Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 26.1915

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Nekrologe — Wettbewerbe — Ausstellungen

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auf sein Gemüt drücken. Eine Vermehrung seiner
ohnehin überreich bemessenen Berufslast kam hinzu,
als er sich veranlaßt sah, zu allem anderen dem Vor-
stande einer neubegründeten Frankfurter Kreditgenossen-
schaft für kleinere Gewerbetreibende beizutreten. Doch
schlug er sich männlich durch, auch dann, als körper-
liches Leiden hinzutrat. Im brieflichen Austausch mit
einem Freunde meinte er zwar einmal, es war wenige
Tage vor seinem Tode, der Krieg schaffe Schwer-
verwundete auch daheim und nicht nur an der Front,
aber er erhob sich wieder in dem Gedanken an das
nachkommende Geschlecht, das ernten werde, was das
heutige gesät: »Jungdeutschland wird an die Spitze
kommen, glaubt es nur an das Gesetz, von dem wir,
Sie und ich, in schöneren, traumhaft schönen Zeiten
oft gesprochen ..,< In diesem seinem eigensten Glauben
ist er hinübergegangen. Sein Andenken wird unter
allen, die ihn gekannt haben, im Segen bleiben.

H. WEIZSÄCKER.

NEKROLOGE
Bildhauer Hugo Kühnelt, Obmann des Künstler-
verbandes österreichischer Bildhauer, ist gefallen. Sein
Marmorblock einer Medea ist eine der Zierden der Skulp-
turensammlung der k. k. Staatsgalerie in Wien. Ein anderer
großer weiblicher Akt: »Die Schmachtende« war aus Wiener
Privatbesitz 1911 auf der römischen Ausstellung zu sehen.

Der Architekt Professor August Prokop, geboren am
15. August 1838 in lglau, ist in Gries bei Bozen im Alter
von 77 Jahren gestorben. In Brünn baute er u. a. die Turn-
halle und die Bischöfliche Residenzkapelle. Als Konservator
der k. k. Zentralkommission zur Forschung und Erhaltung
von Kunst- und historischen Denkmälern und als Direktor
des Mährischen Oewerbemuseums hat sich der Verstorbene
viel Verdienste um das mährische Kunstleben erworben.
Prokop war Mitbegründer der »Wiener Bauhütte«. U. a.
verfaßte er »Die Markgrafschaft Mähren in kunstgeschicht-
licher Bedeutung« (4 Bände, mit 1800 Abbildungen).

In Wien starb im 74. Lebensjahre Hofrat Karl König,
der Nachfolger H. v. Ferstels in der Professur für Archi-
tektur an der Wiener technischen Hochschule.

WETTBEWERBE

Der Deutsche Werkbund veranstaltet unter seinen
Mitgliedern ein Preisausschreiben zur Erlangung von
Entwürfen für Wahrzeichen, die zur Benagelung geeignet
erscheinen. Anreger der ganzen Idee ist die Vereinigung
»Nationalgabe«, Nagelung von Wahrzeichen zugunsten der
Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege
Gefallenen, die beabsichtigte, in allen Gauen Deutschlands
derartige Wahrzeichen aufzustellen. Da die Gefahr vor-
lag, daß formell mangelhafte Wahrzeichen errichtet würden,
hatte sich der Werkbund bereit erklärt, einen Wettbewerb
unter seinen Mitgliedern auszuschreiben. Die eingereichten
Entwürfe sollen vervielfältigt werden und den Gemeinden,
die sich mit der Errichtung solcher Wahrzeichen beschäf-
tigen, zugestellt werden. Aus den sämtlichen eingehenden
Entwürfen sollen 25 ausgewählt werden, die mit Preisen
von je 50 Mk. bedacht werden. Mit Rücksicht auf die
augenblickliche Notlage der deutschen Künstlerschaft fragt
die Deutsche Bauzeitung, ob es nicht angebracht erscheine,
keine Grenzen zu ziehen im Hinblick auf die Beteiligung
an dem Ausschreiben, sondern die weitesten Kreise der
Künstlerschaft zur Bewerbung heranzuziehen.

Der Breslauer Magistrat hat 2900 Mk. zu Preisen
für Entwürfe zu Kriegserinnerungen bestimmt. Man
erwartet Entwürfe, die zur Ausführung und Verbreitung
in größeren Mengen geeignet sind und gleichzeitig die
auf diesem Gebiete jetzt überall aufgetauchten Geschmack-
losigkeiten verdrängen. Berechtigt zur Teilnahme an dem
Wettbewerb sind nur Breslauer Künstler und Kunst-
gewerbler. So werden unter anderm Gedenktafeln für ge-
fallene Krieger verlangt, die in der Kirche oder im Hause
aufzustellen sind, ferner Entwürfe für Denkmäler auf Orts-
friedhöfen, Entwürfe für farbige Fensterscheiben, für Glas-
becher, für Teller aus Porzellan, Zinn oder Ton. Endlich
sollen auch noch Entwürfe für Schmuckstücke, die als
Kriegserinnerungen dienen können, eingesandt werden,
für kleine Plastiken, die sich zur Ausführung in Fayence
oder in Eisenguß eignen, für Kriegserinnerungen nach
freier Wahl, zum Schluß für ein Gedenkblatt, das die Zu-
gehörigkeit von Soldaten zu einem bestimmten schlesischen
Truppenteile anzeigt. Die Entwürfe müssen vom 20. Ok-
tober bis zum 1. November an das Breslauer Schlesische
Museum für Kunstgewerbe und Altertümer eingereicht
werden.

AUSSTELLUNGEN

Frankfurt a. M. Die Städtische Galerie erwarb im
Frühjahr die Bronzebüste Bismarcks von Adolf Hildebrand;
für die noch in den Anfängen stehende Abteilung moderner
Skulptur bestimmt, hat sie vorläufig im Liebig-Hause
Aufstellung gefunden. Die Büste ist überlebensgroß und
als Originalmodell für das Reiterstandbild in Bremen ent-
standen — übrigens die einzige Ausführung in Bronze,
die davon existiert.

Der Kunstverein veranstaltete im Mai eine etwa 190
Arbeiten umfassende juryfreie Ausstellung von 93 Frank-
furter Künstlern und Künstlerinnen »Schwarz-Weiß«, die
ein buntes und recht erfreuliches Bild graphischen Kunst-
schaffens und künstlerischer Kleinarbeit bot. Neben rein
graphischen Werken — unter denen der Holzschnitt be-
sonders glückliche Leistungen aufwies — waren Aquarell,
Gouache, Pastell usw. vertreten; keine der ausgestellten
Arbeiten überstieg den Preis von 100 M., so daß auch
weniger Kapitalkräftigen Gelegenheit zur Erwerbung von
Originalarbeiten geboten war. — Im Juli folgte dann
eine Ausstellung von Bildern vom Kriege, in der besonders
Angelo Jank, Hans von Hayek, Heinrich Kley, Walter
Püttner u. a. m. vertreten waren.

Ähnlichen Zwecken wie die Ausstellung »Schwarz-Weiß«
dient eine von Künstlern und Kunstfreunden organisierte
Veranstaltung, die sich »Künstler-Wohlfahrt« nennt und
künstlerische Arbeiten jeder Art, über deren Aufnahme
eine Jury entscheidet, zum Verkauf stellt.

Das Städtische Historische Museum veranstaltete bald
nach dem Tode des Oberbürgermeisters a. D. Exzellenz
Dr. Adickes eine Gedächtnis-Ausstellung, die bei der dank-
baren Bürgerschaft viel Beachtung findet. Im Mittelpunkt
steht der Mensch Adickes, repräsentiert einmal durch die
Bildnisse von N. Schrödl, Fritz Boehle und Max Lieber-
mann, andererseits durch Photographien von der Jugend
an. Bilder der Eltern, des Geburtshauses usw. fehlen nicht.

Es folgen seine sämtlichen gedruckten Werke, der
Ehrenbürgerbrief der Stadt Frankfurt, Ehrendiplome, sämt-
liche Orden und Auszeichnungen. Die Abteilung: Adickes
in Erfüllung amtlicher Pflichten läßt eine ganze Reihe
wichtiger Geschehnisse, die in seine Amtszeit (1890—1912)
fallen, im Bilde an uns vorüberziehen.

Die letzte und umfangreichste Abteilung bringt eine
Veranschaulichung des durch und unter Adickes Ge-
schaffenen. Die großen Stadterweiterungen der Jahre 1895,
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