Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 26.1915

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KUNSTCHRONIK

Neue Folge. XXVI. Jahrgang 1914/1915 Nr. 28. 9. April 1915

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LITERATURNUMMER

Neue spanische Kunstliteratur. In der schon in
früheren Anzeigen erwähnten Serie »El Arte en Espana«,
jener kleinen, sehr billigen (Pes. 1.25) und dabei doch ausge-
zeichnet illustrierten Monographien, die die Comisaria Regia
del Turismo im Verlag von J. Thomas in Barcelona heraus-
gibt, sind wiederum einige Bändchen erschienen, die ihre
Vorgänger womöglich noch übertreffen: »Das Madrider
Königl. Schloß« von Conde de la Navas; »Sevilla« von
f. Ges/oso; »Escoriall. Teil« von J. R. Melida ; die »Alhambra
1. Teil« von M. Gomez-Moreno und das »Kloster von Guada-
lupe« von E. Tormo y Monzö. Jede der Kunststätten ist
somit von einem trefflichen Spezialkenner bearbeitet, die
Auswahl der Abbildungen ist sehr geschickt; Architektur,
Malerei und Plastik wie die Miniatur und das Kunstge-
werbe sind in ganz gleichmäßiger Weise berücksichtigt,
und jeder mit den Dingen auch noch so Vertraute wird
stets irgend eine Detailaufnahme finden, die ihm etwas
Neues vermittelt, wie überhaupt durch diese Publikation
viele bisher ganz unbekannte Kunstwerke dem Liebhaber
und der Forschung erschlossen werden. Die Abbildungen
sind ganz außerordentlich scharf und klar. — Als Publi-
kation des Centro de Estudios histöricos zu Madrid ist
eine umfangreiche Monographie über den Bildhauer Pedro
de Metra y Medrano erschienen. Es ist die erweiterte
Doktorarbeit eines Schülers des um die spanische Kunst-
forschung wie die Hebung des kunstgeschichtlichen Stu-
diums in Spanien hochverdienten Elias Tormo: Ricardo
de Orueta y Duarte. Diese Veröffentlichung Oruetas be-
sitzt einen außerordentlichen Wert, nicht nur weil er das
Material sehr sorgfältig gesammelt und gesichtet hat, ein
höchst anschauliches und treffendes Bild von dem Wesen
und der Bedeutung des Künstlers in einer sehr sympathi-
schen, bescheidenen und klaren, allen Phrasen abholden
Form gibt, nicht nur wegen der zahlreichen sehr guten Ab-
bildungen, sondern weil der Autor in einer größeren Ein-
leitung den Versuch macht, das eigentliche Wesen der spa-
nischen Plastik des 17. Jahrhunderts zu erfassen und zu er-
klären. Es ist das erstemal, daß ein Spanier sich ernst-
haft um diese Frage kümmert und das Problem in seiner
ganzen Breite aufzurollen versucht. Außerhalb Spaniens sind
ja diese Dinge schon mehrfach erörtert worden, aber es ist
das von besonderem Interesse, nun einmal einen — wirklich
objektiv urteilenden — Spanier selbst über die Eigenart der
spanischen Plastik jener Zeit reden zu hören. Es ist natür-
lich angenehm, in diesen Erörterungen vielfach dieselben
Ansichten vertreten zu finden, die in nichtspanischen Arbeiten
wie z. B. denen des Rezensenten verschiedentlich geäußert
worden sind. Bemerkt sei hier zu diesen Ausführungen
nur, daß Orueta das nationalspanische Element in der
älteren spanischen Plastik offenbar zu sehr unterschätzt.
Auch ist es nicht ganz richtig, daß die spanischen Bild-
hauer im 17. Jahrhundert fast ausschließlich lediglich Auf-
träge für Altarwerke und Madonnen- und Heiligenstatuen
erhalten hätten. Die Grabmalsplastik spielt nach wie vor
auch im 17. Jahrhundert noch eine recht beträchtliche Rolle,
ebenso ist die Porträtskulptur — häufig gerade im Zu-

sammenhang mit der Orabmalsplastik — doch weit mehr
gepflegt worden, als Orueta anzunehmen geneigt ist. Sehr
richtig ist die Behauptung, daß Mena wohl bei Cano in
die Lehre gegangen sein mag, daß er aber als Künstler
eine ganz andere Richtung vertritt, eine Kunstanschauung,
die der Canos im Grund ganz entgegengesetzt ist. Nur
ist sich Orueta dabei nicht ganz klar darüber geworden,
daß Canos Idealstil nicht etwas Ungewöhnliches war,
sondern ganz in der Entwicklung der spanischen Plastik
begründet und mit der Art eines Gregorio Fernandez und
Martinez Montafiez ausgezeichnet zusammengeht, während
der Naturalismus eines Mena wie seine leicht feminine
Art schon ganz auf das Rokoko hinsteuert, wie ein Vor-
läufer der Rokokokunst eines Zarzillo wirkt. A.L.Mayer.

Über die baugeschichtlichen Dissertationen der
Hochbauabteilung der Technischen Hochschule zu
Dresden hielt beim Rektoratswechsel der neue Rektor
Geh. Hofrat Dr. Cornelius Gurlitt, der zum zweiten
Male das Rektorat bekleidet, einen lehrreichen Vortrag.
Mit Recht konnte Gurlitt dabei sagen, daß keine Hoch-
schule der Welt die Dresdner an Rührigkeit und Vielseitig-
keit in bezug auf baugeschichtliche Arbeiten der Prüflinge
für den Doktor-Ingenieur-Titel übertrifft. Aus der langen
Reihe dieser Dissertationen wollen wir hier wenigstens
die nennen, die sich auf deutsche Baugeschichte beziehen.
Da liegt zunächst eine Arbeit von Paul Klopfer über den
Dresdner Architekten Christian Traugott Weinlig vor, der
als Klassizist von dem Spätrokoko seines Lehrers Krubsa-
cius zu der Kunstweise Schinkels überleitete. Die Schmuck-
werke im Park des Palais an der Zinzendorfstraße sowie
im Park zu Pillnitz, die im Geiste Raffaels gehaltenen
Innenräume des Pillnitzer Schlosses, die Ausschmückung
des Gartenpavillons im Palais an der Zinzendorfstraße
(jetzt im Kgl. Kunstgewerbe-Museum zu Dresden), mehrere
Privatbauten und die monumentale Reithalle im Kgl. Mar-
stall zu Dresden beweisen, daß Weinlig einer der einfluß-
reichsten Architekten seiner Zeit (1738—99) war.

Eine zweite Dissertation von E. Lövy schließt sich
insofern an die Klopfersche an, als sie die Grundlage zu
Schinkels Schaffen behandelt, indem sie namentlich die
kunstlheoretischen Erwägungen der Architekten jener Zeit
darlegt. Der Richtung, die Krubsacius in Dresden vertrat,
folgte auch Peter Anton von Verschaffelt, ein geborener
Niederländer, der zumeist als Bildhauer in Mannheim, aber
auch als Architekt tätig war. Ihn behandelt eine — noch
nicht im Druck erschienene — Dissertation von Beithel.
Auf einer ähnlichen Entwicklungsstufe stand der Architekt
L. C. Hautt, der für den pfälzisch-zweibrückischen Hof
arbeitete, ein Mann, den als Künstler wie in seinem
bürgerlichen Dasein der französische Revolutionssturm ver-
nichtete, so daß die Nachwelt ihn zu Unrecht vollständig
vergessen hatte. Über ihn gibt eine Dissertation von
R. Hübel Aufschluß. Bedeutender sind die hessischen
Schlösser und ihr Architekt S. L. du Ry, über die H. Phlaps
eine Untersuchung anstellte.
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