Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 26.1915

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KUNSTCHRONIK

Neue Folge. XXVI. Jahrgang

1914/1915

Nr. 37. 11. Juni 1915

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DAS JÜNGSTE GERICHT AN DER HAUPT-
PFORTE DER KATHEDRALE ZU FERRARA UND
SEINE BEZIEHUNGEN ZU FRANKREICH

Von B. Haendcke

Im ersten Heft des »Repertorium für Kunstwissen-
schaft« 1915 lasse ich eine größere Abhandlung
über den nordischen Einfluß auf die Malerei und
Plastik Italiens von ca. 1250 bis ca. 1500 erscheinen,
die, im Herbst 1913 vollendet, zurückgehalten wurde,
weil ich den Winter über wieder in Italien ar-
beiten wollte. Bei diesen Arbeiten untersuchte ich
auch das Hauptportal der Kathedrale von Ferrara auf
die fremden Einwirkungen. Es war natürlich sofort
klar, daß hier ein sehr stark französisierendes Meißel-
werk vorlag, und nach kurzem Nachdenken hatte ich
auch die maßgebenden Vorlagen gefunden, die Por-
tale der Dome zu Amiens, Reims und für Abraham,

Höllenrachen das Tympanon in St. Omer. Sehr inter-
essant und sehr bezeichnend für die Art, wie in Italien,
leider besonders von deutschen Forschern unterstützt,
alles als aus eigenem Kunstwollen und -vermögen
entstanden betrachtet wird, sind die Auslassungen
des Spezialisten für den Dom in Ferrara G. Agnelli.
Er hat zwei Arbeiten über dies Portal geschrieben,
die eine steht im Emporium (1906, Nr. 143). Es
heißt hier: »Con tali figure . . . cessava l'opera di
Nicolo, ma la semenza era pronta a germinare nelle
fantasie commosse, se pur farraginose, che nella prima
metä del secolo XIV popolarono la cuspide dell'
avancorpo. Ivi, nell mezzo del triangolo Cristo siede
sul trono entro la mistica elissi; il libro patente
etc. . .. Per maestria di tecnica, per nobiltä di atteggia-
menti, pel senso d'estasi divina che traspare dai volti,
queste figure non hanno, mio credere, paragone di
bellezza con nessun' altra de l'opera; talche per esse,

Ferrara: Kathedrale. Das Jüngste Gericht an der Hauptpforte
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