Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 26.1915

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151 Nekrologe — Personalien — Wettbewerbe 152

datierten, stehenden Herrn der Kasseler Galerie, gleichfalls
von Rembrandts Hand, wiederzuerkennen. Endlich vermutet
er in den beiden Bildnissen Rembrandts von 1647, die der
Herzog von Westminster besitzt, die Porträts des Hendrick
Sorgh und dessen Gattin. Zum Vergleich werden hier die
von Sorgh gemalten Bildnisse des Malers und seiner Frau
angeführt, welche jetzt leihweise im Rotterdamer Museum
ausgestellt sind.

Dr. Harry Schmidt aus Flensburg publiziert ein Werk des
Artur Quellinus, das Portal der Herzoglichen Gruft im Dom
zu Schleswig. Auch dieser Aufsatz ist illustriert. Mr. van
Meurs bringt den Schluß des Brederode-Aufsatzes, während
Dr. A. Bredius ein Aktenstück veröffentlicht, aus dem u. a.
das Todesdatum (21 Juli 1664) von Rembrandts »huysvrou«
Hendrickje Stoffels hervorgeht. Kurze Mitteilungen über
Hendrick Terbruygen, Rembrandt usw. bildeten den Schluß
der Lieferung und zugleich des 32. Jahrgangs dieser ge-
diegenen Zeitschrift.

Die für holländisches Museumswesen und Denkmal-
pflege hochwichtige Zeitschrift Bulletin van den Neder-
landschen Oudheidkundigen Bond bringt im Sept-
emberheft (Neue Folge, Jahrgang VII, Nr. 5) Aufsätze
über Neuerwerbungen des Niederländischen Museums für
Geschichte und Kunst in Amsterdam, über die Malereien
am Gewölbe der Pancras-Kirche in Enkhuizen (von Prof.
Six), Mitteilungen über Denkmalsschutz in Italien (von
Dr. Hoogewerff), Daten zur Geschichte der Kleidung im
14. Jahrhundert, nach Rechnungen der holländischen Grafen
(von Ima Blöke), ein in Memoriam Leuven (von J. C. Over-
voorde) und kleine Nachrichten. Schöne Abbildungen illu-
strieren verschiedene der genannten Aufsätze. v.

NEKROLOGE

Der Maler Alfred Liedtke, ein Schüler Eugen„Brachts,
der sich durch Ansichten seiner Vaterstadt Potsdam einen
Namen gemacht hat, ist bei den Kämpfen um Laon gefallen.

Professor Anton Dieffenbach ist, fast 84jährig, am
29. November in Hohwald (Vogesen) gestorben, wo er
seit lange den Sommer zuzubringen pflegte. Mit ihm
scheidet ein Maler der älteren Künstlergeneration aus dem
Leben, der in der Zeit, als Ludwig Knaus blühte, zu den
beliebtesten Genremalern gehörte. Späterhin hat er sich
der Landschaftsmalerei zugewandt und speziell die allen
Waldbestände der Vogesen in zahlreichen Bildern darge-
stellt. — Dieffenbach war am 4. Februar 1831 in Wiesbaden
geboren, kam 1840 mit seinen Eltern nach Straßburg, wo
er sich bei Charles Duhamel und später in Paris bei Pra-
dier zunächst der Bildhauerei widmete. 1852 ging er zur
Malerei über und wurde auf der Düsseldorfer Akademie
Schüler von Sohn und R. Jordan. 1858—63 arbeitete er in
Wiesbaden. Hier übten die Werke von Ludwig Knaus
und dessen Freundschaft einen großen Einfluß auf ihn aus,
was auch darin zum Ausdruck kam, daß er für den Pariser
Kunstverlag Goupil ein Gegenstück zu Knaus' bekanntem
Bild »Die goldene Hochzeit« malte. Dieses Gemälde,
»Ein Tag vor der Hochzeit«, hat, wie viele andere Arbeiten
des Künstlers, durch die Reproduktion weite Verbreitung
gefunden. Von 1863 bis zum Ausbruch des deutsch-
französischen Krieges 1870 lebte Dieffenbach in Paris, dann
siedelte er, nach vorübergehendem Aufenthalt in der Schweiz,
nach Berlin über, wo er regelmäßig die akademischen
Ausstellungen beschickte. Er blieb dort, bis er sich 1897
in Straßburg niederließ. Dieffenbach war ein Künstler von
großer Fruchtbarkeit. Bei seinen Genrebildern aus dem
Bauern- und Kinderleben ist nicht ohne Ursache der Vor-

wurf erhoben worden, daß eine gewisse süßliche Manier
den Genuß mancher naturwahrer und ansprechender Dar-
stellungen beeinträchtige. Auch in seinen Landschaften
kommt nicht selten eine »genrehafte« Behandlung zum
Durchbruch und eine gediegene Naturbeobachtung ist
bei denselben ebensowenig zu erkennen wie bei seinen
Tierbildern. a:.

Kolmar i. Elsaß. Auf den Schlachtfeldern in Frank-
reich ist Peter Schönbrod, ein Schüler von Heinrich
Wadere in München, gefallen. Der Verstorbene gehörte
zu den talentvollsten Vertretern der Bildhauerei unter den
jüngeren Künstlern Elsaß-Lothringens. Bei einer im El-
sässischen Kunsthaus in Straßburg veranstalteten Aus-
stellung verdienten einige kleine, vom Künstler selbst in
Holz ausgeführte figürliche Arbeiten, darunter eine »Sa-
lome« und ein »Jochanaan« besondere Beachtung. Peter
Schönbrod wurde am 21. Mai 1889 in Kolmar i. Eis. ge-
boren. Seine künstlerische Ausbildung begann er auf der
Straßburger Kunstgewerbeschule. Hierauf trat er in die
Wadere-KIasse der Münchener Kunstgewerbeschule ein und
ging dann zur Kgl. Akademie über. Dort war er Schüler
von Professor Kurtz. Nach seiner Militärzeit widmete er
sich dem olympischen Sport, der seiner Kunst manche
Anregung bot. Er zog. als Offizierstellvertreter in den
Krieg, wurde zum Leutnant befördert und erhielt das eiserne
Kreuz II. Klasse. Am 31. Oktober erlag er einem Granat-
schuß und liegt an einem Waldrande bei Zandvoorde be-
graben, k.

PERSONALIEN
Dr. Hermann Uhde-Bernays in Starnberg wurde
vom König von Bayern der Titel eines königlichen Pro-
fessors verliehen. — Die gleiche Auszeichnung wurde dem
Konservator der staatlichen Gemäldegalerien Emil Kinke-
lin in München und dem Maler Ludwig Bolgiano in
München zuteil.

Zum Nachfolger des Anfang des Jahres gestorbenen
Professors für Bildhauerkunst an der Amsterdamer Akademie,
Bart van Hove, ist der junge Bildhauer Jan Bronner
ernannt worden. Jan Bronner ist durch seinen Entwurf
zu dem Hildebrand-Beets-Denkmal in Haarlem kürzlich
mit einem Male eine bekannte Persönlichkeit geworden.
Der Schriftsteller Beets ist hier als junger Mann in der
kleidsamen Biedermeiertracht dargestellt, mit Vatermörder,
breiter Halsbinde und langem Rock; seinen Zylinderhut
hält er grüßend in der Hand; er steht etwas vornüber-
geneigt, den einen Fuß vorgesetzt, im Begriff auszuschreiten.
Dem hübschen Entwurf ist von 25 eingesandten Modellen
der Preis zuerkannt worden, er wird daher zur Ausführung
kommen. Das Denkmal soll im Haarlemer Hont in Haar-
lem aufgestellt werden. — Bronner ist 1881 in Zype ge-
boren und studierte von 1907—1911 an der Akademie
in Amsterdam.

WETTBEWERBE
* Einen Wettbewerb unter sächsischen oder in
Sachsen lebenden Künstlern eröffnet der akademische Rat
zu Dresden. Der Festsaal des Lehrerseminars zu Rochlitz
soll mit einem Wandgemälde aus den Mitteln des Kunst-
fonds geschmückt werden. Entwürfe im Maßstab von
1 :10 mit dem Namen des Urhebers sind bis spätestens
Sonnabend den 23. Januar 1915 mittags 12 Uhr beim Bau-
inspektor der Kgl. Kunstakademie zu Dresden abzuliefern,
von dem auch die näheren Bedingungen des Wettbewerbs
nebst einer Zeichnung der Wandfläche zu beziehen sind.

Inhalt: Alfred Hagelstange. Von Walter Cohen. — Eine Gruppe deutscher Gemälde des 15. Jahrhunderts. Von Victor Wallersteiri. — Mitteilungen
aus ausländischen Kunstzeitschriften. — Alfred Liedtke t; Anton Dieffenbach f; Peter Schönbrod f -— Personalien. — Wettbewerb unter
sächsischen oder in Sachsen lebenden Künstlern.

Verantwortliche Redaktion: Gustav Kirstein. Verlag von E.A.Seemann in Leipzig, Hospitalstraße IIa
Druck von Ernst Hedrich Nachf., q. m. b. h., Leipzig
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