Kunstmarkt: Wochenschrift für Kenner u. Sammler — 9.1912

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DER KUNSTMARKT

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München. Am 30. April gelangt in
der Galerie Helbing-München die Ge-
mäldesammlung des Kommerzienrats
Adolph Herbst (Triebes) unter den
Hammer (153 Nummern). Herbst hatte
sich darauf beschränkt, die deutschen
Meister des ig. Jahrhunderts zu sam-
meln. Wir werden von Bürkel und
Spitzweg bis Liebermann und Leistikow
geführt. Die Auswahl der Bilder ist
mit feinsinnigem Verständnis getroffen
worden. Arnold Böcklins tiefsinnige
Allegorie »Malerei und Dichtung« sei
an erster Stelle genannt. Munkacsy fas-
ziniert durch eine glänzend durchgeführte
Variante eines »Leihhauses«. Stucks
Frühling erfreut durch seinen dekora-
tiven Reiz. Von Lenbachs psychologi-
scher Kraft zeugt ein imponierender
»Fürst Bismarck«. Uhdes »Anbetung der
heiligen drei Könige« zeichnet sich durch
die meisterhafte Behandlung des Licht-
problems aus. Sein »Patriarch« und
»Tobias mit dem Engel« sind weitere
Zeugnisse seiner ernsten Kunst. Israels
erfüllt in seiner »Alten Holländerin« und
in seinem »Weiblichen Kopf« das Hell-
dunkel, das seine Gestalten umgibt, mit
einem eigenen, geheimnisvollen Leben.
Ausgezeichnet sind die Meister des Leibi-
Kreises vertreten, man kann sagen,
daß diese Gruppe der Sammlung ein
besonderes Relief verleiht. Von G. Cour-
bet sind ein »Stall« und ein »Felsen-
bild« in die Galerie Herbst gelangt. Von
Leibi selbst sind zwei Bildnisse zu sehen,
die beide den herben Reiz der Leiblschen
Kunst besitzen. Trübners »Landschaft«,
seine »Wirtstube« und sein Porträt zei-
gen den Meister auf der Höhe seines
Könnens. Schuch erscheint mit zwei
köstlichen Entenstilleben und mehreren
Landschaften, von Qualität und kraft-
voller Eigenart, Sperl entzückt durch
zwei Landschaften und ein Porträt. Auch
der seltene R. Hirth du Frenes ist ver-
treten. Hans Thomas Schwarzwald-
landschaft ist eine wichtige Bereicherung
dieser kleinen Galerie von Meisterwerken.
— Lebhaftestes Interesse hat Herbst auch
den Meistern des Genres entgegenge-
bracht. Spitzwegs »Kanonier« stammt
aus der frühen Zeit des großen Humo-
risten. Hermann Kaulbachs »Große
Wäsche« gehört zu seinen reizvollsten
Schöpfungen und auch Hugo Kaufmanns
»Schenke« (1871) ist ein charakteristisches
Bild. Hierher gehören Defreggers »Kin-
der mit Kaninchen«. Sein großes Ge-
mälde »Landsturm« schildert eine Szene
aus den Tiroler Freiheitskämpfen. Dar-
an reihen sich verschiedene Bildnisse,
unter denen der »Hirtenbube« vom Jahre
186g das stärkste Interesse erweckt.
Eduard Grützner ist u. a. mit einem
Falistaff und einem »Wilderer« ver-
treten. W. v. Diezens Raubritter ist der
(Fortsetzung auf S. 277)

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