Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 26.1915

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Nekrologe — Personalien — Wettbewerbe

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zeichnet, für die die Zeichnung des nackten weib-
lichen Körpers besonders fest und kräftig ist. In der
Lage der Venus zeigt das Bild eine auffallende Über-
einstimmung mit der Venus auf dem Venus- und
Mars-Bilde von Piero di Cosimo im Kaiser-Friedrich-
Museum. Durch die elfenbeinerne Bleichheit der
nackten Körper koloristisch wie durch die Verschmel-
zung derselben in eine Einheit kompositionell gleich
reizvoll ist das große Hochbild mit Venus, die den
Leichnam des Adonis hält; der Katalog gibt nur
die allgemeine Bestimmung: italienische Schule des
17. Jahrhunderts.

Neben diesen »idealischen« italienischen Gemälden
vertreten die zwei Gegenstücke von Piazetta, die Halb-
figuren eines jungen verliebten Paares, dem wirklichen
Leben entnommene italienische Typen, ein gröberes
Genre; die Personen sind gut charakterisiert und von
großer Plastizität. Von den drei Porträts des 18. Jahr-
hunderts, die der Besitzer auf drei so berühmte Namen
wie Delatour, Hogarth (ein Bildnis Händeis) und
Perronneau getauft hat, fesselt am meisten durch
den energisch-sprechenden Blick aus den blauen Augen
das Werk von Perronneau, das den Amsterdamer
Bürgermeister Hasselaar darstellt und das 1763 im
Louvre ausgestellt war. Einer noch späteren Zeit ge-
hört das kleine Kinderporträt an, das Kronig Frau
VigeeleBrun zuschreibt und in dem er die Tochter
der Malerin vermutet; die großen, etwas schmachtend
blickenden Kinderaugen zeigen hier noch deutlich die
Abhängigkeit von Greuze.

Zum Schluß sei noch auf zwei interessante Still-
leben hingewiesen, das eine aus dem Besitze von
Bredius, bestehend aus einem toten Hasen und einigen
toten Vögelchen, das von Bredius J. B. Weenix, von
andern M. d'Hondekoeter zugeschrieben wird, das
andere aus dem Besitze von Kronig, eine Zusammen-
stellung von verschiedenerlei Geschirr, in einer Art
Keller, vor dem rechts ein Hund steht, das Kronig
keinem Geringeren als Willem Kai ff zuweist.

M. D. HENKEL.

NEKROLOGE

Ein merkwürdiger Zufall hat es gefügt, daß nur wenige
Wochen nach Josef Kohlscheins Tode nun auch der Letzte
der Düsseldorfer Kupferstecherschule sein Leben beschloß:
Karl Ernst Forberg. Am 9. April ist er langem Leiden
im hohen Alter von 71 Jahren erlegen. Seit dem Jahre 1879
war Forberg Nachfolger seines Lehrers Josef von Keller
als Lehrer der Kupferstecherkunst an der Düsseldorfer
Kunstakademie, aber er hat nicht wie dieser eine Schule
begründet, sondern im stillen künstlerischen Schaffen sein
Hauptziel erblickt. Sein Tod stellt die Akademie vor
ernste Fragen.

Forberg war am 20. Oktober 1844 zu Düsseldorf ge-
boren und wurde nach Erledigung der Vorstudien an der
Kunstakademie der letzte Schüler Kellers, der damals im
Zenit seines Ruhms stand. Um es gleich vorwegzu-
nehmen, auch sein bedeutendster. Forberg ist wohl der
einzige des vielköpfigen Kreises, der auch Originalstiche
und -Radierungen von künstlerischem Werte schuf. Die
Bildnisradierung Eduard von Gebhardts ist ein Meisterwerk.
Keiner, der sich an diesem verwitterten, krausbärtigen
Prophetenkopfe versuchte, hat das Innerliche des Aus-

drucks so überzeugend, dabei in reifer künstlerischer Form
herausgebracht. (Eine Abbildung in »The Studio« 54 p. 338.)
Auch Josef Joachim ist von dem Meister radiert worden.
Von Bildnisstichen, wie sie heute so ganz aus der Mode
gekommen sind, sei der männlich-schöne Kopf des Bonner
Mineralogen Professor vom Rath genannt.

Die erste größere Arbeit Forbergs war ein Stich nach
B. Vautier. Er besuchte dann Berlin, München, Dresden
und andere Städte und folgte 1872 einem Rufe der Oesell-
schaft für vervielfältigende Kunst nach Wien, wo bereits
Jacoby, Unger und Vogel als reichsdeutsche Elemente die
graphischen Künste pflegten. Hier entstand ein Bildnis
des Grafen Potocky als Linienstich; als Veröffentlichungen
der Gesellschaft folgten Stiche nach Angeli, Eisenmenger,
Kurzbauer, l'Allemand und Greuze. Weiterhin erschienen:
Bendemanns »Wegführung der Juden«, Camphausens
Reiterporträts und Genreszenen nach Knaus, Vautier,
Salentin u. a. Auch die »Zeitschrift für bildende Kunst«
brachte eine ganze Reihe von Arbeiten Forbergs, die
in den siebziger bis neunziger Jahren des vorigen Jahr-
hunders veröffentlicht worden sind. Die erste war die
»Weinprobe« nach dem Gemälde von Kurzbauer. In-
zwischen hatte man sich in Düsseldorf auf den zu hohem
Rufe gelangten Künstler besonnen und berief ihn, wie
schon erwähnt, auf Kellers Lehrstuhl, der volle sechs Jahre
verwaist geblieben war. In seiner Heimatstadt gründete
Forberg den heute längst entschlafenen Radierklub Düssel-
dorfer Künstler und schuf außer den genannten Original-
blättern eine sehr große Anzahl von Stichen, u. a. nach A.
und O. Achenbach, Wilhelm Sohn, Scheurenberg, viele als
Vereinsgaben des Kunstvereins für die Rheinlande und
Westfalen. Nur gelegentlich, unähnlich Kohlschein, stach
er nach alten Meistern, z. B. Raffaels »Fischzug« und
»Weide meine Schafe«. Eins der letzten Blätter, der Stich
nach Terborchs »Brief« im Buckingham-Palaste zu London,
ist eins der glücklichsten. Mit wahrhaftem Feingefühl ist er
besonders allen Lichtwirkungen nachgegangen. Feingefühl
zeichnete auch den Menschen Forberg aus. Fremd allem
Kunstintrigantentum, unbekümmert auch um die Gunst
des Publikums, lebte er nur seiner einsamen Kunst. Mit
ihm ist eine der vornehmsten Persönlichkeiten aus der Zeit
dahingegangen, da die Düsseldorfer Kunst noch Weltruf
genoß. c.

In Salzburg starb der bekannte Jagdwildmaler Franz
von Pausinger im 77. Lebensjahre.

PERSONALIEN

Unser verehrter Mitarbeiter Herr Dr. A. Bredius im
Haag ist am 18. April sechzig Jahre alt geworden.

WETTBEWERBE

Der Kunstverein für die Rheinlande und West-
falen hatte ein Preisausschreiben für Originalradierungen
erlassen. Vorgeschrieben waren Motive aus Rheinland und
Westfalen; nur Künstler, die aus diesen Gebieten gebürtig
oder dort ansässig waren, durften sich beteiligen. Das
Preisgericht hat beschlossen, den ersten Preis dem Maler
Wilhelm Hambüchen in Düsseldorf für seine Radierung
»Neuß« zu erteilen. Der zweite Preis wurde geteilt zwischen
den Malern Heinrich Otto und Max Ciarenbach. Ihre
Radierungen »Industriehafen« und »Stiller Tag« sind mit
den übrigen eingelieferten Blättern in der städtischen Kunsl-
halle zu Düsseldorf zur Ausstellung gelangt. Die preis-
gekrönten Radierungen werden als Vereinsgabe für 1915
zur Verteilung kommen, derart, daß einem jeden Mitgliede
die Wahl eines der Blätter freigestellt wird.
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