Kunstmarkt: Wochenschrift für Kenner u. Sammler — 9.1912

Page: 200
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstmarkt_ws1912/0208
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
200

DER KUNSTMARKT

Kat.-Nr. Mark
336 Willem van Mieris, Männliches Bildnis . . . 2000
337 Rachel Ruysch, Blumenstück.720
338'39 Konstantin Netscher, Männl, u. weibl. Bildnis 1200
340 Philipp van Dijk, Lustiges Kleeblatt .... 1500
341 Jan van Huysum, Blumenstück.3000
342-43 Michiel v. Huysum, Fruchtstück u. Blumenstück 1850
344 Nürnberger Schule, Maria Ursula Hallerin . . 560
345 Johann Heiß, Neptun und Amphitrite .... 920
346 Ottmar Eiliger d. J., Dame als Flora .... 500

Mark
347-48 Balthasar Denner, Miniaturbildnis seines Vaters

in braunen und silbernen Rahmen.4600
34g Balthasar Denner, Weibliches Bildnis .... 750
350 Franz de Paula Ferg, Römische Ruinenlandschaft 810
351 J. H. Tischbein, Kreuzigung Christi.500
352 Christian Stöcklin, Kirchen-Inneres.800
353 Joh. G. v. Edlinger, Domherr Müller zu München 3500
354 Joh. B. v. Lampi d. Ä., Aloysia Weber . . . 800

Gesamterlös: 4390510 Mark.

Versteigerung Weber
Kat.-Nr.

Berlin und Brandenburg-Preußen ist das Schlag-
wort, das die Auktion, die vom 18. bis 23. März bei Amsler &
Ruthardt stattfinden wird, beherrscht. Wie bereits erwähnt,
gelangt in diesen Tagen die große und hervorragende
Sammlung Aufseesser zur Versteigerung, über die
jetzt der reizend ausgestattete Katalog erschienen ist. Er
umfaßt nicht weniger als 2124 Nummern. Ein großer Teil
davon sind abgebildet; auch ein paar prächtige Farben-
tafeln, Darstellungen von Hosemann, Lyser und Friedrich
Kaiser, schmücken das Verzeichnis, das Dr. Max Osborn
eingeleitet. Seiner Vorrede entnehmen wir folgende Wür-
digung: »Endlich beginnt Berlin sich auf sich selbst zu be-
sinnen. Die Stadt, die Jahrzehnte hindurch so viel mit
ihrer Gegenwart zu tun hatte, daß alle Fäden mit der Ge-
schichte ihres eigenen Werdens zerschnitten schienen, erkennt
mit wachsendem Entzücken den Zauber ihrer Vergangenheit,
die Feinheit und Geschlossenheit ihrer Kultur vor den über-

lauten Zeiten des Aufschwungs (die wir gewiß nicht schmälen
wollen), den Reichtum an Kunst aller Art, die damals als
charaktervolles Eigengewächs aus dem kargen Boden der
Mark aufblühte. Mehr noch als durch die neue Leidenschaft
der norddeutschen Kunstforschung, den vielfach noch ver-
borgenen Gängen der hier auftauchenden Probleme nach-
zuspüren, wird diese Wendung durch den lebhaften Austausch
von Werken berlinischer Kunst bestätigt, der plötzlich im
Handel und auf dem Auktionsmarkte eingesetzt hat. Ja,
die Zahl der Sammler und gelegentlich kaufenden Liebhaber,
die ihr Augenmerk auf dies Spezialgebiet richten, ist in
wenigen Jahren so gestiegen, daß der Vorrat, der vor kurzem
noch unerschöpflich schien, bereits zusammenschrumpft.
Die Periode des enormen Angebots von Berolinensien liegt
hinter uns; schon treten wir in die der Nachfrage ein, und
»über ein Kleines« werden vielleicht die Quellen versiegt
sein, aus denen die Kauflust bisher so mühelos schöpfte.
Da kommt die Versteigerung der Sammlung Aufseesser


gerade recht, die
mit ihren 2000
Nummern den
gesamten Um-
kreis der neuge-
weckten Interes-
sen umschreibt.
Bildnisse und
Darstellungen
zur Geschichte
vonBrandenburg
und Preußen ma-
chen den Auftakt.
Die Porträts von
Mitgliedern der
königlichen Fa-
milie gewinnen
beim Heran-

B. Dörbeck, Im Colosseum, Lithographie.
(Auktion Aufseesser)

nahen des Halb-
jahrtausend-Jubi-

läums der Hohenzollern in der Mark erhöhtes Interesse.
Friedrich der Große erscheint in der Folge der von Pesne,
von Chodowiecki, von Graff, Frisch und Franke geschaffenen
Typen — wieder eine Gelegenheit, das Problem seiner
äußeren Erscheinung, das uns gerade diese Tage nahe
legen, zu studieren. Neben ihm das fridericianische Berlin
und Potsdam, die Städte und die Menschen; darunter die
kulturhistorisch reizvollen Darstellungen der verschiedenen
Berufszweige von Schleuen (Nr. 183 ff.). Weiter die Künstler
der Zeit. An der Spitze der noch nicht nach Verdienst ge-
schätzte Joh. Gottlieb Glume und Meister Georg Friedrich
Schmidt. Dann ein starkes Konvolut Chodowiecki, in dem
auch die Demoiselles Quantin und das Dutzend der Minna-
Illustrationen nicht fehlen. Seine Nebenmänner: Meil, Rode.
Sein Nachfolger: Daniel Berger.
Die Epoche des Rokoko und des Klassizismus — auch
das nicht oft vorkommende Blatt des Franzosenlagers bei
Westend (1908) taucht auf (Nr. 872) — wird abgelöst vom
Biedermeiertum. Niemals haben die Stadt, ihre Straßen,
Plätze, Schmuckanlagen, Gebäude, ihre nähere Umgebung
eine solche Anziehungskraft auf Zeichner, Stecher und Li-
thographen ausgeübt wie unter Friedrich Wilhelm III., da
Berlin neu erstand.
Mehrere Sonderprovinzen laden zum Besuch: Studen-
tika, Militaria und — ein wichtiges Kapitel für die Zeit der
politischen Stagnation in den »dreiunddreißig Jahren« —
Theatralia, ihrer Bedeutung entsprechend besonders aus-
gestaltet. Auch dabei Rarissima, wie die Lithographie
(Nr. 1210), auf der Henriette Sonntag nebst gräflichem
Gatten mit dem »Königstädter« Cerf und dem Bankier Beer
auftritt, oder das graziöse Fanchonblatt (Nr. 1141). Aus
der Gruppe »Berliner Persönlichkeiten« sei das anonyme
Konvivium der Brüder

Humboldt herausge-
hoben (Nr. 1247).
Der Schwerpunkt
der ganzen Sammlung
aber liegt in der letz-
ten Abteilung des
Kataloges: »Berliner
Künstler«. Sie rückt
eine an 700 Nummern
umfassende Schar von
Arbeiten einheimi-
scher Maler und Zeich-
ner aus der ersten
Hälfte des 19. Jahr-
hunderts zusammen,
die wieder einmal mit
vernehmlicher Stimme
für die charakteristi-
schen Eigenschaften
der Berliner Kunst
Zeugnis ablegen: für
diese ganz bestimmt


A. v. Menzel, Köchin vom Fischhändler
kommend, wird von Schuljungen geneckt
(Auktion Aufseesser)
loading ...