet hat.

Eine überwältigende Sehnsucht nach den Kunstschätzen in
Dresden und der reichen Natur, welche es umgibt, zogen ihn
wieder dahin zurück, und die Annahme als Malervorsteher der
Porzellanfabrik in Meißen öffnete ihm einen erweiterten, thä-
tigen Wirkungskreis, welcher jedoch die Freiheit für Ausübung
seines künstlerischen Schaffens beschränkte.

Die weltbekannte Meißen'sche Porzellanmanufaktur erfreute
sich damals keines blühenden Zustandes; Kersting gelang es,
ein frischeres Leben anzuregen und den großen vorhandenen
Mitteln wiederum ergiebige Quellen zu öffnen. Ein erhöhter
Kunstgcschmack hinsichtlich der Formen, der Zeichnung und der
Zusammensetzung der Farbengebung war Kersting's Werk, vor
Allem aber dankte die Fabrik ihm die Lösung der bis dahin
unausführbar gebliebenen Aufgabe, die Vergoldungen in gleicher
Wohlfeilheit und eben so dauerhaft wie andere Fabriken zu
liefern; er verwendete reines Dukatengold und produzirte die
Fabrikate um die Hälfte des früher» Preises. Die Bestellungen
mehrten sich bald und der blühende Zustand der Manufaktur,
die mit künstlerischem Geschmack ausgeführten Produktionen
gaben Zeugniß für Kersting's Verdienste. Eine der ersten Ar-
beiten, welche nach seiner Angabe und unter seiner Leitung
vollendet wurde, war ein prachtvolles Tafelservice (120 Gedecke),
ein Ehrengescheuk des verstorbenen Königs Friedrich August au
den Herzog von Wellington. Die bildlichen Darstellungen darauf
waren Schlachtenscenen aus den ruhmvollen Feldzügen Welling-
ton's. — Die Zeit, welche der amtliche Beruf dem rastlos thä-
tigen Manne frei gab, gehörte der Ausübung seiner Kunst;
viele trefflich erfundene und ausgeführte Gemälde sind ein
Schmuck erwählter Privatsammlungen. In seiner letzten Kom-
position, einem allegorischen Bilde, ist wie in ahnendem Ge-
fühl seines Scheidens der Grundgedanke: „eine von Engeln zum
Himmel getragene Seele."

Der achtungswertheste Charakter und eine gewinnende,
Jedem, der ihm näher trat, wohlthuende Persönlichkeit, erwar-
ben dem Lebenden Freunde und sichern dem Hingeschiedenen ein
ehrendes Andenken.

Dresden im Herbst 1847. j-

Nachrichten vom November.

Bauwerke.

Wien. Bei Hiiiwegränmung eines alten Befestignngswerkes
nächst der Kirche des Dominikanerklosters hat man nicht unbedeu-
tende Neste zweier alten Kirchen anfgefunden. Einige schöne und
interessante Skulpturen von dort sollen dnrch Unwissenheit oder
Nachlässigkeit der Bananfstcht verschleppt worden seyn.

Hamburg. Am 1. Dezember ist das neue Gebäude der patrio-
tischen Gesellschaft cingeweiht worden. In demselben wird für die
Folge auch der Kunstverein feine Ausstellungen bewerkstelligen.

Danzig. Der König hat zu dem Ausbau der ehemaligen Kloster-,
jetzt katholischen Pfarrkirche zu St. Brigitten, der vor 14 Jahretl
begonnen hat, eine so beträchtliche Geldunterstntznng gewährt, daß
der Ban dem größten Theile nach jetzt vollendet ist und die Kirche
am 13. November als dem Geburtstag der Königin eingeweiht wer-
den konnte.

Malerei.

Wien. Der jnnge Historienmaler Joseph Bücher ist mit
einem Altargemälde, welches die Steinigung des Märtyrers Stepha-
nus vorstcllt, für die Kirche von Thnring in Vorarlberg im Auftrag
der Gemeinde beschäftigt.

Der Genrcmaler Reiter hat einen Drahtbinder gemalt, der
stch dnrch frappante Achnlichkeit und virtuose Technik auszeichnet.

Berlin. Im nächsten Sommer werden im Treppenvcstibül des
Museums, in dessen Vorhalle jüngst die Freskomalereien vollendet
! und enthüllt worden sind (s. Kunstblatt Nr. 8t), noch ans zwei
Feldern Freskogcmäldc nach einer Zeichnung von Schinkel untcr
Peters von Cornelius Leitung ausgeführt werden.

Der aus Italien zurnckgckehete hiesige Maler Helfft ist von
dem Könige beauftragt worden, mehrere seiner in Italien anfgezeich-
ncten Skizzen in Oel auszuführen.

Der König soll bei den, Historienmaler Professor Hcnsel,
einem Schwager von Felix Mendelssohn - Bartholdy, das Bildniß
desselben bestellt und dessen Aufnahme in die Galerie berühmter
Zeitgenossen anbefohlen haben.

München. Hofmaler Skieler ist mit einem großen Gemälde
der Herzog!, altcnbnrgischcn Familie beschäftigt, welches die Stände
des Landes der an den kaiserl. Prinzen Konstantin von Rußland
verlobten Prinzessin Alexandra als Geschenk zu verehren beabsichtigen.
Der Künstler hat, um auch die Kronprinzessin von Hannover (älteste
Tochter des Herzogs) mit in den Kreis des Gedächtnißbildes zu
ziehen, einen Moment gewählt, wo die Herzog!. Familie, der Herzog
nämlich, die Frau Herzogin (beide sitzend) und die Prinzessinnen
Elisabeth und Therese (beide hinter den Aeltern stehend) ein erst
angekommeneS in einem offenen Salon ansgestelltes Bildniß der
Fran Kronprinzessin von Hannover mit ihrem Söhnchcn auf dem
Schooß betrachten. An der andern Seite des Salons steht das
Bildniß des Kronprinzen von Hannover; durch die Saalöffnung sicht
man die Gipfel der für Altenburgö Regentengeschichtc denkwürdigen
Prinzen-Eichen. es.

London. Etty's berühmte Kleopatra, für welche er 200 Spf.
erhielt, ist aus dem Besitz des Mr. Farrer in den des Mr. Labou-
chcre um die Summe von 1000 Pf. gekommen. — Von den Künst-
lern , welche im Parlamcntshans Fresken auszuführen berufen wor-
den, haben nur Maclise und Copc ihre Arbeiten begonnen.

ef.

Venedig. Der deutsche Maler Kreling hat die h. Katharina
von Paul Veronese kopirt und diese Arbeit nunmehr vollendet, so
daß ein zahlreiches Publikum täglich herbcikommt, um dem Künstler
seinc Anerkennung zu zollen.

Paris. Die acht großen gemalten Fenster, nach den Zeichnun-
gen Galimard's ausgeführt, sind in diesen Tagen in die St.
Lorenzkirche eingesetzt worden. Laurent und Gscll haben kürzlich
für die Kirche St. Anbin bei Elbeuf große Glasmalereien ausge-
führt, unter denen ein jüngstes Gericht, im Styl des 12tc» Jahr-
hunderts, sich besonders auszeichnc» soll.

Der deutsche Maler German Boh n (aus Stuttgart) ist mit
seinem großen Freökobild in der Kirche der heil. Elisabeth fertig
geworden.

Dijon. Die hiesige Kirche zu St. Michael hat von dem Mi-
nister des Innern ein großes Altargcmälde erhalten, welches die
Predigt des Apostels Petrus darstellt und von dem Maler Naverat
gefertigt ist.

Unter Mitwirkung von Di-. Ernst Förster in München und Dr. Franz Kugler in Berlin, und unter Verantwortlichkeit der

I. G. Cotta'schen Buchhandlung.
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