Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 26.1915

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Sammlungen

— Vereine

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1900 und 1910; die Erschließung der Altstadt, die Anlage
von Alleen, von Parks; weiter die Erweiterung der Straßen-
bahn, der Wasserversorgung, endlich die Anlage des neuen
großen Osthafens. Abbildungen des neuen Rathauses,
der Krankenhäuser, des Neubaus der Städtischen Galerie,
des Schauspielhauses, der Festhalle, endlich der Universität
u. a. m. fehlen nicht.

Die Aufnahmen von seinem Begräbnis beschließen die
Ausstellung, die wohl zum ersten Male den Versuch macht, in
einem historischen Museum auch eine Epocheder neuesten
Zeit, die hier bestimmt ist durch die zielbewußte Arbeit
einer großen Persönlichkeit, durch authentisches Material in
ihrem ganzen Umfange zur Anschauung zu bringen.

In Zürich ist jetzt die Gedächtnis-Ausstellung für
den verstorbenen Schweizer Maler Max Buri eröffnet
worden. Sie umfaßt fast alle großen Figurenbilder des
Künstlers, daneben zahlreiche, zum Teil bisher wenig be-
kannte Landschaften, ferner Stilleben und Einzelbildnisse.

Wien. Im österreichischen Museum für Kunst
und Industrie findet eine Glasausstellung aus heimischer
Industrie statt. Sie zerfällt in zwei Abteilungen, von denen
die erste viele gute und technisch vollendete kunstgewerb-
liche Arbeiten aufweist, unter denen die von Josef Hoff-
mann entworfenen, von der Firma Lohmeyr ausgeführten
Gläser wohl den ersten Rang einnehmen. Die zweite,
auch räumlich getrennte Abteilung bringt die Export-
artikel. Nun ist es ja einerseits kulturgeschichtlich wirk-
lich interessant, was für abscheuliche Geschmacklosigkeiten
nicht nur in Italien, Brasilien und Sumatra, sondern auch
in Österreich und Deutschland Absatz finden; andererseits
aber bringt diese Art von Ausstellung in einem öffent-
lichen Museum mit vollem Namen und Adresse der Fabri-
kanten doch eine gewisse Gefahr mit sich. Der naive
Besucher ist allzusehr geneigt, was ihm in einem staat-
lichen Institute gezeigt wird, als mustergültig hinzunehmen.
So wird er auch diese Nudelmeiereien, die seinem Ge-
schmacke ohnehin nicht zu fern liegen mögen, auch öffent-
lich für schön zu erklären den Mut finden und hingehen,
sie zu kaufen. Dadurch wird der praktische Zweck dieser
Art von Ausstellungen, abschreckende Gegenbeispiele zu
liefern, vereitelt.

Die Sommerausstellungen des Künstlerhauses und
des Wirtschaftsverbandes stehen unter dem Niveau der
Frühlingsausstellungen, über die das letzte Mal berichtet
wurde. Der Ausstellung in der Zedlizgasse sind diesmal
die jüngeren freieren Elemente —mit Ausnahme des schwach
vertretenen Bildhauers Barwig — ferngeblieben. Von
Armin Horowitz erfreuen einige Handzeichnungen ge-
fangener Serbenköpfe durch kräftige Modellierung und
das gelungene Herausarbeiten des Individuellen aus dem
Typischen. Unter den Gemälden beider Ausstellungen
aber ist nicht ein Bild, dessen künstlerisches Niveau eine
Erwähnung in diesem Blatte rechtfertigen würde, l. v. b.

Vor einigen Tagen wurde im Leipziger Kunstverein
eine Ausstellung von Werken des 19. Jahrhunderts aus
Leipziger Privatbesitz eröffnet, als schönes Gegenstück zu
der viel bewunderten Ausstellung alter Meister, die der
Leipziger Kunstverein im letzten Winter veranstaltet hatte.
Die sehr geschickte und eindrucksvolle Auswahl und Zu-
sammenstellung wird besonders Fräulein Hildegard Heyne
verdankt. — Das nächste Heft der Zeitschrift für bildende
Kunst wird über die Ausstellung ausführlich berichten.

SAMMLUNGEN
Die Kaiserliche Gemäldegalerie in Wien hat eine
interessante Bereicherung ihres Bestandes an niederländi-
schen Bildnissen des 16. Jahrhunderts erfahren. Vor

wenigen Wochen wurde aus dem Wiener Kunsthandel das
guterhaltene Porträt eines Wachsbossierers, von einem
anonymen Maler stammend, erworben. Das auf Eichen-
holz gemalte Bild mißt 54 cm in der Höhe und 45,5 cm
in der Breite. Der bis ungefähr zur Hälfte des Leibes
Porträtierte sitzt fast gänzlich mit dem Rücken zum Be-
schauer in einem mit niederer Lehne versehenen Holz-
stuhl. Nur der Kopf ist in scharfer Wendung in klares
Profil nach rechts gedreht. Der Dargestellte arbeitet an
der Bossierung eines kleinen Wachsmedaillons einer Dame.
Kopf und Hände sind mit entfernt an Holbein gemahnen-
der Schärfe durchmodelliert. Koloristisch besonders reiz-
voll ist die schwarzseidene Kleidung mit dem fein getönten
Spiel der Licht- und Schattenpartien. Rechts wird noch
ein Tisch sichtbar, der einige der kleinen beinernen Griffel
des Bossierers trägt. Der bogenförmige Abschluß der
Nische trägt die Jahreszahl 1564 und die Inschrift: G. P. S.
yETATIS SU/E ANNO XXXIII . MEN N . DIES XXII
PIX . IN . MARTIO. Monogramm und Jahreszahl beziehen
sich jedenfalls auf den Dargestellten, der demnach im
Oktober oder Anfang November 1530 geboren sein muß.
Es ist die Möglichkeit vorhanden, das Monogramm in
Guillelmus Paludanus Sculptor aufzulösen. Dieser Gil-
lialme van den Broeke, alias Paludanus wurde
1557 als Bildschneider in die Antwerpener Lukasgilde auf-
genommen. Er starb am 2. März 1579 im Alter von un-
gefähr fünfzig Jahren, was zu den Daten des G. P. S.
stimmen würde, und wurde in der Antwerpener St. Jakobs-
kirche begraben. (Vgl. Rombouts und van Lerius, De
Liggeren der Antwerpsche Sint Lucasgilde, I. S. 201 f.).
Werke von ihm sind nicht mehr nachweisbar. Daß in den
Urkunden nur großplastische Arbeiten, nicht auch Wachs-
bossierungen des Künstlers erwähnt werden, spricht bei
der Spärlichkeit dieser Erwähnungen nicht gegen die zuerst
von G. Glück vermutungsweise vorgenommene Auflösung
des Monogramms. Das Gemälde war als Bildnis Germain
Pilons angeboten worden, eine Bezeichnung, die schon
durch den sicher nicht französischen, sondern niederländi-
schen künstlerischen Ursprung des Bildes hinfällig wird.

L. v. B.

Budapest. Museum der bildenden Künste. Die

Gemäldegalerie alter Meister ist durch ein Bild von Ales-
sandro Magnasco, eine Schenkung des Königl. Rates Mar-
czell Nemes von Jänoshalma bereichert worden. Es stellt
»Das Mahl der Mönche« dar und ist von den Magnasco-
Ausstellungen her, die 1914 in Berlin und Paris stattfanden,
bekannt. Eine Wiederholung dieses Bildes im größeren
Format, jedoch ohne die oben aufgebaute Grotte, findet
sich in der Kaiserlichen Galerie zu Wien (Erwerbung von
1912). Das von Herrn v. Nemes geschenkte Gemälde ist
in der von Paul Cassirer veröffentlichten Magnasco-Publi-
kation (Berlin 1914, Taf. 39) wiedergegeben und bildet
eine willkommene Bereicherung der Budapester Galerie,
in welcher der Künstler bis jetzt nur durch ein — allerdings
besonders schönes und fein ausgeführtes — Früh werk »Die
Folterkammer« vertreten war. a. v. Te'rey.

VEREINE

Der christliche Kunstverein des Erzbistums Köln

hat soeben seinen Jahresbericht für 1914 erscheinen lassen.
Unter den Neuerwerbungen des mit dem Verein verbun-
denen Erzbischöflichen Diözesanmuseums ist hervorzuheben
ein aus dem Nachlaß des Kardinals und Erzbischofs
Philippus Krementz herrührendes Gemälde altdeutscher
Schule, aus der Zeit um 1500, die heiligen Sebastian und
Fabian darstellend, desgleichen eine aus dem 14. Jahr-
hundert stammende Sitzfigur des hl. Nikolaus, die durch
ihre schmelzartige Bemalung und durch die auf ihrem
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