Kunstmarkt: Wochenschrift für Kenner u. Sammler — 9.1912

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3.0EZ1911

Der Kunstmarkt

Wochenschrift für Kenner und Sammler
Herausgegeben u. verlegt von E. A. SEEMANN, Leipzig, Querstrasse No. 13
nunafiucxjnunuranu Beiblatt der Zeitschrift für bildende Kunst nuranuGuntjsijfiURü
IX. Jahrgang 1911/1912 Nr. 12. 22. Dezember 1911
Der Kunstmarkt erscheint am Freitage jeder Woche (mit Ausnahme der drei Sommermonate, in denen er nur je einmal erscheint) und kostet jährlich
(40 Nummern) frei ins Haus 6 Mark. Abonnenten der Zeitschrift für bildende Kunst erhalten den Kunstmarkt kostenfrei. Anzeigenpreis 30 Pf. für die
einspaltige Petitzeile. Redaktionsschluß Sonnabend mittag.
BEVORSTEHENDE AUKTIONEN

Januar
8.—19.
15-
17-
Januar
Januar
Januar
Februar
New York. Anderson Audion Co. Bibi. Hoe.
Wien. Brüder Egger. Griech. u. röm. Münzen.
Köln. Math. Lempertz (P. Hanstein). Münzen
d. Antike, Mittelalter, Neuzeit. Nachlaß
San.-Rat Heinrichs-Bingen u. a.
Wien. ^Dorotheum. Kupferstichsmlg. Alfred
von Wurzbach.
Köln. J.M.Heberle (H. Lempertz' Söhne). Smlg.
erster Miniaturen aus belg. Privatbesitz.
Köln. /. M.Heberte (H. Lempertz' Söhne). Ge-
mälde alter und neuzeitiger Meister aus dem
Nachlasse des Prof. Hübner u. a.
Februar
Februar
Februar
Februar
Frühjahr
Frühjahr
20.—22.
Mitte
Februar
Berlin. R. Lepke. Gemäldesammlung Konsul
Weber-Hamburg.
Köln. J. M. Heberle (H. Lempertz' Söhne).
Kupferstichsmlg. eines rheinisch. Sammlers.
Köln. /.M.Heberle(H. Lempertz' Söhne). Bücher-
versteigerung aus verschiedenem Besitz.
1912

Köln./. M. Heberle(H.Lempertz' Söhne). Kunst-
sammlung H. Haneschka.
Berlin. Max Perl. Kupferstiche, Holzschnitte,
Radierungen des 15.—19. Jahrh.
Köln. Math. Lempertz (P. Hanstein). Gemälde
ält. u. neuerer Meister. Nachlaß Kanonikus
Göbbels-Aachen u. a.
Bonn. Math. Lempertz (P. Hanstein). Ethno-
graph. u.Kunstsmlg. Nachl.Grosser-Mehlem.
Leipzig. C. G. Boerner. Kupferstichsammlung
Kammerherr von Seydlitz-Pilgramshain und
Främbs-Neuwied.
München. Galerie Helbing. Smlg. Gasser-
Petersburg: Porzellane u. Fayencen, ferner
Smlg. v. Holz-, Stein- u. Tonskulpturen aus
süddeutschem Besitz.
Amsterdam. R. W. P. de Vries. Smlgn. Vincent
van Gogh: Radier., Lithogr., Handzeichn. d.
verschiedensten Länder. 111. Bücher d. 17. u.
18.Jahrh.

Über die mit Sternchen versehenen Versteigerungen ist im Anzeigenteile dieser Nummer Näheres zu finden.

DIE GALERIE WEBER-HAMBURG

Keine bessere Kollektion konnte sich das Kunstauktions-
haus Rudolph Lepke zur Einweihung seines neuen Heimes
in der Potsdamerstraße 122 a b wählen als die Galerie
Weber-Hamburg. Vor kurzem brachten einige Zeitungen
die Nachricht, daß diese berühmte Galerie ans Ausland
verkauft werden solle, um einer »Auseinanderreißung« vor-
zubeugen. Diese Meldung entspricht natürlich nicht den
Tatsachen. Die herrliche Sammlung von 354 Nummern
alter Meister ersten Ranges wird Lepke vom 20. bis 22. Fe-
bruar vor einem erlesenen Publikum von Kennern und
Sammlern versteigern. Es dürfte das bedeutendste Ereignis
auf dem Kunstmarkt in dieser Saison sein. Man hat auf
den üblichen Verkaufskatalog verzichtet und statt dessen
das wissenschaftliche Verzeichnis, das Karl Woermann ver-
faßt hat, zum Abdruck gebracht. Direktor Max J. Fried-
länder hat dem außerordentlich splendid ausgestatteten Band
folgendes Vorwort beigegeben:
»Der Hamburger Großkaufmann und Patrizier Eduard
F. Weber war wirklich ein Sammler, wie eng man den
Begriff auch begrenzen, wie tief man nach den Motiven
graben mag. Er sammelte Gemälde und antike Münzen.
Als eine durchaus aktive Natur wählte er zur Erholung,
als Gegengewicht gegen die Berufsarbeit wieder eine auf-
bauende, schöpferische Tätigkeit mit sichtbaren Ergebnissen.
Kunstliebe vereinigte sich mit der Lust am Sammeln,

ihn zu einem unermüdlichen Bilderkäufer zu machen. 1864
begann er. Die am Kopf der Vorrede abgebildete Ansicht
des Pantheons war seine erste Erwerbung. Erst der Tod
— 1907 — setzte seiner Tätigkeit ein Ende. Die Bilder-
sammlung wurde für das Haus an der Alster bald zu
umfangreich; sie forderte schon 1889 einen Anbau und
gewann in Hamburg fast die Bedeutung einer staatlichen
Gemäldegalerie.
Pflichtgefühl gegen die Wissenschaft gab dieser Sammel-
tätigkeit einen ernsten Charakter. Der Konsul Weber sorgte
dafür, daß seine Schätze Forschern und Kunstfreunden
leicht zugänglich blieben, betätigte bei jeder Aufforderung
die Opferwilligkeit, Leihausstellungen zu beschicken, suchte
Verkehr mit Kunstgelehrten, lauschte jedem Urteil, besonders
eifrig den Lehren des Senators Morelli, sobald italienische
Bilder in Betracht kamen, wenn auch die Entscheidung bei
den Erwerbungen stets von seinem persönlichen Geschmacke
getroffen wurde. Er ließ von dem Direktor der Dresdener
Gemäldegalerie, Karl Woermann, der ihm verwandtschaft-
lich nahe stand, einen Katalog seiner Bilder redigieren,
kein schmeichelndes Prachtwerk, vielmehr ein schlichtes
Verzeichnis von der Art der besten, die öffentlichen Kunst-
sammlungen gewidmet worden sind.
Diese Arbeit, deren zweite, vervollständigte Ausgabe
1907, unmittelbar nach dem Hinscheiden des Sammlers,
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